Start Meinung Fröhlich am Freitag 33/2019: Klempnerin rettet Prinz

Fröhlich am Freitag 33/2019: Klempnerin rettet Prinz

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Cosplayerinnen wie Elli (hier als "Horizon: Zero Dawn"-Heldin Aloy beim DCP 2019) dokumentieren den Wandel in der Games-Industrie (Foto: Getty Images / Franziska Krug für Quinke Networks)
Cosplayerinnen wie Elli (hier als "Horizon: Zero Dawn"-Heldin Aloy beim DCP 2019) dokumentieren den Wandel in der Games-Industrie (Foto: Getty Images / Franziska Krug für Quinke Networks)

8 von 10 Spielerinnen empfinden die Darstellung von Frauen in Games als nicht zeitgemäß. Möglicherweise hilft eine Horizon(t)-Erweiterung.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

jahrzehntelang war das Videospiel-Weltbild klar strukturiert – Faustregel: Der Klempner (also Super Mario) rettet die Prinzessin, in diesem Fall Peach.

Im Jahr 2019 müssen sich Videospiel-Hersteller immer häufiger dafür rechtfertigen, wenn nicht zumindest optional auch der umgekehrte Fall vorgesehen ist: Die Klempnerin rettet den Prinzen.

Diese Entwicklung finden nicht alle gut. Wenn er für jedes Interview, in dem er gefragt wurde, warum nicht auch Soldatinnen im Spiel vorkämen, nur einen Dollar bekäme, wäre er ein gemachter Mann, sagte „Battlefield“-Chef-Designer Lars Gustavsson vor einem Jahr. Und so kam es, dass bereits im allerersten „Battlefield 5“-Trailer bis an die Zähne bewaffnete Fräuleins wie selbstverständlich durch den Schlachtfeld-Schlamm robbten – wohlgemerkt in einer Zweiter-Weltkriegs-Kulisse.

Es folgte: eine unvermeidliche Welle der Entrüstung beim überwiegend männlichen Kernpublikum – Hashtag #NotMyBattlefield. Genervt stellte der damalige EA-Manager Söderlund klar: „Akzeptiert es oder kauft das Spiel nicht – ich kann mit beidem leben.“

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Der Fall zeigt exemplarisch den Zwiespalt, dem sich Filme-Macher, Serien-Produzenten und Spieldesigner ausgesetzt sehen. Dazu passt eine Studie des IT-Branchenverbands Bitkom von dieser Woche: Demzufolge empfinden mehr als 8 von 10 Spielerinnen die Darstellung von Frauen in Games weder als angemessen noch zeitgemäß. Nur die Hälfte der Männer sieht das auch so – ja, Potzblitz!

Wie hingegen Männer die Darstellung von Männern in Videospielen beurteilen, ist nicht überliefert. Educated guess: Mehr als 10 von 10 Spielern halten waschbrettbäuchige Superhirne in Games sowohl für angemessen als auch zeitgemäß.


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Im Ernst: Natürlich sind starke weibliche Figuren schlichtweg ein Gebot kommerzieller Vernunft. Wenn Sie mal gedanklich die relevanten Franchises durchgehen, werden Sie feststellen, dass es stets mindestens eine zentrale Heldin gibt, mit der sich insbesondere Kinder und Jugendliche identifizieren können – Prinzessin Leia in „Star Wars“ oder Hermine Granger in „Harry Potter“ etwa. Die Schöpfer dieser Universen haben instinktiv erkannt, wie wichtig ein ausgeglichenes Personal-Tableau ist – auch und gerade bei fiktionalen Stoffen. Der globale Erfolg von „Game of Thrones“ ist so gesehen kein Zufall.

Natürlich hat das Publikum ein feines Gespür dafür, wenn die Besetzung vorwiegend aus opportunistischen Gründen geschieht. Sobald offenkundig mehr Geld in Marktforschung und Marketing als ins Drehbuch fließt, kommt sowas heraus wie die hemmungslos gefloppte Geisterjägerinnen-Neuauflage der „Ghostbusters“.

Der Bitkom sieht in den Umfrage-Ergebnissen jedenfalls dringenden „Nachholbedarf“. Den gibt es nach meiner Wahrnehmung durchaus, allerdings eher im Kommunikationsbereich, denn gerade die großen Spiele-Hersteller sind in der Ausgestaltung ihrer Produkte schon viel weiter. Bei „Assassin’s Creed Odyssey“ etwa, das in dieser Woche 500.000 verkaufte Exemplare in Deutschland meldete, lässt Ubisoft den Spielern gleich zu Beginn die Wahl zwischen zwei gleichermaßen patenten Helden – Kassandra oder Alexios?

Sehr viel größere Sorgen muss indes die anhaltende Anti-Wohlfühl-Atmosphäre in sozialen Netzwerken, Spiele-Chats/-Foren und Live-Streams bereiten, die unangenehm oft kein gutes Licht auf die angeblich ja sehr toleranten ‚Gamer‘ wirft.

Auf der am Dienstag startenden Gamescom 2019 wird man live besichtigen können, wie die Antworten der Spiele-Industrie auf Themen wie Diversität aussehen – allein schon dem Umsatz zuliebe. Immerhin: Ein Viertel der Gamescom-Privatbesucher ist weiblich. Falls Sie nach Köln reisen: Schon jetzt viel Spaß und angenehmen Aufenthalt – alle Informationen zu Ausstellern, Spielen, Tickets, Hallenplänen, Öffnungszeiten, Autogrammstunden, Unterkunft und Rahmenprogramm finden Sie natürlich auf GamesWirtschaft.de.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Folgen unserer Kolumnen-Reihe finden Sie in der Rubrik Meinung.

2 Kommentare

  1. Das ist eindeutig ich Sophia, sondern artcore Cosplay. Durch den falschen Namen zweifle ich auch eure Rechte an dem Bild an.

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