Start Sport eSport bei Olympia: IOC-Präsident zieht rote Linien

eSport bei Olympia: IOC-Präsident zieht rote Linien

IOC-Präsident Thomas Bach kann sich eSport bei Olympia vorstellen - allerdings in engen Grenzen (Foto: IOC/Greg Martin)
IOC-Präsident Thomas Bach kann sich eSport bei Olympia vorstellen - allerdings in engen Grenzen (Foto: IOC/Greg Martin)

„Sogenannte Killerspiele“ hätten auch künftig keinen Platz bei Olympia, betont IOC-Präsident Thomas Bach. Gemeint sind eSport-Titel wie „Counter-Strike“ und „Call of Duty“.

Kein guter Tag für die internationale eSport-Szene – zumindest aus sportpolitischer Sicht: Erst kassiert die Bundesregierung die ambitionierten Pläne des Koalitionsvertrags ein, dann wird ein Interview mit Thomas Bach publik, das der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit der Nachrichtenagentur Associated Press im Umfeld der Asian Games in Indonesien geführt hat.

In diesem Gespräch wiederholt Bach jene Thesen, die er bereits seit Monaten vertritt. Demnach sei eine Aufnahme von eSport-Titeln ins olympische Programm zwar prinzipiell vorstellbar, allerdings nicht, solange diese Spiele „Gewalt und Diskriminierung“ propagieren, so Bach. Wörtlich spricht er von „sogenannten Killerspielen“. Diese Spiele widersprächen den olympischen Werten und seien daher bei Olympia inakzeptabel.

Bei den Asian Games waren sechs eSport-Titel als „Demonstrations-Sportart“ vertreten – „Arena of Valor“, „Clash Royale“, „HearthStone“, „League of Legends“, „Pro Evolution Soccer“ (PES) und „StarCraft 2“. Mit Ausnahme des Konami-Fußballspiels „PES 2018“ handelt es sich durchweg um Strategiespiele von Studios, an denen der chinesische Internet-Gigant Tencent beteiligt ist, teils mehrheitlich oder zu 100 Prozent.

Populäre Ego-Shooter und Taktik-Shooter wie „Counter-Strike“, „Overwatch“, „Call of Duty“ oder „Rainbow Six Siege“ sind hingegen nicht Teil des Programms. Gegen diese Art von Spielen, die üblicherweise ab 16 oder 18 Jahren freigegeben sind, richtet sich auch die Kritik von Thomas Bach.

eSport bei Olympia: Ego-Shooter als Hindernis für komplettes Segment

Der aus Deutschland stammende Spitzen-Funktionär war selbst Olympia-Sieger im Fechten – einer Disziplin, in der die Athleten mit Degen und Säbeln gegeneinander antreten. Auf die Frage des AP-Reporters gesteht Bach zu, dass solche Sportarten ihre Ursprünge in realen Kämpfen hätten. Gleichzeitig sei der Sport eine „zivilisierte Variante“ dieser Duelle – im Gegensatz zu eSport-Spielen, bei denen es darum gehe, „jemanden zu töten“.

Die jüngsten Äußerungen sind ein Beleg dafür, dass die Annäherung zwischen dem IOC und dem eSport-Betrieb auch nach dem im Juli ausgerichteten eSport-Forum in der IOC-Zentrale in Lausanne nicht wesentlich vorangekommen ist, im Gegenteil. Bereits im Sommer hatte der deutsche Branchenverband Game einen Offenen Brief an Thomas Bach geschickt – darin hatte Verbandsgeschäftsführer Felix Falk appelliert, „zusammen und unvoreingenommen Gemeinsamkeiten zu suchen und die großen Chancen zu nutzen“.

Die in diesem Schreiben ausgesprochene Einladung zur Gamescom 2018 hat Bach offenkundig nicht erwidert.

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