Start Marketing & PR PlayStation-Chef Bassendowski: „Keine PS4-Preissenkung zum Start der Xbox One X“

PlayStation-Chef Bassendowski: „Keine PS4-Preissenkung zum Start der Xbox One X“

Stellte sich den Fragen der Journalisten: Uwe Bassendowski, General Manager der Sony Interactive Entertainment GmbH.
Stellte sich den Fragen der Journalisten: Uwe Bassendowski, General Manager der Sony Interactive Entertainment GmbH.

Sony-Interactive-Geschäftsführer Uwe Bassendowski über die Zukunft von PlayStation VR, neue PS4-Bundles und das 4K-Wettrennen zwischen PS4 Pro und Xbox One X.

[no_toc]Gamescom 2017, Sony-Outdoor-Pavillon im Business-Bereich: Uwe Bassendowski hat sich gerade zu der kleinen Gruppe Journalisten an den Tisch gesetzt und eine Tasse Kaffee bestellt. Von diesem Zeitpunkt an dauert es handgestoppte eineinhalb Minuten, bis das unvermeidliche Stichwort „PlayStation 5“ fällt.

Der Geschäftsführer der Sony Interactive Deutschland GmbH hat die Frage schon unzählige Male gestellt bekommen und genauso oft beantwortet, verweist aber auch diesmal alle Pläne für eine baldige Ankündigung einer Nachfolge-Konsole ins Reich der Fantasie. Auch nach 60 Millionen abgesetzter Konsolen (davon 9 Millionen im deutschsprachigen Raum) werde man noch viele Jahre Freude an der PlayStation 4 haben – das unterjährige Upgrade in Form der PlayStation 4 Pro im Herbst 2016 sei dafür ein klares Signal. Gegenüber dem Vorjahresumsatz läge man mit 5 bis 6 Prozent im Plus – und das, wo es im 1. Halbjahr abseits von „Horizon: Zero Dawn“ nur wenige nennenswerte Blockbuster gegeben habe.

PlayStation-Chef Bassendowski: „Wir haben die Gelegenheitsspieler etwas vernachlässigt.“

Man wolle die Verkaufszahlen der Vorgängerkonsolen nicht nur übertreffen, sondern auch deutlich schneller erreichen. In den Himmel würden die Zahlen aber ohnehin nicht wachsen, denn: „Der Großteil der deutschen Haushalte wird sich nie eine Konsole kaufen, das ist nun mal so.“

Jetzt gelte es zunächst, frische Zielgruppen abzuholen, die bislang ganz gut ohne PlayStation 4 ausgekommen sind, darunter Gelegenheitsspieler und Familien. „Etwas vernachlässigt“ habe man diese Gruppen, gesteht Bassendowski. Das war nicht immer so: Mit Titeln wie „Singstar“, „EyeToy“ oder „Buzz“ war die Marke PlayStation einst führend in diesem Markt – in den vergangenen Jahren setzte Sony verstärkt auf Core-Titel wie „The Last of Us“, „Horizon: Zero Dawn“ oder „The Order: 1866“.

Dies soll sich nicht zuletzt mit preiswerten Playlink-Spielen ändern: Party-Spiele wie „That’s You“ kosten 20 Euro und funktionieren nur in Verbindung einer PlayStation 4 mit Smartphones und Tablets. Ziel sei es, dadurch neue Zielgruppen zu erschließen – „mehr social, mehr casual“, so das Credo.

PlayStation-Chef Uwe Bassendowski: Problematische Ballung der Blockbuster vor Weihnachten

Er sei kein großer Freund davon, die Blockbuster immer öfter im Weihnachtsgeschäft zu platzieren, weil dann der Umsatz im Frühjahr und Sommer fehlt. Dabei wäre allen geholfen, wenn man den Spiele-Fans rund ums Jahr attraktive Neuheiten bieten würde.

Im letzten Drittel des Jahres wird es jedenfalls nicht an Software-Nachschub mangeln: Unter anderem erscheinen „Assassin’s Creed: Origins“ (27. Oktober), „Pro Evolution Soccer 2018“ (12. September) und „Need for Speed Payback“ (10. November).

