Start Karriere Top 50 Frauen der Games-Branche 2017: Politik, Verbände, Lehre

Top 50 Frauen der Games-Branche 2017: Politik, Verbände, Lehre

GamesWirtschaft-Serie: 50 Frauen der deutschen Games-Branche 2017
GamesWirtschaft-Serie: 50 Frauen der deutschen Games-Branche 2017

Berlin ist zwar nicht die deutsche Games-Hauptstadt, bleibt aber politisches Zentrum: Diese zehn Frauen gestalten die Rahmenbedingungen der Branche mit. 

Die Innenministerkonferenz beschließt einstimmig ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von gewalthaltigen Ego-Shootern und Action-Spielen. Bayern bringt ein „Killerspiel-Verbot“ in den Bundesrat ein. Große Studios wie Crytek drohen damit, aus Protest ins Ausland abzuwandern.

Dieses Szenario klingt fiktiv, hat aber genau so stattgefunden und ist gar nicht so lange her – gerade einmal zehn Jahre, kurz nach dem Amoklauf an einer Schule in Emsdetten. Wie es dazu kommen konnte, zeichnet die sehenswerte Doku-Trilogie des ZDF („Killerspiele: Der Streit eskaliert“) nach, die auf der Nominierungsliste für den Grimme-Preis 2017 steht.

Wären die Gesetzentwürfe ganz oder teilweise in die Tat umgesetzt worden – die Welt der Computer- und Videospiele sähe heute komplett anders aus, zumindest in Deutschland.

Dieses Extrembeispiel zeigt, wie enorm der Einfluss der Politik (auch) auf das Thema Games ist – und dass eine Gesellschaft solch intensive Debatten führen und aushalten muss, um am Ende zu möglichst klugen Lösungen zu kommen. Daran beteiligt sind neben Abgeordneten und Parteien auch Mitarbeiter in Ministerien, Bürgerinitiativen, Verbände, Lobbyisten und Wissenschaftler.

Um einige der einflussreichsten Vertreterinnen aus diesem Personenkreis dreht sich die fünfte und letzte Folge unserer Serie.

Top 50 Frauen der Games-Branche: Politik, Verbände, Lehre

[toc]Die gröbsten Gewaltspiel-Debatten sind glücklicherweise ausgestanden, wie das bemerkenswert schnell beendete Aufflackern im Sommer 2016 zeigte. In einem Jahr mit gleich mehreren wichtigen Wahlen und prall gefüllten Steuersäckeln stehen andere Themen auf den Wunschzetteln der Spielehersteller.

Vorrangigstes Ziel: den darbenden heimischen Studios und Games-Startups auf die Füße zu helfen. Es geht um Förderung, Steuererleichterungen, Preise, kurz: um Geld.

Formuliert werden solche Vorschläge und Forderungen im Wesentlichen von zwei Verbänden, die ihren Sitz in unmittelbarer Nähe des Berliner Regierungsviertels haben:

  • der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V. (BIU), dem die drei großen Spielkonsolenhersteller (Microsoft, Nintendo, Sony) und 23 der größten und umsatzstärksten Spiele-Anbieter angehören – von A wie Activision Blizzard bis Z wie Zenimax. Der BIU ist gleichzeitig Ausrichter der Spielemesse Gamescom.
  • der GAME Bundesverband e. V., in dem sich über 100 kleine und mittelgroße Spiele-Entwickler zusammengeschlossen haben. Bekannteste Vertreter: Chimera Entertainment, CipSoft, Daedalic Entertainment, Piranha Bytes und Deck 13.

Beide Verbände sind gemeinschaftliche Träger der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), der Stiftung Digitale Spielekultur und des Deutschen Computerspielpreises.

Eine wesentliche Rolle spielen zudem Standortinitiativen und Netzwerke (Games Bavaria, Gamecity:Hamburg) sowie Fördereinrichtungen wie das Medienboard Berlin-Brandenburg und Nordmedia.

10 Politikerinnen und Wissenschaftlerinnen, die Sie kennen sollten

Die Top 10 dieser Kategorie müsste streng genommen eine Top 30 sein – mindestens. In Verbänden, Hochschulen und insbesondere im Bereich der Beratung gibt es eine ganze Reihe bestens vernetzter Games-Expertinnen. Mehr noch als bei den anderen vier Folgen gilt daher: Diese Serie kann allenfalls eine (kleine) Auswahl abbilden. Welche Kriterien wir angelegt haben, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Hier die Top 10 in der Disziplin Bereich „Politik, Verbände, Lehre“ in alphabetischer Reihenfolge:

Dorothee Bär

Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin im BMVI (Foto: Gisela Schober/Getty Images for Quinke Networks)
Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin im BMVI (Foto: Gisela Schober/Getty Images for Quinke Networks)

Im Hauptberuf ist die fränkische CSU-Politikerin als Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium beschäftigt – und gleichzeitig Koordinatorin der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik.

