Start Meinung Der Preis ist nice (Fröhlich am Freitag)

Der Preis ist nice (Fröhlich am Freitag)

Erstmals gab es beim Deutschen Entwicklerpreis 2020 einen amtlichen Livestream (Foto: Aruba Events)
Erstmals gab es beim Deutschen Entwicklerpreis 2020 einen amtlichen Livestream (Foto: Aruba Events)

Deutschlands Spiele-Entwickler sind ausgezeichnet – aber noch viel zu selten. Deshalb braucht es mehr Preise und mehr Preisverleihungen im Land.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

wenn es stimmt, dass der Deutsche Entwicklerpreis (DEP) das ist, was die Golden Globes für die Oscars sind, nämlich eine Art Frühindikator, dann kann das Bremer Studio King Art Games (Iron Harvest) schon mal den Schampus für den 13. April kalt stellen: Denn dann wird der Deutsche Computerspielpreis (DCP) verliehen – und im Unterschied zum Entwicklerpreis geht es neben Anerkennung und Trophäen auch um Schecks.

Rechnet man die gewonnenen DEP- auf DCP-Kategorien um, reden wir von 175.000 Euro aufwärts.

Aber das ist noch graue Theorie, denn so eine Award-Jury – so viel darf man ohne Verstoß gegen Verschwiegenheitspflichten verraten – entwickelt im Verlauf von stundenlangen Beratungen immer eine gewisse Eigendynamik. Und dann werden zu später Stunde plötzlich flammende Plädoyers für Kandidaten abgehalten, die man eingangs gar nicht auf dem Zettel hatte.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Die Bedeutung solcher Auszeichnungen wird jedenfalls landläufig unterschätzt: Es gibt genügend Beispiele dafür, dass erst durch das Scheinwerferlicht einer Preisverleihung Investoren, Publisher, Influencer und Medien auf Teams und Produkte aufmerksam wurden. Gerade junge Studios können ihr Glück oft nicht fassen, wenn sich in der Woche nach der Show erstmals Fernseh- und Radiosender plus Fach- und Lokalpresse für ihr Wirken interessieren.

Weiterhin gilt: Deutschlands Spiele-Industrie ist mit Auszeichnungen chronisch unterversorgt – im Unterschied zum Film-, Buch- oder Musikbereich. Jedes Bundesland, jede Sende-Anstalt, jede Großstadt, die etwas auf sich hält, verleiht eigene Preise an Regisseure, Schauspieler, Autoren, Künstler. Da geht es natürlich auch immer um Glamour und Rote Teppiche, aber eben auch um die Würdigung kreativer und handwerklicher Leistungen.

In der Games-Branche ist das anders – was auch (aber nicht nur) daran liegt, dass der Marktanteil heimischer Produkte seit Jahren auf beklagenswertem Niveau vegetiert. Wie zum Beweis braucht es im Jahr 2021 immer noch die Strahlkraft internationaler und daher undotierter Preisträger wie Red Dead Redemption 2 und Horizon: Zero Dawn, um dem amtlichen Computerspielpreis auf Social-Media-Kanälen die gebotene Relevanz zu verleihen. Gleiches gilt für die Laudatoren-Riege, für die regelmäßig TV-Prominente ohne jedwede Street Credibility gebucht wurden.

Auch Teile der Politik fremdeln weiterhin mit dem Gewerbe. Eher selten hatte man den Eindruck, Dobrindt und Scheuer fühlten sich in ihrer Rolle als Gastgeber auf der DCP-Bühne wirklich wohl. Und: Erst vor etwas mehr als einem Jahr konnte sich die Bundesregierung dazu durchringen, sowohl das Preisgeld als auch die Gala komplett vom Steuerzahler übernehmen zu lassen – so, wie es bei anderen Kulturpreisen der Fall ist.

Nun könnte man annehmen, dass die Pandemie das Scheinwerferlicht von Preisverleihungen zumindest etwas dimmt. Das Gegenteil ist der Fall, denn gleichzeitig steigt notgedrungen die digitale Reichweite. Noch beim Deutschen Entwicklerpreis 2019 mussten Gäste mit wackeligen Handy-Videos die Veranstaltung heimlich aus dem Saal übertragen, weil es eben keinen offiziellen Livestream gab. Erst der Lockdown hat dafür gesorgt, dass heuer nicht nur ein Stream angeboten wurde, sondern gleich mehrere – unter anderem kommentiert von Letsplayern und Branchen-Kennern.

Es ist also weiterhin Luft nach oben im Preis-Business. Das zeigt auch die erfreuliche Aufstockung des DCP-Preisgelds um ein Drittel: Die Einreichefrist endet am kommenden Freitag.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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