Start Meinung Fröhlich am Freitag 12/2020: Katastrophenfall

Fröhlich am Freitag 12/2020: Katastrophenfall

Szene aus
Szene aus "The Division 2": Der Ubisoft-Shooter spielt in Washington DC vor dem Hintergrund einer Viren-Pandemie (Abbildung: Ubisoft)

Erste Hilfsmaßnahmen für die Coronavirus-bedrohte Wirtschaft sind angelaufen – auch und gerade wirtschaftlich gesunde Unternehmen sind alles andere als immun gegen Domino-Effekte.

Verehrte Leserinnen und Leser,

seit Tagen bewegt sich die Zahl der gleichzeitig agierenden Spieler auf der marktführenden PC-Plattform Steam jenseits von 20 Millionen – davon alleine 1 Million „Counter-Strike“-Nutzer. Ähnliche Nachfrage-Rekorde werden auch von vielen anderen Anbietern gemeldet. Das Streaming- und Download-Business ist glasklarer Corona-Profiteur.

YouTube und Netflix sind bereits der freundlichen Bitte nachgekommen, die Datenrate zu reduzieren – auch für das nächste Woche startende Disney+ soll ja noch Platz in der Leitung bleiben.

Was sollen die Menschen auch sonst mit ihrer vielen Zeit anfangen, wenn ganze Regionen und Volkswirtschaften unter Quarantäne stehen – Frankreich, Spanien, Italien, seit heute Nacht auch Kalifornien? An Live-Sport wird ja wochen-, eher monatelang nicht zu denken sein – also gucken die Menschen Serien, surfen im Netz, bestellen online oder hängen an der Konsole.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

In vielen Branchen ist der Umsatz auf nahezu null heruntergefahren worden – etwa im Tourismus oder in der Gastronomie. Auch in den Autofabriken wird nicht mehr produziert, weil die Lieferketten darnieder liegen. Fehlt auch nur ein Bauteil, kann das Fahrzeug nicht just-in-time zusammengeschraubt und ausgeliefert werden. Also stehen die Bänder still.

Nicht so in der Software- und Games-Industrie: Die Computerspiele-Branche – auch in Deutschland – hat nahezu flächendeckend auf Home-Office-Betrieb umgestellt. Die Entwicklung und der Live-Betrieb von Online-Games und Apps gehen also mehr oder minder reibungslos weiter.

Alles paletti? Von wegen. Durch die Absage systemrelevanter Messen und Konferenzen plus dem Shutdown des stationären Einzelhandels dampfen die Vermarktungs-Möglichkeiten für Spiele-Neuheiten massiv zusammen. Vertragsverhandlungen, Werbekampagnen, Promotion-Aktionen – vielfach ausgesetzt, verschoben oder abgesagt. Auch die ohnehin schleppende Auszahlung von Games-Fördermitteln wird durch die Coronakrise nicht zwingend den Turbo einlegen. Für Anbieter, deren Eigenkapital ohnehin auf Kante genäht ist, werden branchenübliche Verschiebungen jetzt zum echten Problem.


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Immerhin: Noch ist keine allzu große Zurückhaltung bei Stellenausschreibungen und Neueinstellungen festzustellen – ein gutes Signal. Der Fachkräftebedarf wird bleiben, Corona hin oder her.

Doch gerade im erweiterten Bereich der Branche gibt es schon jetzt massive Verwerfungen, teils existenzielle. Betroffen ist vor allem die „Zuliefer-Industrie“: der E-Sport, Agenturen, Event-Spezialisten, Dienstleister, Händler und das Heer an Freiberuflern, also die „Solo-Selbstständigen“.

Wie gut die deutsche Spiele-Branche durch diese historisch beispiellose Krise kommt, wird jetzt auch davon abhängen, wie schnell, unbürokratisch und konkret die angekündigten Hilfen in der Praxis ausfallen – damit möglichst viele Anbieter und Firmen mit grundsätzlich funktionierendem Geschäftsmodell überleben.

Bleiben Sie gesund!

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen und Gastbeiträge finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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