Start Politik FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen: „Nachholbedarf bei der Digitalisierung“

FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen: „Nachholbedarf bei der Digitalisierung“

Das Gesicht der bayerischen Liberalen im Landtagswahlkampf: Spitzenkandidat Martin Hagen (Foto: FDP Bayern)
Das Gesicht der bayerischen Liberalen im Landtagswahlkampf: Spitzenkandidat Martin Hagen (Foto: FDP Bayern)

Er ist der Hoffnungsträger der bayerischen Liberalen: FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen. Kann die Partei beim Thema Games punkten?

Die FDP Bayern ist seit 2013 nicht mehr in Fraktions-Stärke im Bayerischen Landtag vertreten, weil die Partei aufgrund von massiven Verlusten deutlich an der 5-Prozent-Hürde scheiterte.

2018 könnte der Wiedereinzug gelingen: Jüngste Umfragen sehen die Freien Demokraten bei 5 bis 6 Prozent. Hoffnungen auf einen Sessel im Landtag macht sich unter anderem Helmut Markwort: Der TV-Moderator, Focus-Erfinder und langjährige Chefredakteur tritt für die bayerische FDP als Direktkandidat im Landkreis München an.

Der FDP-Spitzenkandidat heißt hingegen Martin Hagen: Der selbstständige Strategie- und Kommunikationsberater inszeniert sich auf Wahlplakaten und in Talkrunden ähnlich wie Partei-Chef Christian Lindner als jugendlicher, dynamischer Macher. Sein Wahlkampf-Motto: Frisches Bayern.

Bei GamesWirtschaft erklärt Martin Hagen seine Ideen und Positionen mit Blick auf die bayerische Games-Branche.

FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen: „Höhere Freibeträge für Gründer“

Wie beurteilen Sie die derzeitige Position Bayerns als Standort für Entwickler von Computerspielen und Mobilegames?

Bayern ist bereits heute ein großer Absatzmarkt für Computer- und Videospiele. Als Produktionsstandort spielt der Freistaat jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Dies rührt daher, dass Bayern sowohl bei der Digitalisierung als auch bei der Gründerkultur Nachholbedarf hat. Die Qualität eines Standorts hängt nicht zuletzt von der Verfügbarkeit junger Talente ab.

Durch welche ganz konkreten Maßnahmen will Ihre Partei den Games-Standort Bayern stärken und ausbauen?

Zur Stärkung des Games-Standorts Bayern müssen wir auf den drei Feldern Digitalisierung, Gründerkultur und Bildungspolitik aktiv werden.

Konkret heißt das für uns, den quantitativen aber vor allem auch den qualitativen Breitbandausbau in Bayern voranzutreiben und ein flächendeckendes sowie hochleistungsfähiges Mobilfunknetz zu schaffen. Die Förderung veralteter Technologien wie etwa dem Kupferkabel verschiebt die Notwendigkeit schneller Anschlüsse nur etwas in die Zukunft.

Stattdessen wollen wir Freie Demokraten den Glasfaserausbau umfassend aber mit einem kleinstmöglichen Maß an Subvention fördern, damit auch zukünftig ausreichend schnelles Internet in Bayern verfügbar ist. Immer noch bestehende Lücken in der mobilen Sprach- und Datenversorgung müssen ebenso geschlossen werden wie weiße Flecken im Breitbandnetz. Dabei ist stets kritisch zu prüfen, ob nicht andere, neue Technologien dazu künftig besser geeignet sind. Wir sehen den Freistaat hier in der Pflicht, den Verfassungsauftrag der gleichwertigen Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern umzusetzen.

Im von uns vorgeschlagenen Ausbauprogramm „Digitalisiertes Bayern“ fordern wir:

1. Durchgängig freies WLAN im gesamten Öffentlichen Personennahverkehr (Bus, Tram, U- Bahn, S-Bahn und Regionalbahn) bis Ende 2019 in ganz Bayern.

2. Glasfaserausbau bis zur Haustür mit dem Ziel einer flächendeckenden Gigabit-Leistung. Heute endet der Glasfaserausbau häufig im sogenannten Kabelverzweiger auf der Straße, die Leitung ins Haus ist aus Kupfer. Damit lassen sich aber nur bis zu 250 Mbit/s im Download erreichen, also ein Viertel Gigabit. Daher ist es sinnvoll und nachhaltig, die Leitung künftig generell bis zur Haustür zu legen.

