Start Politik Die Grünen Bayern: „Games-Förderung genauso relevant wie Film-Förderung“

Die Grünen Bayern: „Games-Förderung genauso relevant wie Film-Förderung“

Katharina Schulze und Ludwig Hartmann sind die Spitzenkandidaten der bayerischen Grünen (Foto: Bündnis 90 / Die Grünen)
Katharina Schulze und Ludwig Hartmann sind die Spitzenkandidaten der bayerischen Grünen (Foto: Bündnis 90 / Die Grünen)

Stellen die bayerischen Grünen künftig Ministerinnen und Minister? Und was bedeutet das für die Games-Politik im Freistaat?

Seit Monaten hält der Umfrage-Höhenflug der Grünen an, sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene: Mit 16 bis 17 Prozent wäre die Partei prädestiniert für eine Regierungskoalition mit der CSU, alternativ würde sie die größte Oppositions-Fraktion stellen. Traditionell schicken die Grünen ein Spitzenkandidaten-Duo ins Rennen – in diesem Fall Katharina Schulze und Thomas Hartmann.

Das Wahlprogramm wird dominiert von klassischen „grünen“ Themen wie Arten-, Klima und Naturschutz, Gleichberechtigung und Integration, aber auch Bildung, Sicherheit, Mobilität, Wohnen und Europa finden sich im Zehn-Punkte-Programm. Das Motto der bayerischen Grünen lautet: „Mut geben statt Angst machen“.

Komplett ausgeklammert wird hingegen das Thema „Games“ – Grund genug, bei den bayerischen Grünen nachzufragen, was sie konkret für die Spiele-Entwickler vorhaben.

Die Grünen vor der Landtagswahl in Bayern: „Setzen uns für Games-Förderung auch auf Bundesebene ein“

Wie beurteilen Sie die derzeitige Position Bayerns als Standort für Entwickler von Computerspielen und Mobilegames? Durch welche ganz konkreten Maßnahmen will Ihre Partei den Games-Standort Bayern stärken und ausbauen?

Die Computerspielebranche hat ein enormes Wachstumspotential und ist daneben ebenso ein Innovationstreiber für andere Branchen. Technologie-Trends wie Wearables, Gamification oder Augmented Reality stellen technische Möglichkeiten dar, die auch produzierenden Unternehmen neue Konstruktions- und Steuerinstrumente bieten.

Bayern ist einer der wichtigsten Games-Standorte in Deutschland. Mit ca. 200 Computerspielunternehmen hat Bayern die Chance, sich national und international als wichtiger Games-Standort zu etablieren. Dafür muss die entsprechende staatliche Förderung des Standorts gegeben sein, sowohl finanziell als auch hinsichtlich der Ausbildung qualifizierten Nachwuchses und der Vernetzung der Branche innerhalb und mit anderen branchenverwandten Zweigen.

Die Games-Förderung des FFF leistet hierzu bereits einen wichtigen Beitrag und vor allem die Befreiung der Gamesförderung aus der De-minimis-Regelung der EU eröffnet neue Möglichkeiten auch große Spielentwicklungen zu fördern, die unbedingt genutzt werden müssen, um den Standort Bayern als Vorreiter der Games-Industrie zu festigen und weiter auszubauen.

Wir halten es für zwingend notwendig, dass die Mittel für die Gamesförderung entsprechend aufgestockt wurden und sehen angesichts der dynamischen Entwicklung eine weitere Überprüfung, ob eine erneute Aufstockung nötig ist, als unerlässlich an.

Darüber hinaus muss bei jeder Förderung gelten, dass die Förderwürdigkeit eines Spieles nichts damit zu tun hat, ob das Spiel „gefällt“, ob es sich um ein „gutes“ oder „böses“ Spiel handelt. Es geht um die Qualität des Spieles und die bemisst sich nicht nach einer niedrigen USK-Altersfreigabe.

Für kleine Start-Up-Unternehmen, egal aus welchem kreativen Bereich, ist es gerade in den Ballungszentren wichtig, dass diese Räume zur Verfügung haben, die kreative Arbeit ermöglichen. Wir setzen und daher dafür ein, dass insbesondere ungenutzte staatliche Liegenschaften diesem Zweck zugeführt werden und hier Raum für kreative Köpfe geschaffen wird.

Darüber hinaus sehen wir es gerade für die Computerspielbranche als rein digitalen Wirtschaftszweig den bayernweiten und flächendeckenden Ausbau der Hochgeschwindigkeitsversorgung (Glasfaservernetzung) als dringend notwendig an. Ansonsten ist der nötige Datentransfer sowohl bei der Entwicklung von Computerspielen als auch bei Animations- und VFX-Studios nicht sinnvoll handhabbar.

