Start Meinung Fröhlich am Freitag 24/2019: Was sind Spiele noch „wert“?

Fröhlich am Freitag 24/2019: Was sind Spiele noch „wert“?

Jüngster Neuzugang unter den Games-Flatrates: In Uplay+ sind alle künftigen Ubisoft-Titel inklusive - und das für 15 Euro pro Monat (Foto: Ubisoft)
Jüngster Neuzugang unter den Games-Flatrates: In Uplay+ sind alle künftigen Ubisoft-Titel inklusive - und das für 15 Euro pro Monat (Foto: Ubisoft)

Games, Film, Musik: Medien-Inhalte verlieren mit Lichtgeschwindigkeit an Wert (zumindest in Euro). Was macht das mit der Branche – und ihren Kunden?

Fröhlich am Freitag 24/2019: Die wöchentliche Kolumne aus der Chefredaktion

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

Erstes Deutsches Fernsehen. Zweites Deutsches Fernsehen. Die Dritten. Fertig.

So sah das TV-Programm in meiner Kindheit aus – erst später kamen die Privaten hinzu und verdoppelten das Angebot. Und heute? Allein ein handelsüblicher Kabelanschluss liefert den Zugriff auf Dutzende Sender – die Pay-TV- und Streaming-Anbieter oder YouTube noch nicht mal mitgerechnet. Für jede noch so schräge Neigung (Hitler-Dokus, Dart-WM, Monster-Trucks, Cupcake-Rezepte, Italo-Western, Pauschalreisen) gibt es gefühlt einen eigenen Kanal. Für die wenigsten Angebote wird sich allein aus technischen Gründen eine TV-Quote ermitteln lassen – und wenn, dann läge sie im Promille-Bereich.

Oder nehmen wir den Musik-Bereich: Im letzten Jahrtausend haben Menschen auf CDs (früher) oder Schallplatten (sehr viel früher) oft monatelang hingespart und hingefiebert. Heute spielen Spotify und Alexa auf Zuruf nahezu jedes jemals kommerziell verwertete Werk. Bei YouTube gibt’s das passende Musikvideo. Der einzelne Song verliert dadurch zwangsläufig an Wert, sowohl für den Zuhörer als auch für den Musiker. Itunes, das ja angeblich die Musikindustrie zerstört hat, etikettierte einen Song immerhin noch mit 99 Cent. Bei Spotify liegt dieser Preis bei Null. Weil allein von Spotify und YouTube-Abrufen nur die allerwenigsten (über)leben können, müssen Bands zwingend auf Tour gehen und 30-Euro-T-Shirts verticken.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Jetzt steht die Games-Branche vor der nächsten Umwälzung, nach Free2play, Games-as-a-Service und Digitalvertrieb. Die meisten Beobachter sind sich einig: Flatrates und Abos in Kombination mit Streaming-Diensten sind das nächste große Ding – mit gewaltigen Auswirkungen auf Marketing, Vertrieb und Entwicklung.

Im Xbox Game Pass sind schon jetzt 100 Games zugänglich – und alles, was Microsoft in den kommenden Monaten selbst entwickelt und veröffentlicht, ist inklusive. Ein ähnliches Angebot schnürt Ubisoft mit Uplay+. Motto: Zahle 15 Euro monatlich und bekomme … alles! Electronic Arts wird EA Access zwangsläufig analog umbauen (müssen). Man kann die Uhr danach stellen, wann Sony mit einem ähnlichen PlayStation-Deal um die Ecke kommt. Irgendwo muss er ja hin, der Back-Katalog.

Klar ist: Wer Abos verkaufen und betreiben will, braucht Inhalte – viele Inhalte, exklusive Inhalte. Das ist für Entwickler-Studios prinzipiell eine gute Nachricht, auch für jene in Deutschland. In der TV-Branche sorgen Netflix, Sky und Prime Video für volle Auftragsbücher und gut ausgelastete Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren.

Die Games-Industrie sollte sich aber bewusst sein, dass durch die Abomodelle eines unwiederbringlich verloren geht: ein Gefühl für den „Wert“ einzelner Spiele – eben weil kein Preisschild mehr an Produkten klebt. Mit jedem zusätzlichen Abo-Tarif wird es sich falscher anfühlen, 50 oder 60 Euro oder auch nur 10 oder 20 Euro für ein einzelnes Videospiel auszugeben. Wozu das führt, lässt sich im Appstore besichtigen, wo kostenpflichtige Games nur noch in Ausnahmefällen vermittelbar sind. Die Mehrheit ist schlichtweg nicht mehr bereit, für einzelne Produkte im Voraus zu zahlen.

„Stranger Things“, „Game of Thrones“ und „Breaking Bad“ zeigen allerdings auch: Selbst wenn dem Publikum das Gefühl für den Wert in Euro verloren gehen mag – der Wertschätzung gegenüber außergewöhnlichen Werken tut die neue schöne Abo-Welt keinen Abbruch. Im Gegenteil.

Und das ist ja auch schon was wert.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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