Start Meinung Fröhlich am Freitag 2/2020: Zweiundzwanzig zu eins

Fröhlich am Freitag 2/2020: Zweiundzwanzig zu eins

Hamburgs Spiele-Branche zu Gast beim Kultursenator - darunter nur eine Frau (nicht im Bild: Fotografin Julia Rogalitzki)
Hamburgs Spiele-Branche zu Gast beim Kultursenator - darunter nur eine Frau (nicht im Bild: Fotografin Julia Rogalitzki)

Wenn es um die Zukunft der deutschen Spiele-Industrie geht, sitzen Frauen weiterhin (zu) selten am Tisch. Die abgelaufene Woche bildet hier keine Ausnahme.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

als Heimat-, Bau- und Innenminister Horst Seehofer (CSU) im März 2018 stolz seine frisch vereidigte Führungsmannschaft präsentierte, strahlten auf dem offiziellen Foto neun Herren mittleren bis hohen Alters, ausgestattet mit Bundfalten-gestählten Anzügen in Grau, Taubenblau, Anthrazit, Marine und Schwarz sowie je einem Schlips. Der Parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) hatte sich sogar an das modische Grundgesetz von Stilikone Lothar M. gehalten: „Die Schuhe müssen immer zum Gürtel passen.“

Es folgte: ein Aufschrei. Denn offenkundig hatte sich in Seehofers XXL-Ministerium keine Frau gefunden, die seinem Anforderungsprofil genügt hätte.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Ähnlich, wenn auch mit ungleich geringerer Wucht, fielen die Reaktionen auf ein gestern veröffentlichtes Gruppenfoto aus: Es zeigt die Teilnehmer des Spitzengesprächs zwischen Politik und Spielebranche im Gästehaus des Hamburger Senats. Der Anlass war eigentlich ein erfreulicher: Hamburg will wieder Games fördern – nach zehn Jahren Sendepause. Mit am Tisch saßen Vertreter von Daedalic, Square Enix, Tivola, Capcom, Twitch, Rocket Beans, Xyrality, Rockfish, InnoGames und vielen weiteren honorigen Unternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg.

Den 22 Männern wurde eine einzige Frau buchstäblich zur Seite gestellt – Anne Beutenmüller, Marketing-Chefin bei der Hamburger Niederlassung von „Pokémon Go“-Entwickler Niantic.

Deutschlands Spiele-Industrie im Jahr 2020.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft weiterhin eine Lücke von Marianengraben-Ausmaßen. Die Top-Positionen bei allen größeren Unternehmen wurden und werden mit Männern besetzt. Und den wenigen Frauen, die es in verantwortliche Funktionen schaffen, fehlt schlichtweg Sichtbarkeit. Was auch (aber nicht nur) daran liegt, dass gerade bei asiatischen und US-amerikanischen Unternehmen stets der überwiegend männliche Niederlassungsleiter in der Öffentlichkeit auftritt.


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Daran gilt es zu arbeiten: Derzeit entsteht eine GamesWirtschaft-Übersicht jener 100 Frauen, die 2020 für die deutsche Games-Industrie ‚wichtig‘ sind oder werden könnten – in Anlehnung an jenes Special, wie es 2017 schon mal veröffentlicht wurde. Falls Sie einen Tipp haben, wer dringend auf die Liste gehört – Anregungen sind herzlich willkommen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen sowie den großen Jahresrückblick 2019 finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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