Start Wirtschaft Sony Interactive kauft Bungie für 3,6 Milliarden $

Sony Interactive kauft Bungie für 3,6 Milliarden $

Sony Interactive übernimmt Bungie (Abbildung: Sony Inc.)
Sony Interactive übernimmt Bungie (Abbildung: Sony Inc.)

Mit Bungie kauft PlayStation-Hersteller Sony Interactive ausgerechnet die Erfinder des Microsoft-Aushängeschilds Halo.

Keine zwei Wochen nach dem spektakulären Activision-Blizzard-Kauf für fast 70 Milliarden $ durch Microsoft reagiert Sony Interactive seinerseits mit einer Milliarden-Übernahme: Der japanische PlayStation-Hersteller kauft das US-Studio Bungie mit Sitz in Bellevue im Bundesstaat Washington.

Nach dem gefühlten und zumindest mittelfristigen ‚Verlust‘ des Activision-Ego-Shooters Call of Duty erhält Sony Interactive damit Zugriff auf die Marke Destiny und das damit einhergehende Online-Shooter- und Free2Play-Knowhow bei Bungie.

Das Schließen dieser strategischen Flanke in einem der kommerziell bedeutendsten Marktsegmente lässt sich Sony Interactive Einiges kosten: Der Kaufpreis liegt bei 3,6 Milliarden $ – also rund 3,2 Milliarden €.

Das Unternehmen mitsamt seiner 900 Mitarbeiter wird in die PlayStation Studios unter Leitung von Hermen Hulst eingegliedert; zum Studio-Verbund gehören unter anderem Insomniac Games (Spider-Man, Ratchet & Clank: Rift Apart), Polyphony Digital (Gran Turismo 7), Guerilla Games (Horizon) und Housemarque (Returnal).

Die Transaktion ist aus vielerlei Gründen bemerkenswert: Denn Bungie hat nicht nur die Online-Action-Spiele Destiny und Destiny 2 entwickelt, sondern auch einst die Shooter-Serie Halo – eines der Aushängeschilder auf den Xbox-Konsolen.

Bungie befand sich außerdem zur Jahrtausendwende im Besitz von Microsoft und war Teil der Microsoft Studios. 2010 ging das Studio anlässlich der Markteinführung von Destiny eine exklusive Vertriebs-Vereinbarung mit Activision Blizzard ein – die Wege trennten sich erst 2019, also vor drei Jahren. Die Destiny-Markenrechte verblieben bei Bungie.

Bei Sony Interactive ist man sich dieses ‚Geschmäckles‘ bewusst: Im offiziellen PlayStation-Blog legt Sony-Interactive-Chef Jim Ryan gleich eingangs seiner Stellungnahme großen Wert darauf, dass Bungie ein unabhängiges Multiplattform-Studio bleiben werde. Sprich: Die Bungie-Games sollen weiterhin für die drei marktführenden Plattformen Xbox (Microsoft), PlayStation (Sony) und PC entwickelt und vermarktet werden.

Art und Umfang der Bungie-Übernahme sind eher untypisch für Sony Interactive und können ungeachtet des kolportierten monatelangen Vorlaufs als Reaktion auf die milliardenschweren Microsoft-Einkäufe der jüngeren Vergangenheit (Zenimax / Bethesda, Activision Blizzard) gewertet werden.

Denn der japanische Unterhaltungselektronik-Riese war bislang dafür bekannt, sehr gezielt ausgewählte Studios und Dienstleister für zwei- bis maximal dreistellige Millionen-Beträge zu übernehmen – meist Partner, mit denen bereits eine langjährige Zusammenarbeit besteht. Im vergangenen Jahr wurden Valkyrie Entertainment, Housemarque, Firesprite, Nixxes Software und Bluepoint Games (Demon’s Souls) erworben.

Xbox Gaming CEO Phil Spencer hat via Twitter bereits herzliche Glückwünsche an Sony Interactive und Bungie übermittelt. Spencers Spiele-Division meldete erst vor wenigen Tagen Rekord-Spielerzahlen für die im Dezember veröffentlichte Neuheit Halo Infinite – basierend auf einer Marke und eines ikonischen Hauptdarstellers (der ‚Master Chief‘), die vor über 20 Jahren von Bungie erfunden wurden.

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