Start Meinung Fröhlich am Freitag 23/2020: Treffpunkt der Jugend

Fröhlich am Freitag 23/2020: Treffpunkt der Jugend

Virtual-Reality-Stationen - wie hier in Ingolstadt - sollen auch das Xperion im Kölner Saturn zum Publikumsmagneten machen (Foto: MediaMarktSaturn)
Virtual-Reality-Stationen - wie hier in Ingolstadt - sollen auch das Xperion im Kölner Saturn zum Publikumsmagneten machen (Foto: MediaMarktSaturn)

Mit Games-Erlebniswelten wie dem „Xperion“ im Kölner Saturn wollen Handelsketten die Kundschaft zurück in die Läden locken. Kann das klappen?

Verehrte Leserinnen und Leser,

die Videospiele-Abteilungen von Karstadt, Kaufhof, MediaMarkt und Saturn galten einst als Treffpunkt der Jugend: Nach Schulschluss, oft schon deutlich davor, klebten ganze Trauben von Halbwüchsigen an den festgetackerten Gamepads der Nintendo- und PlayStation-Test-Spielstationen. Zumindest solange, bis der Abteilungsleiter die unterentwickelten Kaufabsichten durchschaute und die unangemeldete Versammlung auflöste.

Später hat die Gamescom aus dieser Anspiel-Kultur ein Geschäftsmodell kultiviert.

Inzwischen sind die Spielstationen weitgehend verschwunden. Überhaupt wurden die Abteilungen für Games, Musik-CDs und Film-DVDs auf ein Blockbuster- und Restposten-Minimum eingedampft. Der Verkauf von Entertainment auf Datenträgern ist zwar immer noch ein Milliarden-Geschäft, aber eben ein stark rückläufiges. Das zudem von Drogeriemärkten, Discountern und Supermärkten bedient wird, weil das Publikum völlig überraschend dem Saturn-Rat „Geiz ist Geil“ gefolgt ist.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Was also tun mit der überschüssigen Ladenfläche?

Landauf, landab werden Elektromärkte verkleinert: Statt 3.000 Quadratmetern tun es mittlerweile auch 1.800 Quadratmeter – anstelle von zwei Stockwerken muss das Erdgeschoss reichen. Corona wird diese Entwicklung kaum umkehren.

Die Mutter aller Saturn-Märkte, die Filiale am Kölner Hansaring, hat die Datenträger-Regale bereits abgebaut – und ein Drittel der Belegschaft gleich dazu. Das Stammhaus genoss gerade unter Musik-Freunden lange Jahre einen Ruf wie Donnerhall, weil es an keinem anderen Ort eine so gigantische Auswahl an Vinyl-Platten und CDs gab. Nicht in Köln, nicht in NRW, nirgends in Deutschland.

An gleicher Stelle entsteht bis zum Sommer eine Gaming- und E-Sport-Arena inklusive Virtual-Reality-Test-Parcours – das „Xperion“ ist beinahe so groß wie ein halbes Fußballfeld. Wie sich mit „Deutschlands größtem Gaming-Tempel“ Geld verdienen lässt? Zum Beispiel durch Vermietung der Turnier-Flächen an Business-Kunden und dem Verkauf von Hard- und Software an Endverbraucher. So zumindest der kühne Plan von Saturn.


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Bauchgefühl: Es wird schon eines sehr üppigen und sehr regelmäßigen Event-Kalenders inklusive prominenter YouTuber bedürfen, damit Elektronikmärkte wieder zum Treffpunkt der Jugend werden.

Aber wer weiß – vielleicht entwickelt sich das Xperion zu einer Art Ganzjahres-Gamescom. Und dient dadurch als Blaupause für regionale Promotion-Maßnahmen, für die nicht zwangsläufig ganze Messehallen gebucht werden müssen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen und Gastbeiträge finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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