Start Events „Digitale Kultur in Berlin wird weitestgehend ausgeblendet“

„Digitale Kultur in Berlin wird weitestgehend ausgeblendet“

Mit dem Indie-Games-Festival ist Thorsten Wiedemann (vierter von links) fester Bestandteil der Games Week Berlin (Foto: GamesWirtschaft)
Mit dem Indie-Games-Festival ist Thorsten Wiedemann (vierter von links) fester Bestandteil der Games Week Berlin (Foto: GamesWirtschaft)

Welchen Stellenwert haben Computerspiele für Berlins Kunst und Kultur? A MAZE-Veranstalter Thorsten Wiedemann kritisiert die Unwucht bei der Verteilung öffentlicher Fördergelder.

Einen Antrag über Zuschüsse von 130.000 Euro pro Jahr hat die A MAZE GmbH bei der Berliner Kultur-Senatsverwaltung eingereicht. Dieser Betrag entspricht gut einem Drittel des Gesamtbudgets, das für die Durchführung des preisgekrönten Indie-Games-Festivals „A MAZE. / Berlin“ im Jahr 2020 und 2021 benötigt wird.

Doch eine 14köpfige Experten-Jury hat 1,55 Millionen Euro an 24 andere Projekte verteilt, wie heute bekannt wurde. In diesem Gremium ist viel Sachverstand versammelt – allerdings eher mit Blick auf Theater, Literatur und Jazz, wenig bis gar nicht im Bereich Games.

Für das Team rund um Festival-Gründer Thorsten Wiedemann ist die Nachricht aus dem Berliner Senat ein Schlag ins Kontor. Im GamesWirtschaft-Interview erklärt Wiedemann, wie es nun weitergeht mit dem Spiele-Festival, das bislang fester Bestandteil der Games Week Berlin ist.

„Politiker nehmen keinen oder wenig Einfluss auf die lokale Kulturpolitik.“

GamesWirtschaft: Thorsten, was bedeutet die Absage konkret für A MAZE 2020/21?

Wiedemann: Der Antrag für die „Spartenoffene Förderung für Festivals und Reihen ein- und zweijährig der Senatsverwaltung für Kultur und Europa“ war für uns eine wichtige Angelegenheit und super Möglichkeit. Zumal dieses Programm darauf ausgelegt ist, unabhängigen Festivals wie ‚A MAZE. Berlin‘ mehr Planungssicherheit zu bieten, um weiterhin ein ausdrucksstarkes, unabhängiges Programm auf die Beine zu stellen. Unser Anspruch ist es, das Thema Games und Digitale Welten künstlerisch, kulturell wertvoll und vor allem zeitgemäß und positiv vorzuleben

Unser Plan für ‚A MAZE. / Berlin 2020/21‘ ist es, das Festival mit Auftragsarbeiten und klaren Festivalthemen auszubauen und ein gehörtes Sprachrohr einer weltweiten Community zu sein, die Games als künstlerisches Ausdrucksform lebt und sich nicht unbedingt als Teil einer Industrie sieht.

Mich ärgert, dass Games zwar eifrig von Politikern und anderen Experten als Kulturgut rauf und runter gebetet werden, diese aber leider keinen oder wenig Einfluss in der lokalen Kulturpolitik nehmen. Ansonsten würde das 14köpfige Gremium und die Ergebnisse dieser Förderrunde nicht so ausfallen.

A MAZE ist in Berlin zu Hause . A MAZE wurde hier gegründet und soll hier auch weiterbestehen. 2012 haben wir mit 40 zahlenden Festivalbesuchern angefangen. Nun begrüßen wir an knapp vier Tagen über 1.000 professionelle Künstler*innen aus 40 Ländern in Berlin und ziehen knapp 3.000 Besucher in unseren Ausstellungen und Performances während der Games Week Berlin.

Diese Absage bedeutet für uns konkret, dass wir das Festival nicht so weiterführen können, wie wir es uns vorgestellt haben – und wir uns überlegen müssen, wie sich A MAZE nächstes Jahr präsentiert, ohne an Magie zu verlieren.

Wurde euch eine Begründung genannt? Oder kennt ihr mögliche Gründe?

Auf meine Anfrage hin gab es kein Feedback vom Gremium – was ich bei 130 komplexen Projekten gut nachvollziehen kann. Es heißt, die Qualität der 130 Anträge war hoch. 24 Projekte wurden ausgewählt, die sich 1,55 Millionen Euro teilen. Natürlich hat es jedes Projekt verdient, gefördert zu werden, das ist auch nicht meine Kritik. Aber anhand der Ergebnisse scheint es so, als wäre die digitale Kultur in Berlin weitestgehend ausgeblendet worden – und das ist, finde ich, absolut nicht zeitgemäß.

Wie sieht nun der Plan B aus? Gibt es alternative Fördertöpfe?

Glücklicherweise ist uns die Förderung vom Medienboard Berlin-Brandenburg sicher. Eine gute Basis! Aber um A MAZE. / Berlin auf dem Level von 2019 weiterführen zu können beziehungsweise auszubauen, werden wir Alternativen finden müssen oder weiter Anträge zur Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa schicken und auf ein neues Gremium zu hoffen, das A MAZE. / Berlin als ebenso förderungswürdig sieht wie wir.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here