Start Wirtschaft Savedroid PR-Gau: Kollateralschaden für Kryptowährungs-Branche

Savedroid PR-Gau: Kollateralschaden für Kryptowährungs-Branche

Savedroid-Gründer Yassin Hankir verunsichert Tausende Anleger mit einem vorgetäuschten Kryptowährungs-Betrug.
Savedroid-Gründer Yassin Hankir verunsichert Tausende Anleger mit einem vorgetäuschten Kryptowährungs-Betrug.

Die ohnehin unter Wildwest-Verdacht stehende Kryptowährungs-Szene ist um einen Aufreger reicher: Nachdem das Frankfurter Fintech-Startup Savedroid mehr als 40 Millionen Euro an Investorengeldern eingesammelt hat, suggerierte CEO Yassin Hankir, er sei mit dem Geld durchgebrannt. Jetzt kommt heraus: Es handelt sich – zum Glück – „nur“ um einen PR-Stunt.

Das 2015 gegründete Frankfurter Startup Savedroid AG gehört zur Sparte der Fintechs. Die Geschäftsidee: Per einstellbaren Wenn-Dann-Bedingungen in einer „Sparschwein-App“ lassen sich automatisch Beträge vom Girokonto abzweigen. So könnte zum Beispiel eine Einstellung lauten, dass immer dann automatisch fünf Euro vom Girokonto aufs digitale Sparbuch umgeleitet werden, sobald Donald Trump einen Tweet absetzt. Auf diese Weise sollen sich ganz nebenbei größere Summen ansparen lassen, ohne dass der Nutzer separat aktiv werden muss.

Beim virtuellen Börsengang (ICO) hat das Startup Anfang 2018 mehrere Milliarden Anteile – sogenannte Tokens – an eine fünfstellige Zahl an Investoren und Kleinanlegern verkauft. Schätzungen zufolge lagen die Einnahmen bei bis zu 40 Millionen Euro – ein Vielfaches dessen, was ursprünglich geplant war.

Wer am Mittwoch (18. April 2018) die Website des Unternehmens aufrief, bekam lediglich ein Motiv aus der Satire-Serie „Southpark“ und den Schriftzug „And it’s gone“ zu sehen. Gleichzeitig veröffentlichte Savedroid-CEO Yassin Hankir in den sozialen Medien ein Foto, das ihn am Flughafen und am Strand zeigt – verbunden mit einem Dankeschön, dem Zusatz „Over and out“ und dem Hashtag #savedroidICO. Besorgte Nachfragen von Anlegern und Medien liefen ins Leere und blieben unbeantwortet – die Krypto-Szene musste davon ausgehen, dass es sich um einen der vielen Betrugsfälle im Zusammenhang mit Digitalwährungen handelt. Fachbegriff: Scam.

Fast 24 Stunden Panik unter Anlegern: Savedroid löst PR-Stunt auf

Erst am Morgen des 19. April 2018 – viele Stunden, nachdem Foren, Börsenmagazine und soziale Netzwerke vor Spekulationen und Negativ-Schlagzeilen rund um Savedroid überquollen – wurde die Situation aufgelöst: In einer Video-Botschaft erklärt Hankir, dass es sich um eine Guerilla-Marketing-Aktion handelt, die auf den unregulierten und weitgehend unbeaufsichtigten Markt für selbstgeschöpfte Kryptowährungen hinweisen soll. Gleichzeitig bietet sich der Savedroid-Gründer als Ansprechpartner für künftige Regulierungs-Ansätze an.

Doch die PR-Aktion scheint nach hinten loszugehen: Abgesehen vom zerstörten Vertrauen vieler Anleger und verheerenden Kommentaren in der Startup-Fachpresse prüft mittlerweile die Frankfurter Staatsanwaltschaft, ob sie Ermittlungen aufnimmt. Gleichzeitig veröffentlicht die Privatbank Frick via Twitter eine Stellungnahme, wonach alle Anlegergelder aus dem ICO sicher und keinesfalls für betrügerische Zwecke abgezogen worden seien. In diesem Tweet drückt das Institut sein Befremden über den „PR-Stunt“ aus – man ziehe es vor, mit Profis zu arbeiten.

Von Stryking über Crytek bis BestMeta: Für Games-Unternehmen, die auf das Finanzierungsinstrument „Kryptowährung“ setzen und um Vertrauen in Form von Anleger-Geld werben, kommen die aktuellen Schlagzeilen rund um das Startup Savedroid zur Unzeit. Schließlich sorgen in den vergangenen Monaten zahlreiche „echte“ Betrugsfälle mit Digitalwährungen für Verunsicherung in der Branche.

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