Sony steuert zudem eigene Blockbuster bei, darunter die Rennsimulation „GT Sport“ (17. Oktober). Bereits auf dem Markt ist „Uncharted: The Lost Legacy“ – vom vierten Teil hat Sony nach eigenen Angaben mehr als 800.000 Stück im deutschsprachigen Raum abgesetzt, darunter alleine eine halbe Million in Deutschland. Auf diesen beiden Sony-Neuheiten ruhen die höchsten Umsatz-Erwartungen im Weihnachtsgeschäft.

Die meistverkauften Computerspiele 2016/2017 im Überblick
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4K-Spiele: „Kein Zusatz-, sondern der Hauptnutzen.“

Die Wochen vor Heiligabend werden nach Bassendowskis Einschätzung dominiert vom Thema „4K“, also hochauflösendem Fernsehen. Wer hier die passenden Inhalte – Filme, Serien, Live-Sport, Spiele – liefern könne, sichere sich ein großes Stück vom Kuchen. Der Schlüssel seien Konsolen wie die PlayStation 4, die ein ganzes Universum weiterer Inhalte zugänglich mache. Der Manager rechnet damit, dass 4K-Fernseher in den Advents-Wochen zu den großen Umsatzrennern zählen werden.

Dieses höhere Grundrauschen sei „ein Geschenk“ für Sony: „Wir profitieren mit der PlayStation 4 überproportional von diesem Trend.“ Doch was macht ihn eigentlich so sicher, dass UHD, 4K und HDR nicht dasselbe Schicksal erleiden wie vor einigen Jahren die damals gehypeten 3D-Brillen? Dass sich 3D nicht durchgesetzt hat, liege daran, dass es nur „nice to have“ gewesen sei, aber eben kein „Must have“. Die überlegene Bildqualität in Form von mehr Details, besserem Kontrast und höherer Auflösung seien hingegen kein Zusatz-, sondern der Hauptnutzen.

Die verfügbaren Spiele sind es auch, die Bassendowski beim Gedanken an die Markteinführung der Xbox One X am 7. November nicht den Schlaf rauben – auch wenn Sony jeden Marktteilnehmer „selbstverständlich“ ernst nehme. Entscheidend sei es, den Kunden das attraktivste Angebot aus Konsole und Spielen zu unterbreiten – die reinen technischen Features seien nebensächlich. Exklusiv-Titel seien dabei das eine – hinzu käme der 100 Euro günstigere Tarif einer PlayStation 4 Pro gegenüber der Xbox One X.

Daher macht sich der PlayStation-Chef keine Sorgen um Sonys Marktanteile: „Der Wettbewerb hat es uns in der Vergangenheit natürlich leicht gemacht.“

Keine PlayStation-4-Preissenkungen zum Start der Xbox One X

In einem Interview mit dem Handelsmagazin IGM hat Bassendowski ausgeschlossen, dass es im Zuge der Markteinführung der Xbox One X zu einer Anpassung der unverbindlichen Preisempfehlung kommt – eine Auffassung, die Bassendowski im Gamecom-Hintergrundgespräch bestätigt. Er geht vielmehr davon aus, auf dem aktuellen Preisniveau von rund 299 Euro zu „überwintern“, wie er es formuliert.

Zu einer indirekten Preissenkung wird es trotzdem kommen, und zwar in Form sogenannter Bundles – also günstigen Paketen aus Konsole plus Spiele. Unter anderem wird es nach mehrjähriger Pause wieder ein „FIFA“-PlayStation-4-Bundle geben, dann natürlich mit „FIFA 18“. Microsofts entsprechende Exklusiv-Vereinbarung endete mit „FIFA 17“.

Nach dem großen Erfolg des „Star Wars: Battlefront“-Bundles vor zwei Jahren schnüren Electronic Arts und Sony außerdem ein „Star Wars: Battlefront 2“-Paket. Weitere Kombi-Packs wird es in Zusammenarbeit mit Activision Blizzard geben: einmal mit „Destiny 2“, zum anderen mit „Call of Duty: WWII“.