Darüber hinaus wirbt Dorothee Bär mit ungebremstem Enthusiasmus für die Games-Branche – sei es als Mit-Initiatorin der Bundestags-LAN oder als Hauptjury-Vorsitzende des Deutschen Computerspielpreises.

Bär ist außerdem Vorsitzende des Netzpolitik-Arbeitskreises CSUnet und eine der eifrigsten Twitter-Nutzerinnen unter den Abgeordneten im Reichstag.

Svenja Bhatty

Svenja Bhatty und Christiane Gehrke, Gaming-Aid e. V. (Deutscher Entwicklerpreis 2016 / Foto: Aruba Events GmbH/Uwe Völkner)
Svenja Bhatty und Christiane Gehrke, Gaming-Aid e. V. (Deutscher Entwicklerpreis 2016 / Foto: Aruba Events GmbH/Uwe Völkner)

Eine Top 50 wäre einfach nicht komplett ohne die lobende Erwähnung des ehrenamtlichen Engagements der Games-Branche. Gemeinsam mit ihrer Vorstandskollegin Christiane Gehrke leitet Svenja Bhatty seit Oktober 2016 das Büro des 2013 gegründeten Gaming-Aid e. V.

Unter dem Motto „Spielend helfend“ bietet der Verein unbürokratische Unterstützung – sei es in Form von Spielkonsolen für Kinderkrankenhäuser oder im Fall innerfamiliärer Schicksalsschläge.

Unterstützt wird das Team von Publishern, Studios, Medien und Social-Media-Stars: Bei der Erstauflage des Youtuber-Spendenmarathons Friendly Fire im Jahr 2015 erstreamten PietSmiet, Gronkh & Co. mehr als 120.000 Euro zugunsten von Gaming-Aid.

Prof. Dr. Linda Breitlauch

Prof. Dr. Linda Breitlauch, Hochschule Trier
Prof. Dr. Linda Breitlauch, Hochschule Trier

Es gibt kaum eine Games-Veranstaltung, auf der man Europas erste Games-Professorin nicht antrifft: Breitlauch ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GAME Bundesverbandes, Mitglied mehrerer Jurys und regelmäßige Sprecherin auf Konferenzen.

Nach Stationen in Brandenburg, Düsseldorf und Berlin lehrt und forscht sie seit 2014 als Professorin für Intermedia Design an der Hochschule Trier. Schwerpunkte: Interaktives Storytelling, Serious Games und Gamification.

Christine Schulze-Grotkopp

Christine Schulze-Grotkopp, BIU e. V.
Christine Schulze-Grotkopp, BIU e. V.

Im Superwahljahr 2017 kommt es nicht zuletzt auf sie an: Christine Schulze-Grotkopp ist die Senior Manager Public Affairs & Communications beim Branchenverband BIU.

Von ihrem Büro am Berliner Gendarmenmarkt aus betreibt sie Lobby-Arbeit im Sinne der Branche: Förderung und eine Reform des Jugendmedienschutzes sind zwei der zentralen Anliegen des Verbands.

Vor ihrem Einstieg beim BIU war Schulze-Grotkopp unter anderem Büroleiterin von Bundestagsabgeordneten und brachte es bis zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen.

Dr. Michaela Haberlander

Dr. Michaela Haberlander, FFF Bayern
Dr. Michaela Haberlander, FFF Bayern

Von zuletzt 570.000 Euro auf bald 1,8 Millionen Euro: Auf diese Summe steigt bis 2018 das Volumen für die staatliche Förderung bayerischer Spiele-Entwickler. Die positive Entwicklung ist nicht zuletzt ein Verdienst von Michaela Haberlander, Förderreferentin beim FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern).

Dort berät sie Start-Ups und Mittelständler über die Möglichkeiten einer staatlichen Anschubfinanzierung für Konzepte und Projekte. Zu den geförderten Titeln gehören buchstäblich ausgezeichnete Spiele wie Shift Happens (Klonk Games) oder The Last Tinker (Mimimi Productions).

Martina Hannak-Meinke

Martina Hannak-Meinke, Vorsitzende der BPjM (Foto: Schafgans)
Martina Hannak-Meinke, Vorsitzende der BPjM (Foto: Schafgans)

Unglaubliche 25 Jahre lang war Elke Monssen-Engberding das Gesicht der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) – und damit Deutschlands oberste Jugendschützerin. Seit April 2016 ist Martina Hannak-Meinke die neue Chefin der Bonner Behörde.

