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80 ist das neue 70 – und Returnal ist erst der Anfang (Fröhlich am Freitag)

Mit Returnal wird die 80-Euro-Ära für PS5-Games eingeläutet (Abbildung: Sony Interactive)
Mit Returnal wird die 80-Euro-Ära für PS5-Games eingeläutet (Abbildung: Sony Interactive)

Die Marke von 80 Euro wird sich als neuer Industriestandard für Konsolen-Blockbuster etablieren – Sonys PS5-Neuheit Returnal ist eine Zäsur.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

ich erinnere mich, als wär’s gestern gewesen: Der Videospiele-Fachberater im Karstadt Nürnberg-Lorenzkirche feudelte an seinem Schlüsselbund, schloss mit großer Geste die Vitrine auf und überreichte mir feierlich die darin ausgestellte King’s Quest Collection. An der Kasse wurde die Box in eine Plastiktüte (gab’s damals noch) geschoben, ich legte 150 Mark auf den Tresen und trat sehr glücklich die Heimreise an.

Das muss irgendwann in den späten 80ern gewesen sein – und es handelte sich um eines meiner ersten Spiele, die ausnahmsweise nicht als dezentrale Sicherungskopie vorlagen, sondern für die ich tatsächlich das Sparschwein schlachtete. 150 Mark, also rund 70 Euro, waren für einen Teenager ein kleines Vermögen, obschon die King’s Quest Collection einen okayen Deal darstellte, weil eben gleich drei Episoden enthalten waren.

Die Karstadt-Vitrine gibt es natürlich längst nicht mehr, ebenso wenig die einst legendäre Karstadt-Games-Abteilung – und wenn der Staat Anfang des Jahres nicht rund eine halbe Milliarde Euro in diesen ausgesprochen systemrelevanten Betrieb gepumpt hätte, dann gäbe es auch Karstadt selbst nicht mehr.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

An den Karstadt-Moment musste ich heute wieder denken, und zwar beim obligatorischen Store-Check für die PlayStation-5-Neuheit Returnal. Rustikale 79,99 Euro ruft Sony Interactive auf – und Amazon*, MediaMarkt, Otto, Saturn und viele weitere Versender halten sich zur Stunde noch daran.

Wer spielen will, muss blechen: 500 Euro für die Konsole (wenn man sie denn bekommt). 100 Euro für das dazugehörige Headset. 70 Euro für einen Zusatz-Controller. 60 Euro für den obligatorischen Online-Dienst. Und jetzt noch 80 Euro für ein aktuelles Videospiel – da soll nochmal jemand behaupten, Games wären ein günstiges Hobby. Mein aktuelles Lieblings-Beispiel: 35 (!) Euro für die amtliche PS5-Ladestation – höhere Margen werden mutmaßlich nur im Apple-Ladekabel- oder Handy-Schutzfolien-Milieu erwirtschaftet.

Jedenfalls sind 80 Euro pro Spiel nicht weniger als eine Zäsur, denn bislang galten 60 bis maximal 70 Euro als Industrie-Standard für die Basis-Version von Konsolen-Neuheiten. Auch für die kommenden Sony-Titel Horizon: Forbidden West, Gran Turismo 7 oder Ratchet & Clank: Rift Apart zahlen Vorbesteller schon jetzt satte 80 Euro. Man darf davon ausgehen, dass sich das Preisniveau für dedizierte PlayStation-5-Games im Gesamtmarkt in den kommenden Monaten immer weiter der 80-Euro-Marke annähert.

Es ist bestenfalls eine Frage der Zeit, bis Dritt-Publisher ihrerseits Anpassungen vornehmen – natürlich nach oben. Ich würde wetten wollen, dass man die zärtliche Annäherung an die 80-Euro-Marke bereits im Spätsommer und Herbst besichtigen kann, wenn Top-Neuheiten wie Call of Duty, FIFA, Battlefield oder NBA 2K anstehen. Das liegt auch ganz im Interesse von Zwischen-Händlern, die an den Konsolen oft so gut wie nichts verdienen oder gar draufzahlen – es hat gute Gründe, warum die PlayStation 5 zuletzt so häufig mit beigepackten Webcams, Fernbedienungen und Games vertickt wurde.

Abseits von Rendite-Überlegungen bei Management und Aktionären gibt es natürlich gute Gründe für diese Entwicklung: Die Ansprüche der Kunden steigen – und damit wird auch die Spiele-Produktion tendenziell teurer. Was ebenfalls stimmt: Die Entwicklung von Games dauert einfach immer länger, noch dazu im Home-Office-Betrieb. Immer öfter kommt es zu Verschiebungen. Und: Viel, viel mehr Menschen als noch vor fünf oder zehn Jahren sind eingebunden. Selbst bei mittelgroßen Projekten wollen die durchscrollenden Vor- und Zunamen im Abspann einfach kein Ende nehmen. Über eine Milliarde Euro hat Sonys Games-Sparte allein im letzten Geschäftsjahr für Forschung und Entwicklung ausgegeben – ein Investment, das refinanziert werden will.

