Start Wirtschaft Coronakrise: Auch MediaMarkt und Saturn setzen April-Miete aus

Coronakrise: Auch MediaMarkt und Saturn setzen April-Miete aus

MediaMarkt und Saturn sind Teil der börsennotierten Ceconomy AG (Foto: MediaMarktSaturn Holding)
MediaMarkt und Saturn sind Teil der börsennotierten Ceconomy AG (Foto: MediaMarktSaturn Holding)

Adidas war nur der Anfang: Weitere Einzelhändler stoppen infolge der Coronavirus-Schließungen die Miet-Zahlungen – darunter auch MediaMarktSaturn.

In Einkaufszentren, in Gewerbegebieten und in bester Innenstadtlage – überall dort findet man die Saturn- und MediaMarkt-Filialen. Die Ingolstädter MediaMarktSaturn-Holding beschäftigt an 400 Standorten alleine in Deutschland mehr als 28.000 Mitarbeiter. Nach Amazon sind die beiden Ketten der wichtigste Vertriebskanal für Spielkonsolen und Videospiele.

Jetzt hat das Unternehmen bestätigt, dass „vorsorglich“ die Mietzahlungen für den Monat April bei allen derzeit geschlossenen Märkten ausgesetzt werden sollen. Mit den Vermietern wolle man „eine für alle Seiten gute und tragfähige Lösung finden, die dieser schwierigen Situation gerecht wird.“

Wie andere Einzelhandels-Ketten beruft sich MediaMarktSaturn auf ein Gesetz, das Bundestag und Bundesrat in der vergangenen Woche verabschiedet haben. Demnach darf dem Mieter einer Gewerbe- oder Wohnimmobilie nicht gekündigt werden, falls die ausstehende Miete auf die Folgen der Covid-19-Pandemie zurückzuführen ist. Die Maßnahme ist zunächst befristet für die Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni 2020. Damit sollen Cafés, Restaurants, Buchhändler, Blumenhändler, Friseure oder Optiker davor bewahrt werden, ihre Ladenlokale und damit ihre Existenz zu verlieren.

Einzelhandelsketten wie Douglas, H&M, Deichmann, Kik, C&A, Pimkie und eben MediaMarktSaturn nahmen das Gesetz indes zum Anlass, umgehend die Mietzahlungen auszusetzen. Zwar wird die Mietschuld nur gestundet – das Geld muss also zu einem späteren Zeitpunkt in voller Höhe überwiesen werden. Doch den Vermietern der Immobilien drohen ihrerseits Liquiditäts-Engpässe, sollten weitere gewerbliche Mieter dem Vorbild folgen.

Außerdem wird befürchtet, dass die Mietzahlungen bei fortschreitender Verschärfung der wirtschaftlichen Großwetterlage allenfalls teilweise oder erst nach langwierigem Rechtsstreit erfolgen. Der Lobbyverband Haus & Grund warnt vor einem „Dammbruch“ und einer Pleitewelle.

Die Lawine losgetreten hatte der Herzogenauracher Sportartikel-Hersteller Adidas, der die Miete für seine 460 Filialen aussetzte. Mehrere Bundes- und Landesminister hatten den Konzern für diese Entscheidung scharf kritisiert: Justiz- und Verbraucherministerin Christine Lamprecht (SPD) sprach von einem unanständigen Verhalten – Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nannte das Vorgehen „völlig inakzeptabel“. Für Entrüstung sorgt insbesondere, dass Adidas weit entfernt ist von einer finanziellen Schieflage: Bei einem Umsatz von fast 24 Milliarden Euro blieb zuletzt ein Rekordgewinn von knapp 2 Milliarden Euro übrig.

Ungleich stärker unter wirtschaftlichem Druck ist MediaMarktSaturn: Der börsennotierte Mutterkonzern will Staatshilfen in Form von KfW-Darlehen in Anspruch nehmen – für MediaMarkt und Saturn wurde bereits Kurzarbeit beantragt. Ursprünglich sollte im März ein neues Konzept vorgestellt werden, mit der die dauerkriselnde Elektronikmarkt-Kette wieder in die Erfolgsspur finden soll.

Der Elektronik-Riese leidet nicht nur unter der preisaggressiven Online-Konkurrenz: Mehrere Management- und Strategie-Wechsel haben das Vertrauen der Anleger belastet. Die Corona-Pandemie plus die behördlich angeordneten Schließungen der Filialen haben den Abwärtssog des Aktienkurses endgültig beschleunigt, der derzeit auf einem Allzeit-Tief von unter 2 Euro notiert. Zum Vergleich: Anfang 2018 lag der Kurs noch bei über 13 Euro.

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