Doch neben all den Dingen, die wir in Bayern bewegen wollen, um die Gamesbranche zu unterstützen muss weiterhin festgehalten werden, dass einer der Gründe, warum in Deutschland keine großen Produktionen entstehen ist, dass die Förderung auf Bundesebene bisher nicht gegeben ist.

Wir Grünen setzen uns daher auch auf Bundesebene dafür ein, dass die geplante Förderung dort endlich umgesetzt wird.

Wie will Ihre Partei die Rahmenbedingungen für Startups und Gründer verbessern?

Die bayerische Wirtschaft braucht innovative Gründer*innen und nachhaltige Ideen, die die Digitalisierung und innovative Produkte, Verfahren, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle vorantreiben.

Wir fördern Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, und legen zudem einen Schwerpunkt auf Geschlechtergerechtigkeit.

Wir vereinfachen, verkürzen und digitalisieren hierfür den Gründungsprozess.

Wir unterstützen die Gründungskultur aktiv und verbessern die Bedingungen für forschungsnahe Gründungen im Umfeld von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Wir gestalten Fördermöglichkeiten übersichtlicher und machen Gründungskapital, Beratung und Infrastruktur aus einer Hand zugänglich. Wir schaffen Möglichkeiten für Anschlussfinanzierung an Crowdfunding und öffnen öffentliche Ausschreibungen für Gründer*innen. Wir werden bayernweite Plattformen für kleine und mittlere ​Unternehmen initiieren und den Austausch zwischen Forschung, digitalen Pionier*innen, traditionellen Unternehmen und der Zivilgesellschaft stärken.

Wie ist die Position Ihrer Partei mit Blick auf die Weiterentwicklung des digitalen Sports (eSport) im Freistaat Bayern?

Digitalisierung und Strukturwandel machen auch vor dem Sport keinen Halt. Viele Menschen in unserem Land spielen Computerspiele, allein oder zusammen, spontan oder auch auf immer organisiertere Weise.

Bereits 2006 haben wir Grüne die Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut gefordert und damit frühzeitig einige Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt. Wir wollen die Computerspielekultur in ihrer Vielfalt und als eSport weiter stärken und prüfen, inwiefern sie als Sportart anerkannt werden kann.

Wir wollen das Engagement der Aktiven und der Zuschauerinnen und Zuschauer positiv aufnehmen, um so eine effektive Jugendarbeit, eine Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit und eine feste gesellschaftliche Integration des eSport in das Gemeinwesen zu gewährleisten. Hierfür stehen wir mit Vertretern aus dem eSport-Bereich bereits in engem Austausch.

Aus welchen Gründen wird im Wahlprogramm mehrfach das Thema „Film“/Filmförderung gewürdigt, der Games-Bereich hingegen komplett ausgeklammert?

Der Games-Bereich wird in unserem Wahlprogramm keineswegs komplett ausgeklammert.

Wir legen in unserem Programm dar, dass für uns neben der Unterstützung der etablierten Hochkultur die Förderung von neuen Kunstformen wie Digitalkunst ebenso wichtig ist. Darunter fallen für uns künstlerisch anspruchsvolle Computerspiele. Computerspiele, die sich als digitale Erfahrungen beschreiben lassen.

Geht es um Computerspiele nicht primär als Kunstform, die als einzelnes Projekt eine Förderung erhalten, dann sehen wir Computerspielunternehmen als Wirtschaftsunternehmen, die daneben von der allgemeinen Wirtschaftsförderung profitieren können.

Wir schreiben in unserem Wahlprogramm dazu, dass wir die bayerische Wirtschaftsförderung übersichtlicher machen werden und sie stärker auf die innovativen, kleinen und mittleren Unternehmen konzentrieren wollen. Der überwiegende Teil der in Bayern ansässigen Computerspielfirmen würde von dieser Änderung aufgrund der Struktur der Unternehmen profitieren.

Genauso wie von der von uns geplanten Gründeroffensive, mit der junge Unternehmen in allen Regionen unterstützt werden sollen und damit Bayern zum Magneten für kreative Menschen gemacht werden soll. Als Instrument wirtschaftlicher Kulturförderung sehen wir die Computerspielförderung aus staatlichen Mitteln als genauso relevant wie die Filmförderung an.

Wir haben uns jedoch weder zur einen noch zur anderen in unserem Wahlprogramm dezidiert geäußert, da dies den Rahmen des Wahlprogramms sprengen würde.

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