Start Politik Die Linke Bayern: „eSport-Liga würde Bayern gut zu Gesicht stehen“

Die Linke Bayern: „eSport-Liga würde Bayern gut zu Gesicht stehen“

Der Landesverband von Die Linke strebt den Einzug in den bayerischen Landtag an.
Der Landesverband von Die Linke strebt den Einzug in den bayerischen Landtag an.

Zitterpartie für die bayerische Linke: Gelingt der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde? Für den Games-Sektor hat die Partei konkrete Forderungen.

Die Linke gehört bislang nicht dem Bayerischen Landtag an: Die Partei hofft, dass sich dieser Zustand am Abend des 14. Oktober ändert. Der Bayerntrend vom 12. September im Auftrag des Bayerischen Rundfunks weist exakt 5 Prozent aus – eine wackelige Angelegenheit, bei der wenige hundert Wählerstimmen über Einzug oder Nichteinzug entscheiden könnten.

Die Linken und ihre Spitzenkandidaten Eva Bulling-Schröter und Ates Gürpinar kämpfen also um jeden Wähler: Auf Plakaten wird „Mehr für die Mehrheit“ gefordert – mehr Umweltschutz, mehr Frieden, mehr Nahverkehr, mehr faire Bezahlung, mehr Solidarität, mehr bezahlbaren Wohnraum.

Aber auch mehr Games? Die Antwort auf diese Frage hat das Wahlkampf-Team der bayerischen Linken aufgeschrieben.

Die Linke Bayern: „Metropolregionen Nürnberg und Augsburg brauchen unsere Unterstützung.“

Wie beurteilen Sie die derzeitige Position Bayerns als Standort für Entwickler von Computerspielen und Mobilegames?

München ist schon heute eine der Hauptstädte der Spieleentwicklung in Deutschland (Chimera, Travian Games), auch Regensburg beherbergt ein bekanntes Studio (Cipsoft). Allerdings sind Hamburg, Frankfurt, Berlin bei Produktivität und Arbeitsplatzangebot in der Spielebranche weit vorne.

Und der größere Teil Bayerns ist für diese expandierende Branche noch unerschlossen: Die Metropolregionen Nürnberg und Augsburg brauchen hier unsere Unterstützung.

Durch welche ganz konkreten Maßnahmen will Ihre Partei den Games-Standort Bayern stärken und ausbauen?

Games wurden lange – wie zuvor schon Comics, Krimis, Rock’n’Roll, Jazz, der Film etc. – als minderwertiges Kulturgut angesehen, das gilt vor allem für das in Teilen noch konservative Bayern. Wir müssen daher klar herausstellen, dass Gaming heute die zentrale Kulturform der jungen Generation ist.

Wir müssen Games-Developer genau so fördern wie andere Branchen (Musik, Theater, Sport), wir müssen vor allem bisher vorhandene Bildungsangebote (Hochschulen) erweitern. Ausgebildete Games Developer werden in der ganzen Republik gesucht.

Erfolgreiche Games aus Deutschland sind heute auf dem Weltmarkt noch sehr selten. Um das zu ändern, müssen wir ohne Zögern handeln.

Wie will Ihre Partei die Rahmenbedingungen für Startups und Gründer verbessern?

Spieleentwicklerstudios haben in Bayern die selben Probleme wie andere kleine und mittelständische Unternehmen auch: Wohnungen für Mitarbeiter sind fast unbezahlbar geworden, Gewerbeflächen gibt es nur noch auf der grünen Wiese mit entsprechend ungenügender Verkehrsanbindung.

Auch hier müssen wohnortnahe Gewerbeflächen ausgewiesen werden, etwa in vorhandener innenstädtischer Industriebrache. Hightech darf in Bayern nicht länger eine Domäne der Rüstungsindustrie bleiben. Die Spieleindustrie wäre eine wichtige zivile Hightechbranche, wenn wir genügend Fachleute ausbilden und die Gründung von Start-Ups erleichtern, etwa durch ein staatliches Angel-Investor-Programm mit Kleinkrediten für Gründer.

Um die Flexibilität von Start-Ups zu erhalten und gleichzeitig die überwiegend nicht fest angestellten Kreativmitarbeiter abzusichern, muss die Künstlersozialkasse weiter gestärkt und finanziell unterstützt werden, etwa um Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht erst nach einer längeren Ausfallzeit zu garantieren.

Wie ist die Position Ihrer Partei mit Blick auf die Weiterentwicklung des digitalen Sports (eSport) im Freistaat Bayern?

Der eSport ist auch in Bayern schon längst angekommen und hat seinen festen Raum in der Freizeitgestaltung der jüngeren Generationen – Games wurden in den 80ern groß, einige Gamer sind daher schon über 50.

Im Unterschied zu physischem Sport, der ohne öffentliche Förderung kaum stattfinden kann, hat eSport eine gesunde kommerzielle Basis und ist daher eher mit Popmusik vergleichbar – beide sind lebensfähig ohne große finanzielle Hilfen.

Dennoch muss es selbstverständlich sein, dass eSport dieselben Veranstaltungs-Möglichkeiten bekommt wie andere Kulturformen. Und eine öffentliche Unterstützung, etwa durch eine eSport-Liga mit Preisen für die Sieger und nachfolgender öffentlicher Aufmerksamkeit in den Medien würde Bayern gut zu Gesicht stehen.

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