Das Publikum muss sich mit dieser neuen Hochpreis-Realität zwangsläufig abfinden. Die Proteste halten sich bislang in überschaubaren Grenzen – was auch daran liegt, dass die Gesamtbilanz für den PlayStation-Kunden trickreich durch Gratisgaben abgemildert wird. Aktuell verschenkt Sony zum Beispiel das in Würde gealterte Horizon: Zero Dawn – das Spiel kostet auf dem freien Markt immerhin um die 20 Euro. Auch PS-Plus-Abonnenten erhalten monatlich drei, vier Gratis-Spiele – und PS5-Besitzer haben derzeit sogar freien Zugriff auf ein ganzes Rudel an PS4-Blockbustern.

Die Strategie in a nutshell: Bestandstitel digital verschenken – Preisschraube bei Neuheiten analog anziehen. Wenn der Auftrieb so weitergeht, würde es mich nicht wundern, wenn die kostbaren Spielepackungen bei MediaMarkt, GameStop & Co. demnächst wieder hinter Glas aufgebahrt werden.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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8 Kommentare

  1. Schwachsinn um an den Punkt weiter zu Zocken wo aufgehört hat soll man die PS5 in Ruhemodus versetzen geht’s noch. ? Weil dss Game keine Speicherpunkte besitzt. Einer der Schwächsten Exklusiv Titel für Playstation.

  2. Seitdem ich die PS5 habe hat Sony von mir bis aufs Headset (20€ Gutschein), keinen Cent mehr gesehen. Demons Souls habe ich bei Ebay für 43€ bekommen und Spiderman Ultimate Edition (Hauptspiel mit Miles Morales) für witzige 34€. So werde ich mit Returnal, Ratchet & Clank und co. weiter machen. Wenn Sony meint 80€ kassieren zu wollen, dann werden sie bei mir auf Granit beißen. Denn in Zeiten von Corona und nach Corona (höhere Sozialabgaben und Steuern), werden mir das Einkommen in manchen Bereichen trocken legen.

  3. Sony selber macht ja hier den Preis, EA und Koch Media haben die EK’s für die neue Generation nicht abgehoben. Wir kaufen selber viel im Ausland ein und können dort keinen so großen Preisanstieg feststellen, bei meinem letzten Gespräch mit Sony sagte man mir auch, man wisse das der deutsche Markt mehr bezahlen kann. Ich denke aber lange wird Sony die Strategie nicht verfolgen, da MS ja mit dem Gamepass jede Neuheiten fast verschenkt. Wir warten Mal ab, bei der PS4 gab es auch eine Preiserhöhung, und der Handel hat diese dann wie so oft vernichtet, ob durch wkz oder einsparen an der eignen Marge.

  4. Demon’s Souls war der „Anfang“ 79,99 und das schon zum release der PS5.

    Mir persönlich sind die Preise schon lange zu hoch. Mein bester Freund und ich teilen uns alle Spiele auf der Playstation und kaufen abwechselnd. Und wenn es nicht grad mega wichtig ist dann warte ich auch immer auf Angebote. SPIDERMAN Morales hab ich auf Disc für 30 euro gekauft. Returnal hole ich auch erst wenn ich unter 30euro zahl. 80euro und dann gefällt es mir nach ein paar Stunden nicht oder ist mir zu schwer… nein Danke.

    • Das ist auch verständlich; nicht jeder hat das Geld dafür. Es ist halt ein teures Hobby. Ich kaufe auch nur Spiele zum Release, die wirklich unterstützen will wie z.b. nier replicant. Nur das Problem: nur zum original Preis kommt der gute Gewinn rein. Puplisher werden kein Spiel mehr unterstützen, das zum Release nicht die Millionenenmarke erreicht hat. Da spielt es keine Rolle wie gut es ist. Sony legt bei Returnal ordentlich oben drauf, da bin ich sicher.

  5. naja warten hilft wenn ich sehe das Immortals für PS5 inzwischen nur noch 30 Euro neu kostet …

  6. Solle das Spiel mal als CD auch zum Release anbieten!
    Eben Media Markt gewesen vorbestellt und ist net da geil wird heut noch storniert, wenn es bis 17 Uhr nix passiert!

    • Der Preis von 80 Euro wurde relativ zeitnah zur Konsolenankündigung schon von Somy erwähnt und sollte somit jedem Käufer der PS vorher bekannt gewesen sein.

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