Start Politik SPD Bayern: „Games-Förderung muss effektiver werden“

SPD Bayern: „Games-Förderung muss effektiver werden“

SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen wirbt für effizienteren Einsatz von Fördermitteln (Foto: SPD Bayern)
SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen wirbt für effizienteren Einsatz von Fördermitteln (Foto: SPD Bayern)

Unermüdlich tourt SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen durchs Land. Was planen die bayerischen Sozialdemokraten für den Games-Standort?

Vor fünf Jahren war die Welt für die Sozialdemokraten noch in Ordnung, denn bei der Landtagswahl 2013 holte die Partei mehr als 20 Prozent – und das in Bayern. Mit 42 Abgeordneten stellt die SPD derzeit die zweitgrößte Fraktion im bayerischen Landtag.

Mittlerweile liegt die SPD in Umfragen mit nur noch 11 Prozent gleichauf mit Freien Wählern und AfD, sehr deutlich hinter den Grünen. Eine Regierungsbeteiligung in Bayern wäre demnach maximal in einem Dreier-Bündnis möglich.

Die SPD-Spitzenkandidatin heißt Natascha Kohnen. Sie ist gleichzeitig Landesvorsitzende der Bayern-SPD, Mitglied im Bundesvorstand und stellvertretende SPD-Vorsitzende. Auf Anfrage von GamesWirtschaft beantwortet die Partei unter anderem, warum das Thema Games – anders als im Bundestagswahlkampf – an keiner Stelle im Wahlprogramm auftaucht.

SPD Bayern: „Games-Förderung muss nachhaltiger und effektiver werden“

Wie beurteilen Sie die derzeitige Position Bayerns als Standort für Entwickler von Computerspielen und Mobilegames?

Die Förderung der Games-Industrie sollte endlich nachhaltiger, energischer und effektiver werden als in vergangenen zehn Jahren, als die Bayerische Staatsregierung Entwicklerszene und Öffentlichkeit in den Münchner Games-Kongressen zusammenführen wollte, aber darüber hinaus kaum substanzielle Unterstützung angeboten hatte.

Wettbewerb aber auch Marktchancen der Games-Produktion sind viel internationaler als etwa für den deutschen oder bayerischen Film. In anderen europäischen und außereuropäischen Ländern werden Games-Entwickler sogar mit Steuervorteilen begünstigt. Das verschafft wirtschaftliche Vorteile gegenüber unseren Anbietern und bedrängt damit auch die kulturelle Produktion in unserem Land.

Die Branche in Bayern ist nach wie vor vielfältig und innovativ. Dieses Potenzial gilt es weiterzuentwickeln: durch zielsichere und dauerhafte Förderung – vom Projekt bis hin zur Marktreife.

Durch welche ganz konkreten Maßnahmen will Ihre Partei den Games-Standort Bayern stärken und ausbauen?

Filme und Spiele sind Teil der audiovisuellen Medienwirtschaft. Kultur- und wirtschaftspolitisch sind für uns deshalb Filmfördermodelle Vorbild für die Games-Förderung. Von den mehr als 30 Mio. Euro, die über den FilmFernsehFonds in Bayern verteilt werden, erreichen nicht viel mehr als 2 Mio. Euro die Games-Industrie.

Dieses Verhältnis wollen wir ohne Kürzung bei der Filmförderung zu Gunsten der Marktanforderungen und -potenziale der Games-Entwickler deutlich verbessern.

Und zwar sinnvoll: Beispielsweise sind 3 Mio. Euro, die ein gegenwärtiger Ministerpräsident beim Münchner Filmfest leichthin für mehr Glamour (den es nicht braucht) versprochen hat, viel besser direkt bei den Kreativen investiert.

Noch ein Beispiel: Erkleckliche öffentliche und private Investitionen in digitale Bildung fließen in Südkorea, Singapur oder Japan an Games-Entwickler. Deren Kreativität und Leistungsfähigkeit bringen spielerisches und simulatives Lernen in Aus- und Fortbildung. Auch dies ist ein Erfolgsvorbild mit zusätzlichen internationalen Marktchancen.

Wie will Ihre Partei die Rahmenbedingungen für Startups und Gründer verbessern?

Etliche Jahre, bevor im Frühjahr 2018 auf der Ernennungsurkunde eines Bayerischen Kabinettsmitglieds die Titelei „Staatsminister für Medien und Digitalisierung“ stand, hat die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag darauf gedrungen, dass eine funktionierende Stabsstelle im Kabinett ressortübergreifend und strategisch die Digitalisierung vorantreibt. Allem voran den auch in Bayern nach wie vor notleidenden Breitbandausbau, dass sie zielgerichtete Maßnahmen koordiniert und ihre Umsetzung beschleunigt und dafür sorgt, in den Förderprogrammen die rasanten Innovationszyklen der Digitalisierung immer wieder einholen zu können – genauso wie im Übrigen beim Jugendschutz und beim Arbeitsschutz.

Wir freuen uns, dass die Förderung von innovativen klein- und mittelständischen Unternehmen mit Zuschüssen oder Krediten, der so genannte „Digitalbonus“, der auf massiven Druck der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag eingeführt wurde, eine Erfolgsgeschichte ist.

Aber es ist ärgerlich, dass mangels ausreichender Mittel die Unterstützung bald versiegte. Die Lösung ist einfach: mehr Mittel einzusetzen, die dem wirklichen Bedarf entsprechen, die tatsächlich den einzelnen Unternehmen helfen und in der Breite eine Entwicklung in Gang setzen.

Wie ist die Position Ihrer Partei mit Blick auf die Weiterentwicklung des digitalen Sports (eSport) im Freistaat Bayern?

Wir sind im Austausch mit Entwicklern, Gamern und der Jugendarbeit und sehr interessiert daran, dass die Ansprechpartner Zug um Zug verbandliche Strukturen aufbauen. Inwieweit welche Wettbewerbsformen und Spiele der Definition für sportliche Betätigung entsprechen, bleibt eine spannende Diskussion, in der zunächst die Institutionen des Sports gefordert sind, eine fachliche Position zu entwickeln.

Die Events auf der Gamescom und auch viele regionale Veranstaltungen sind zwar ein Indiz dafür, wieviel Fitness die Wettbewerbe voraussetzen. Angesichts des enormen Interesses von Sponsoren und der Werbewirtschaft an einem jungen, digitalaffinen Publikum, das über klassische Kanäle eher schwer zu erreichen ist, und angesichts der Profi-Preisgelder sind die Wettkämpfe dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zuzurechnen.

Fördermöglichkeiten sehen wir vorzugsweise dort, wo Kriterien der Gemeinnützigkeit angelegt werden können: in Vereins- oder Jugendarbeit.

Aus welchen Gründen wird die Stärkung des Filmstandorts Bayern im SPD-Wahlprogramm hervorgehoben, nicht aber der Games-Standort?

Die Förderung über den FilmFernsehFonds umfasst die audiovisuelle Produktion insgesamt, auch die Games. Exklusiv auf den Film bezogen ist die notwendig beharrliche Unterstützung der Kinos und Festivals in der Fläche und der Drehbücher. Darüber hinaus ist die Games-Förderung inkludiert in der Digitalpolitik, die unser Wahlprogramm mit vielen Forderungen durchzieht.

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