Start Politik Verkehrsministerium fördert sechs Games mit über 800.000 Euro

Verkehrsministerium fördert sechs Games mit über 800.000 Euro

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Die Entwicklung des "Autobahnpolizei-Simulator 3" (hier eine Szene aus Teil 2) wird vom Verkehrsministerium subventioniert (Abbildung: Aerosoft)

Die staatliche Rettungsmission der deutschen Spielebranche ist angelaufen: Sechs Studios erhalten in Summe mehr als 800.000 Euro.

Exakt 825.426‬ Euro überweist das Bundesverkehrsministerium (BMVI) an sechs deutsche Studios, also im Schnitt knapp 138.000 Euro. Damit ist Phase 1 der Computerspiele-Förderung des Bundes angelaufen, in der Zuschüsse von maximal 200.000 Euro pro Projekt gewährt werden („De-Minimis-Beihilfe“).

Damit profitieren die ersten Unternehmen von jenen 50 Millionen Euro, mit denen deutsche Entwicklerstudios ab 2019 auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau gehoben werden sollen.

Auf Anfrage hat das Verkehrsministerium gegenüber GamesWirtschaft bestätigt, wonach der für dieses Jahr eingeplante Topf voraussichtlich ausreichen wird, um alle 380 eingegangenen Anträge berücksichtigen zu können. Über die Zuteilung wird in der Reihenfolge der Antrags-Eingänge entschieden.

Allerdings: Sofern die Entwicklung all dieser Spiele mit vergleichbaren Beiträgen gefördert wird wie in den vorliegenden Fällen, dann wäre das komplette Volumen für 2019 bereits mehr als aufgebraucht. Für Phase 2, also die Förderung von Großprojekten mit Budgets im mindestens einstelligen Millionenbereich, wäre somit nichts übrig – oder allenfalls ein sehr überschaubarer Betrag.

Noch müssen Ministerium und Spielehersteller ohnehin auf grünes Licht aus Brüssel warten: Dort prüft die EU-Kommission, ob die XXL-Subventionen mit EU-Wettbewerbsrecht vereinbar sind. Mit einer Entscheidung wird noch im 4. Quartal 2019 gerechnet. Ob die ersten Anträge dieser zweiten, ungleich bedeutenderen Stufe noch in den wenigen verbleibenden Wochen bis Jahresende eingereicht, bearbeitet und bewilligt werden können, ist mindestens zweifelhaft.


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Aus Sicht der Branche erheblich problematischer ist der Umstand, dass – Stand heute – gar keine Mittel eingeplant sind, um die Computerspiele-Förderung im Jahr 2020 überhaupt fortzuführen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat die Summe von 50 Millionen Euro aus seinem Etat streichen lassen – um im Anschluss anzukündigen, er werde wie ein Löwe für die Spielebranche kämpfen. Maximal sechs Wochen hat er dafür noch Zeit: Bis zur alles entscheidenden Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses am 14. November muss das Geld zwingend hinterlegt sein. Im Dezember wird der Bundestag in dritter Lesung über das komplette Gesetzeswerk abstimmen.

Der Industrieverband Game hat bereits darauf hingewiesen, dass der Betrag von 50 Millionen Euro ohnehin nicht ausreichen wird: Perspektivisch wäre der deutsche Steuerzahler nach fünf Jahren mit jährlich 100 Millionen Euro dabei.

Alle bislang bezuschussten Projekte im Überblick:

  • Bomb Bots Arena / Tiny Roar UG, Hamburg / 103.752 Euro
  • Until It’s Gone / Off the Beaten Track UG, Kiel / 117.601 Euro
  • Enuan’s Path / Bensch Tech GmbH, Potsdam / 129.182 Euro
  • Ad Infinitum / Hekate GmbH, Berlin / 149.895 Euro
  • Tiny Thor / Asylum Square Interactive, Alpirsbach (Schwarzwald) / 199.996 Euro
  • Autobahnpolizei-Simulator 3 / Z-Software GmbH, Dortmund / 125.000 Euro

Überwiegend handelt es sich um Startups, die erst in diesem Jahr gegründet wurden und zuvor noch kein Spiel fertiggestellt haben. Im Einzelfall wurden Projekte bereits in Förderrunden regionaler Landes-Anstalten berücksichtigt: Erst im September hat das Medienboard Berlin-Brandenburg das Erste-Weltkriegs-Spiel „Ad Inifinitum“ mit 80.000 Euro unterstützt. Im Unterschied zum BMVI-Geld (das die Studios in jedem Fall behalten dürfen) müssen die Darlehen im Erfolgsfall anteilig an die jeweiligen Bundesländer zurückbezahlt werden.

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