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NRW-Steuerfahnder durchleuchten eSport-Branche

Das von der Deutschen Telekom gesponsorte
Das von der Deutschen Telekom gesponsorte "League of Legends"-Team vom Kölner eSport-Unternehmen SK Gaming tritt bei der Riot Games Premier Tour an (Foto: Deutsche Telekom Unternehmenskommunikation)

Nach Informationen eines Branchendienstes werden die Einkünfte der eSport-Branche derzeit von den nordrhein-westfälischen Steuerbehörden durchforstet.

Analyseeinheit für Risikoorientierte Ermittlungen im Bereich der Steueraufsicht, kurz ARES – hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich eine Sondereinheit, die gemeinsam mit dem Bochumer Finanzamt für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung eine Vorfeldermittlung gestartet hat. Im Fokus stehen eSport-Teams, -Veranstalter und -Spieler aus dem gesamten Bundesgebiet.

Laut einer internen Anweisung der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen sollen Deutschlands Finanzämter die vorliegenden Daten und Unterlagen mit Blick auf eSport-Unternehmen, Vereine und Einzelpersonen bündeln und an die Behörde weiterleiten. Konkret geht es um die Gestaltung von Verträgen, Sponsoren- und Preisgelder von Spielern sowie Lohn-, Quellen- und Unternehmens-Steuern von Veranstaltern.

Das berichtet der Branchendienst „Steuertip“ aus dem Düsseldorfer Markt-Intern-Verlag.  Dessen Chefredakteur Karl-Heinz Klein rät den betroffenen Teams, Vereinen und Spielern, ihre Steuerberater „schnellstmöglich“ einen Blick in die Bücher werfen zu lassen und im Zweifel eine Berichtigung oder eine Selbstanzeige vorzunehmen.

Branchendienst Steuertip: eSport-Branche im Visier der Steuerbehörden

Dass die Behörden ausgerechnet in Nordrhein-Westfalen starten, ist kein Zufall, denn das Bundesland gilt neben Berlin als wichtigster Standort der deutschen eSport-Szene. Die Landesregierung unter Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will NRW zum führenden eSport-Land weiterentwickeln.

Aushängeschild ist die Kölner Turtle Entertainment GmbH, der weltweit größte Turnier- und Ligen-Veranstalter (Intel Extreme Masters, ESL One). Die neuen Räumlichkeiten des Unternehmens wurden im März von Laschets Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski eröffnet. Zu den ESL-Sponsoren zählen Weltkonzerne wie Vodafone, McDonald’s, Intel, DHL und Mercedes-Benz plus nationale Partner wie Warsteiner und Wüstenrot. Ende September haben Turtle-Gründer und -Management weitere Anteile im Wert von 14,3 Millionen Euro an den schwedischen Mehrheits-Eigner MTG abgestoßen.

Seit Mai unterhält auch die Berliner Agentur Freaks 4U Gaming eine Niederlassung in der Domstadt, ebenso wie die eSport-Organisation SK Gaming, deren „League of Legends“-Team seit Juni von der Deutschen Telekom unterstützt wird.

Daneben betreiben gleich mehrere nordrhein-westfälische Fußball-Bundesligisten eigene eSport-Abteilungen, darunter Schalke 04, der VfL Bochum und der 1. FC Köln. Die Kölner Niederlassung von Electronic Arts ist außerdem Ausrichter der „Virtuellen Bundesliga“ auf Basis der „FIFA“-Serie.

Wachstumsraten und Umsatz-Volumen im deutschen eSport-Markt sind enorm: Mit mindestens 90 Millionen Euro rechnen Branchenverband und Marktforscher im laufenden Jahr – für 2020 werden 130 Millionen Euro prognostiziert.

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