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GVU: Raubkopierer-Jäger schlittern in die Insolvenz

Gameforge-Klassiker
Gameforge-Klassiker "Metin 2": In Zusammenarbeit mit der GVU wurden mehrere Piraten-Server gestoppt (Abbildung: Gameforge)

Nach mehr als 35 Jahren droht der GVU das Aus: Die umstrittene Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen hat einen Insolvenzantrag gestellt.

„Die GVU bildet in Deutschland die zentrale und notwendige Schnittstelle zwischen Justiz und Kreativwirtschaft bei der Aufklärung und Verfolgung gravierender Fälle von Urheberrechtsverletzungen.“

So steht es geschrieben auf der Website des Branchenverbands Game, der die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (kurz: GVU) bis zur Stunde zu seinen Partnern zählt. Im Game haben sich mehr als 300 Spielehersteller, Studios und Dienstleister zusammengeschlossen.

Heute wurde bekannt, dass die GVU bereits Ende März einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Charlottenburger Amtsgericht gestellt hat. Bis auf Weiteres führt ein Berliner Rechtsanwalt die Geschäfte.

Seit mehr als 35 Jahren ist die GVU im Auftrag von Filmverleihern und Games-Entwicklern mit der Fahndung und Ahndung von Urheberrechtsverletzungen beschäftigt – Spezialität: Raubkopien von Filmen, Serien, Hörbüchern, Musik, Software und Games auf privat gehorteten Datenträgern oder exotischen Filesharing-Servern. Schlagzeilen machten unter anderem Razzien bei Download- und Streaming-Plattformen wie Kino.to und Kinox.

Laut Website gehören Sony Interactive („Uncharted“, „Spider-Man“) und Capcom („Resident Evil“) nach wie vor zu den GVU-Mitgliedern, außerdem Dutzende Buch- und Zeitschriften-Verlage und eben Branchenverbände wie der Game oder der Bundesverband der Musikindustrie.

Im März 2018 hat das Landeskriminalamt Berlin auf Betreiben der GVU und des Karlsruher Online-Games-Entwicklers Gameforge Wohn- und Geschäftsräume durchsuchen lassen. Der Beschuldigte soll einen Piraten-Server für das Gameforge-Rollenspiel „Metin 2“ betrieben haben. Im selben Jahr hat das Amtsgericht Heidelberg einen weiteren Angeklagten zu einer Geldstrafe verurteilt, der zwei Jahre zuvor aufgeflogen war. Der Schaden soll im sechsstelligen Bereich gelegen haben – die Strafe wurde in eine Spende an die Hilfsorganisation Gaming-Aid umgewandelt.

Im Zeitalter von Streaming-Diensten und obligatorischer Abo-Services ist die Bedeutung von Raubkopien rückläufig. Nichtsdestoweniger gehen Spiele-Hersteller wie der Münchener Publisher Koch Media weiterhin juristisch gegen Urheberrechtsverletzungen vor. Erst im Herbst 2018 hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Eltern für die illegalen Filesharing-Aktivitäten ihrer Kinder haften.

„Als Game haben wir über viele Jahre erfolgreich mit der GVU zusammengearbeitet, etwa bei der Bekämpfung von Piraten-Servern“, bilanziert Game-Geschäftsführer Felix Falk. „Im letzten Jahr haben wir uns entschieden, gemeinsam mit unseren Mitgliedern Initiativen außerhalb der GVU umzusetzen, wie wir als Games-Branche mit bekannten und neuen Formen von Urheberrechtsverletzungen umgehen können. Das Thema bleibt für uns als Verband wichtig.“

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