Start Politik Förder-Stopp: Verband sieht Existenz kleiner Studios gefährdet

Förder-Stopp: Verband sieht Existenz kleiner Studios gefährdet

Im Industrieverband Game haben sich über 400 Studios und Dienstleister zusammengeschlossen (Abbildung: Game e. V.)
Im Industrieverband Game haben sich über 400 Studios und Dienstleister zusammengeschlossen (Abbildung: Game e. V.)

Im Vorfeld der entscheidenden Sitzung im Haushaltsausschuss warnt der Game-Verband vor existenziellen Folgen, sollten die Mittel der Games-Förderung nicht erhöht werden.

Wenige Tage vor der am Donnerstag beginnenden ‚Bereinigungssitzung‘ der Bundestags-Haushälter skizziert der Lobbyverband Game für den Games-Standort eine mittelgroße Kernschmelze, sollte der Bundestag nicht rasch zusätzliche Gelder für die Subventionierung der deutschen Computerspiele-Industrie freischalten.

Hintergrund: Das Wirtschaftsministerium (BMWK) hatte am 31. Oktober angekündigt, dass die Fördertöpfe für 2022 und 2023 infolge hoher Nachfrage bereits komplett ausgereizt sind (Zusammenfassung / BMWK-Position / Verbands-Reaktion / Kolumne).

Seit 2020 stellt der Bund pro Jahr 50 Millionen € zur Verfügung – inklusive der Pilotphase wurden in Summe bereits Zuschüsse in Höhe von deutlich über 130 Millionen € bewilligt. Allein im Oktober sind knapp 10 Millionen € hinzugekommen. Mit staatlicher Hilfe soll der Marktanteil deutscher Games gesteigert werden, der im vergangenen Jahr bei unter 5 Prozent lag.

Argumentative Munition liefert eine bereits im September durchgeführte, verbandseigene Umfrage, an der sich 73 der mehr als 400 Game-Mitglieder beteiligt haben. Demnach wollen mindestens 50 Studios die Fördermittel noch vor 2024 in Anspruch nehmen. Sofern der Bundestag nicht nachlegt, würden die seit vielen Monaten geplanten Projekte entweder gar nicht oder nur in geringerem Umfang umgesetzt werden. Dadurch würden Arbeitsplätze und Investitionen gefährdet oder verhindert.

Der Verband fordert daher eine Erhöhung auf 100 Millionen € pro Jahr, also eine glatte Verdoppelung.

Game-Geschäftsführer Felix Falk bewertet die Games-Förderung als „echte Erfolgsgeschichte“: Die Gelder seien seit dem Start stark nachgefragt worden – davon könnten andere Förderprogramme der Bundesregierung, etwa im Bereich Digitalisierung und Innovation, „nur träumen“.

Zum kompletten Bild gehört allerdings: Aufgrund der meist jahrelangen Entwicklungszeit lassen sich die unterstellten Effekte der Games-Förderung allerdings erst mit zeitlichem Verzug seriös bewerten. Dennoch sieht der Verband bereits erste Anzeichen für einen positiven Trend: Gegenüber 2020 sei die Zahl der Beschäftigten im Kernmarkt (also bei Entwicklern und Publishern) um knapp 1.100 auf 11.242 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestiegen, verteilt auf fast 800 Betriebe.

Der Verband warnt: Sollte es tatsächlich zu einem Antragsstopp bis 2024 kommen, würde der Games-Standort im internationalen Wettbewerb von heute auf morgen wieder zurückfallen. Unternehmen, die fest mit Bundesmitteln gerechnet hätten, stünden nun vor großen Problemen: „Seit dem Stopp vergangene Woche melden sich täglich Unternehmen bei uns, die befürchten, Projekte nicht umsetzen zu können, die Personal entlassen müssten oder sogar insolvent gehen würden, wenn die Förderung nicht wie geplant zur Verfügung steht. Daher müssen die Fördermittel jetzt erhöht werden“, so Falk.