Start Meinung Fröhlich am Freitag 28/2019: Und täglich grüßt das Lichtschwert

Fröhlich am Freitag 28/2019: Und täglich grüßt das Lichtschwert

Die DCP-Gastgeber Scheuer (2019), Söder (2018) und Dobrindt (2017) posieren mit Star-Wars-Personal (Fotos: Isa Foltin / Franziska Krug / Getty Images for Quinke Networks)
Die DCP-Gastgeber Scheuer (2019), Söder (2018) und Dobrindt (2017) posieren mit Star-Wars-Personal (Fotos: Isa Foltin / Franziska Krug / Getty Images for Quinke Networks)

Weil es der Games-Branche an eigenen VIPs fehlt, müssen ein ums andere Mal Jedi-Ritter in die Bresche springen. Das kann eigentlich nicht so bleiben.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

als in den vergangen Tagen die dpa-Meldung von der Rettungsmission für die staatliche Games-Förderung verarbeitet werden wollte, griff man in Deutschlands Redaktionsstuben zu einem buchstäblich naheliegenden Motiv: Herr Bundesminister Andreas Scheuer (Verkehr) und Frau Staatsministerin Dorothee Bär (Digitales) auf dem Roten Teppich des Deutschen Computerspielpreises 2019, bewaffnet und wild fuchtelnd mit einem batteriebetriebenen Lichtschwert und flankiert von Star-Wars-Personal, also Sturmtruppen und Darth Vader. So geschehen unter anderem beim ZDF, beim Bayerischen Rundfunk und bei Spiegel Online.

Zum Verwechseln ähnliche Bilder hat im vergangenen Jahr Bayerns Ministerpräsident Markus Söder produziert – und zuvor wiederum Scheuers Vorgänger Alexander Dobrindt. Die Granden der CSU scheinen ein Faible für Lebensentwürfe aus weit, weit entfernten Galaxien zu pflegen. Zur Macht drängt es sie bekanntlich ohnehin.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Jedenfalls: In den zehn Jahren, in denen der amtliche Computerspielpreis verliehen wird, dürfte es keine Saison gegeben haben, in der nicht Sturmtruppen Spalier standen. An den Anblick des imperialen Männerballetts hat man sich schon so sehr gewöhnt, dass ungefähr niemand mehr die naheliegendste Frage stellt.

Die da lautet: Warum eigentlich?

Schließlich war beim Deutschen Computerspielpreis noch nie ein „Star Wars“-Spiel nominiert. Weder 2019 noch 2018 noch jemals davor. Und trotzdem würde ich schon jetzt einen Zehner darauf verwetten wollen, dass wir im April 2020 in München das gastgebende politische Spitzenpersonal dabei beobachten können, wie es von den Fotografen am Roten Teppich dazu genötigt wird, doch bitte-bitte-bitte zu den bereitliegenden Leuchtstäben zu greifen.

Weshalb? Weil … nun ja … eben: Star Wars!


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Dabei gibt es zwischen dem Universum nach Lucas und den beim DCP verhandelten Games exakt keine Schnittmenge – was bekanntlich in gleicher Weise auf die alljährlich gebuchten Moderatoren und Laudatoren zutrifft.

Lord Vader, Boba Fett und Stormtrooper stehen geradezu sinnbildlich für den Umstand, dass es auch im Jahr 2019 zugekaufte Prominenz aus anderen Universen (Film, TV, Musik, Politik) braucht, um die Computerspiele-Industrie seriös zu bebildern – und zwar in einer Weise, die verwertbares Aufmacher-Material für Boulevard- und Fachmedien und TV-Beiträge liefert. Merkels Digital-Beauftragte Bär hat da im April dieses Jahres vorsichtshalber erst gar nichts dem Zufall überlassen.

Immerhin ist erkennbares Bemühen erkennbar, den Cosplayern und Walking-Acts mehr Platz einzuräumen. Was jedoch regelmäßig fehlt, sind echte Menschen, echte Emotionen, echte Typen, die dem Thema Games in der Öffentlichkeit ein wiedererkennbares Gesicht geben. Zur Not müssten sich eben marktführende Letsplayer (noch) stärker einbringen, solange die Spiele-Entwickler entweder nicht willens oder nicht in der Lage sind, für ihr Handwerk zu werben.

Die mit Abstand wahrscheinlichste Variante lautet: Stellen Sie sich mal besser auf viele weitere anlassfreie Star-Wars-Gruppenfotos ein – das Imperium wird solange zurückschlagen, bis der letzte Jedi fällt. Nächster Halt: Gamescom!

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle bisherigen Folgen unserer Kolumnen-Reihe finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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