Start Marketing & PR Lothar Matthäus über Games: „Ich blockiere mich selbst.“

Lothar Matthäus über Games: „Ich blockiere mich selbst.“

Fußball-Legende Lothar Matthäus auf dem Gamescom-Stand von Toplitz Productions (Foto: GamesWirtschaft)

Normalerweise hält sich Lothar Matthäus bewusst von Konsolenspielen fern – und wo könnte das besser gelingen als auf der Gamescom 2019?

Was fragt man eigentlich einen Weltmeister, Rekordnationalspieler, Weltfußballer, mehrfachen Deutschen Meister, „Fußballer des Jahres“ und Ehrenspielführer der Deutschen Nationalmannschaft über ein Computerspiel, das er zwar bewirbt, aber nach eigener Aussage nur ganz kurz angespielt hat?

Unter diesen Vorzeichen fand das zehnminütige GamesWirtschaft-Gespräch mit Lothar Matthäus auf dem Gamescom-Stand von Toplitz Productions statt. Der österreichische Publisher hat den TV-Experten und Bild-Kolumnisten als Werbefigur für das Fußballmanagement-Spiel „Football, Tactics & Glory“ verpflichtet.

Es gilt das gesprochene Wort.

Lothar Matthäus über Games: „Ich blockiere mich selbst.“

GamesWirtschaft: Sie werben ja mittlerweile seit Jahrzehnten für Computer- und Videospiele – das früheste, was wir gefunden haben, stammt von Anfang der 90er: „Lothar Matthäus – die interaktive Fußballsimulation“. Es folgten viele weitere Titel von ganz unterschiedlichen Spieleherstellern. Was reizt Sie denn gerade an diesem Segment?

Matthäus: Eigentlich spiele ich ja gar nicht, weil ich gar keine Zeit habe …

… heißt, es gibt gar keine Konsole im Hause Matthäus?

Nein. Mein Fünfjähriger ist noch ein bisschen zu klein, der hat ein iPad und spielt damit. Ich persönlich blockiere mich selbst.

Aus Selbstschutz?

Ganz genau, aus Selbstschutz. Weil ich weiß, wie ehrgeizig ich bin. Es gibt in meinem Leben zu wenig Zeit, um diese Ziele, die ich ja als aktiver Spieler erreicht habe, auch im Computerspiel zu erreichen. Ich wäre unzufrieden. Das treibt mich ja irgendwie an. Das ist ja eine Sucht.

Deshalb habe ich auch nie Golf gespielt, weil ich weiß: Wenn ich Golf spielen könnte, hätte ich keine Zeit mehr für andere Dinge, die mir wichtig sind im Leben. Daher habe ich mich ein bisschen davor geschützt.

Mit meinen ältesten Kindern bin ich natürlich schon mal an der Konsole gesessen, aber das ist auch schon zehn, fünfzehn Jahre her. Aber: Ich bin interessiert, verfolge das auch, wie sich die Technik von Jahr zu Jahr verbessert. Das ist wie im normalen Leben: Geschwindigkeit, Geschwindigkeit, Geschwindigkeit.

Jetzt sind Sie ja Testimonial für „Football, Tactics & Glory“, auf deutsch also „Fußball, Taktik und Ruhm“. Ihr größter Triumph – der WM-Titel 1990 – ist jetzt fast 30 Jahre her. An welcher Stelle hat sich denn der Fußball im taktischen Bereich seitdem am meisten verändert?

Wir haben ja gerade von der Geschwindigkeit gesprochen: Man hat weniger Zeit nachzudenken, man macht alles schneller – nicht nur körperlich, sondern vor allem vom Kopf her. Dann gibt es natürlich andere Trainingsmöglichkeiten. Dadurch, dass das Spiel schneller geworden ist, stehen die Spieler auch viel näher beisammen. Die Räume zwischen den einzelnen Spielern sind viel enger wie noch vor 20, 30 Jahren. Damals war das Spielfeld gefühlt viermal so groß wie jetzt.

Außerdem hat man natürlich jetzt Spieler, die technisch viel besser sind. Vor 20 Jahren hast du drei, vier Spieler gehabt, die dribbeln konnten, dazu einen Spieler, der einen langen Pass spielen kann. Heute ist der Torhüter genauso gut wie früher der Spieler mit der Nummer 10.

Fußballmanager "Football, Tactics & Glory" (Abbildung: Toplitz)
Fußballmanager „Football, Tactics & Glory“ (Abbildung: Toplitz Productions)

Welcher Bundesligaverein ist im Bereich Digitalisierung aus Ihrer Sicht am besten aufgestellt?

Das lässt sich am ehesten danach beurteilen, was auf dem Platz passiert. Wer hat langen Ballbesitz, wer spielt schnell nach vorne und so weiter. Wie beim Computerspiel kannst du als Trainer alles so einstellen, wie du es brauchst. Lässt du wie Guardiola spielen, hast du eben viel Ballbesitz. Lässt du eher wie Nagelsmann spielen, dann hast du schnelles Umschaltspiel nach vorne.

Wie im Spiel: Man hat verschiedene Systeme, verschiedene Spielertypen – der eine spielt lieber defensiv und spielt nur mit hohen Bällen und langen Bällen. Otto Rehhagel ist so mal Europameister geworden mit Griechenland. Da war wenig technischer Fußball dabei.

Andererseits: Wenn man Ballbesitz haben will, dann spielt man eben diesen Barcelona-Stil oder Guardiola-Stil – wenn man hingegen mehr Kraft und Explosivität drin haben will, dann spielt man Liverpool mit Klopp.

Zum Abschluss: Demnächst wird sich ja die Nationalmannschaft zur EM 2020 in Herzogenaurach einquartieren. Gab es denn schon Anfragen vom DFB für eine exklusive Sightseeing-Tour durch Ihre Heimatstadt?

Naja, da ist ja nicht so viel los. Da müsste man schon eher nach Nürnberg gehen oder nach Erlangen, eine schöne Universitätsstadt. Da gibt’s auch tolle Kneipen. Aber ich glaube, die Spieler sollten sich jetzt mal auf das fokussieren, was im nächsten Jahr im Mittelpunkt stehen sollte. Nämlich nach dem beschämenden Turnier 2018 in Russland eine tolle Europameisterschaft 2020 zu spielen.

Die Voraussetzungen sind da: Wir haben wieder eine Top-Mannschaft. Jogi Löw hat das ein bisschen modernisiert und etwas zeitgemäßere Spieler in die Mannschaft eingebaut. Ich denke da an Gnabry, ich denke an Sané, ich denke an Timo Werner – also schnelle Spieler, aggressive Spieler, auch in der Verteidigung ist man ein bisschen schneller geworden, auch im Mittelfeld, wo man mit Özil und Kroos Spieler gehabt hat, die nicht das höchste Tempo gehabt haben. Die hatten zwar große Spielintelligenz und gute Technik – aber ich glaube, Geschwindigkeit ist das Entscheidende.

Das hat Jogi Löw gerade nach der Weltmeisterschaft im letzten Jahr erkannt und deshalb auch einige Spieler aussortiert und neue, frische, junge, ehrgeizige, leidenschaftliche Spieler in die Mannschaft reingebracht.

Ich bin auf jeden Fall zuversichtlich – ich glaube an die Mannschaft, an die Spieler. Ich habe da gar keine Sorge. Russland war ein Ausrutscher, ein kleiner Unfall, der aber schnell repariert werden kann mit einer erfolgreichen Europameisterschaft 2020.

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