3. Prioritärer Glasfaserausbau in den Regionen Bayerns, in denen die mangelhafte Glasfaser- Erschließung das Wirtschafts- und Arbeitsplatzwachstum hemmt. Es ist nicht hinnehmbar, dass Bayern bei 50 Mbit/s unter den westdeutschen Flächenländern den letzten Platz belegt, dass fast ein Viertel des ländlichen Raums in Bayern nicht einmal über 30 MBit/s und 60 Prozent über weniger als 50 MBit/s verfügt und dass die CSU-Staatsregierung zudem auf die veraltete Vectoring-Technologie setzt.

Wir Freie Demokraten sehen die Gründerkultur in Bayern als wesentlichen Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung in den Regionen. Daher werden wir uns auf Bundesebene für die Schaffung international wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für Beteiligungen an Start-ups einsetzen, zum Beispiel durch tax credits oder verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Risikokapital. In der Anfangsphase muss es für Start-ups die Möglichkeit geben, sich bürokratiefrei und ohne unangemessen hohe Abgaben zu entwickeln.

Wir wollen zudem in den ersten drei Jahren nach Gründung den Freibetrag bei der Gewerbesteuer verdoppeln, dabei soll der Freibetrag für Kapitalgesellschaften dem für Personengesellschaften entsprechen.

Wir fordern außerdem die Einführung eines Gründer-BAFöG oder eines Gründer-Stipendiums. So können Existenzgründer ohne finanziellen Druck die erste schwierige Phase ihres Unternehmens meistern und sich ganz ihrem Projekt widmen. Zugang zu Kapital kann durch die Förderung privatwirtschaftlicher, regionaler Wagniskapital-Arme erleichtert werden.

Zudem sollen auch nebenberufliche Gründungen oder Gründungen aus der Elternschaft heraus erleichtert werden. Sie machen etwa ein Fünftel aller Gründungen aus und bieten großes Potenzial.

Der Fachkräftenachwuchs im IT- und Games-Bereich muss durch eine bessere Vermittlung von Digital- bzw. Programmierkenntnissen in Schulen und Hochschulen sowie in der Ausbildung gestärkt werden.

Außerdem wollen wir Freie Demokraten das Einwanderungsrecht modernisieren und ein Einwanderungsgesetz mit klaren Kriterien schaffen, um den Zuzug von Fachkräften zu ermöglichen und zu regeln.

Wie will Ihre Partei die Rahmenbedingungen für Startups und Gründer verbessern?

Neben den bereits beschriebenen Maßnahmen wollen wir die Instrumente der Landespolitik (wie zum Beispiel BayBG und BayernKapital) darauf ausrichten, wie sich die Gründung von Unternehmen gerade für neue Themen überall in Bayern erheblich steigern lässt – natürlich in Zusammenarbeit mit Finanzinstituten, Privatinvestoren, Kammern und Wirtschaftsverbänden. Dabei müssen insbesondere die Frühphasen einer Unternehmensgründung effizienter gemacht werden, deren Finanzierung muss absolute Priorität haben.

Außerdem fordern wir Freie Demokraten in Bayern die stärkere Zusammenarbeit von Unternehmen und Hochschulen. Studenten, die bereits während ihrer Ausbildung gründen und entwickeln, müssen finanziell und strukturell stärker gefördert werden. Dazu gehört auch ein flexibles Hochschulgesetz, in dem Gründertum einen festen Platz hat und in dem Gründen honoriert wird. Hierfür will die FDP Bayern ein Gründersemester einführen, das dem Studierenden die Möglichkeit gibt, sich um sein Unternehmen zu kümmern.

Wie ist die Position Ihrer Partei mit Blick auf die Weiterentwicklung des digitalen Sports (eSport) im Freistaat Bayern?

Computer- und Videospiele sind mediales Abbild des digitalen Zeitalters, Kulturgut, Bildungswerkzeug und Innovationstreiber gleichermaßen. Neben Spaß und Freizeitbeschäftigung stellen viele Computerspiele auch Wissensvermittlung, Teamfähigkeiten oder den Sportgedanken in den Vordergrund.

Wir sind uns bewusst, dass körperliche und geistige Anforderungen wie Reaktionsgeschwindigkeit, Koordination oder taktisches Vorgehen beim eSport enorm gefragt sind, die eine Anerkennung als Sportart rechtfertigen.

Daher wollen wir jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzen, damit sich diese Branche weiterentwickeln kann und wir das ungeheure kreative Potenzial in der Computer- und Videospielebranche voll ausschöpfen können.

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