Die Juristin entscheidet also mit, was auf dem Index landet und was nicht.

In den vergangenen Jahren machte die BpjM allerdings mehr durch Listenstreichungen als durch Games-Indizierungen von sich reden. Klassiker wie Gears of War 2, Fallout 3, Hitman, Max Payne, Resident Evil 3 oder Doom sind inzwischen wieder frei verkäuflich.

Prof. Odile Limpach

Prof. Odile Limpach, Cologne Game Lab
Prof. Odile Limpach, Cologne Game Lab

Acht Jahre Ubisoft-Geschäftsführerin, weitere sechs Jahre auf dem Chefsessel von Blue Byte: Odile Limpach kennt das Innenleben eines internationalen Games-Publishers wie wenige andere. Seit 2014 berät sie Unternehmen und lehrt parallel als Professorin am Cologne Game Lab der Technischen Hochschule Köln – Fachgebiet „Game Economics and Entrepreneurship“.

Darüber hinaus ist sie Mitgründerin des Accelerator-Programms Spielfabrique, an dem unter anderem der TV-Sender ARTE und Microsoft mitwirken.

Prof. Mareike Ottrand

Prof. Mareike Ottrand, HAW Hamburg (Foto: Kolja Warnecke)
Prof. Mareike Ottrand, HAW Hamburg (Foto: Kolja Warnecke)

Drei Jahre nach Gründung wurde Studio Fizbin bereits mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet: 2014 gewannen die Ludwigsburger mit dem Adventure The Inner World den Hauptpreis für das „Beste deutsche Spiel“.

Die Figuren und das grafische Konzept stammen von Studio-Mitgründerin Mareike Ottrand. Das Team arbeitet derzeit an der Fortsetzung „The Inner World 2: Der letzte Windmönch“, die 2017 erscheinen soll.

Im Fokus von Mareike Ottrand steht allerdings die Lehre: An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg unterrichtet sie als Professorin in den Disziplinen „Interaktive Illustration“ und „Games“.

Andrea Peters

Andrea Peters, Vorstandsvorsitzende des media.net berlin-brandenburg
Andrea Peters, Vorstandsvorsitzende des media.net berlin-brandenburg

Das media.net berlinbrandenburg (nur echt ohne Großbuchstaben) ist eines der größten und wichtigsten regionalen Netzwerke der Digitalbranche. An der Spitze des Verbands steht die Vorstandsvorsitzende Andrea Peters: Unter ihrer Leitung ist media.net seit dem Amtsantritt 2008 kräftig gewachsen.

Im Gegensatz zum Medienboard Berlin-Brandenburg verteilt media.net keine Fördergelder – stattdessen steht die Vernetzung von 450 Unternehmen der Hauptstadtregion im Mittelpunkt, zum Beispiel im Rahmen der Games Week Berlin.

Zu den Mitgliedern des Segments games:net gehören Kaliber wie King, Wooga, Gameduell oder Epic Games.

Marie-Blanche Stössinger

Marie-Blanche Stössinger, Geschäftsführerin der USK (Foto: Wooga GmbH)
Marie-Blanche Stössinger, Geschäftsführerin der USK (Foto: Wooga GmbH)

Ihr Kommunikations-Handwerk lernte Stössinger in den Deutschland-Zentralen von M-TV und Viacom (VIVA, Nickelodeon), zuletzt als Vice President Communications. Bis Ende 2016 war sie als Head of PR für den Berliner App-Spezialisten Wooga tätig.

Seit Jahresanfang führt Stössinger als Nachfolgerin von Felix Falk die Geschäfte der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Die USK ist für die Vergabe der gesetzlich vorgeschriebenen Alterskennzeichen bei Spielen zuständig und damit das Pendant zur FSK beim Film.

Ihr zur Seite stehen erfahrene Mitarbeiterinnen: Die Leitung des Prüfbereichs obliegt zum Beispiel Christine Schulz, die seit über 20 Jahren in Diensten der USK steht. Und weil die Alterskennzeichnung ein halbstaatlicher Vorgang ist, wird jede Entscheidung von Lidia Grashof abgesegnet – sie ist eine der beiden „Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden“.

Dies sind die weiteren Folgen unserer Top-50-Serie:

  • Montag, 23. Januar: Management (CEOs, Gründerinnen)
  • Dienstag, 24. Januar: Entwicklung (Gamedesign, Grafik, Programmierung)
  • Mittoch, 25. Januar: Marketing & PR
  • Donnerstag, 26. Januar: Medien (Influencer, Journalistinnen, Moderatorinnen)
  • Freitag, 27. Januar: Politik, Verbände, Lehre

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