PlayStation VR: ein Marathon, kein Sprint

Als deutlich anspruchsvoller als gedacht hat sich das Thema Virtual Reality entpuppt. Noch zur Gamescom 2016 war Virtual Reality sowohl auf dem Kölner Messegelände als auch in den Medien deutlich präsenter – inzwischen ist die Begeisterung spürbar abgeflaut. Die massiven Preissenkungen von Mitbewerbern wie Oculus Rift und HTC Vive sind ein Zeugnis dessen, dass der Glaube an die aktuelle Geräte-Generation schwindet. Bassendowski will das Segment nicht verloren geben, ganz im Gegenteil: Eine Million PlayStation VR-Sets habe Sony weltweit seit Mitte Oktober 2016 verkauft – das Gros von mehr als 900.000 Stück entfiel allerdings auf die ersten vier Monate.

In den kommenden Monaten will Sony Interactive noch einmal Marketing-Geld in die Hand nehmen, um den Abverkauf zu beflügeln. Analysten rechnen zudem mit einer baldigen Preissenkung, zum Beispiel unter die Marke von 300 Euro/Dollar. Knackpunkt bleibt allerdings der Nachschub an außergewöhnlichen Spiele-Erlebnissen. Ebenso wie die Konkurrenz hat auch Sony externe Studios bei der Entwicklung von VR-Spielen finanziell unterstützt, darunter das Frankfurter Studio Crytek („Robinson: The Journey“).

Wenig hilfreich bleibt freilich die Zurückhaltung großer Publisher wie Electronic Arts, allerdings kann Bassendowski deren Strategie nachvollziehen. Für diese Hersteller zähle schließlich in erster Linie die Verbreitung der Hardware. Klar sei, dass die Technologie noch längst nicht ausgereizt ist: „Wir sind natürlich nicht glücklich, dass die PlayStation VR noch ein Kabel hat.“ Für den nächsten Schritt müsse man den Ingenieuren noch etwas Zeit geben.

In jedem Fall bleibe Virtual Reality ein strategisches Feld, dem man weiterhin die volle Aufmerksamkeit zuteil werden lasse. „Das ist für uns ein langfristiges Thema: VR ist ein Marathonlauf, kein Sprint“, so Bassendowski.

PlayStation Now: Streaming ist das „next big thing“

Auf der Gamescom 2017 erfolgte der offizielle Startschuss für einen weitere Sony-Service: den Streaming-Dienst PlayStation Now. Damit lassen sich Klassiker wie „The Last of Us“, „Uncharted“ oder „Red Dead Redemption“ ohne Download und Installation gegen Gebühr spielen. Bassendowski zieht Analogien zu Netflix und betont, dass Streaming auch im Games-Bereich die Zukunft sei – das „next big thing“.

Allerdings solle das Segment behutsam entwickelt werden, zumal zunächst die Infrastruktur soweit ausgebaut sein müsse, dass Streaming reibungslos möglich ist. Entscheidend sei hier nicht die absolute Bandbreite, sondern die Stabilität der Verbindung, so dass es nicht zu Abbrüchen oder Verzögerungen („Lags“) kommt. Klar ist für ihn aber auch: „Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen“ – und das gelte auch für den überschaubaren Umsatzanteil.

Absage an PlayStation-1-Neuauflage: „Wir schauen nach vorne, nicht zurück.“

Nicht zur Debatte stehen derzeit Retro-Konsolen nach dem Vorbild des „NES Classic Mini“ oder „Super NES Classic Mini“. Nintendo hat sich mit den beiden Miniatur-Ausgaben viel Liebe und Geld von den Fans abgeholt. Eine vergleichbare Neuauflage eines Sony-Konsolenklassikers wie der PlayStation 1 samt vorinstallierten Spielen wie „WipeOut“, „Ridge Racer“ oder „Spyro the Dragon“ steht derzeit wohl nicht zur Debatte. „Wir sind ein Technologiekonzern und schauen nach vorne, nicht zurück“ – endgültige Dementi klingen freilich anders.

Den Gamescom-Besuch von Bundeskanzlerin, Ministerpräsident und vielen weiteren Spitzenpolitikern bewertet Bassendowski übrigens als ausgesprochen positiv. Überhaupt habe sich das Image von Computerspielen in den vergangenen Jahren spürbar verbessert, auch durch die steigende Verbreitung von Smartphones. Berührungsängste seien abgebaut worden – das käme der kompletten Branche zugute. Und davon profitiere letztlich auch die PlayStation 4.

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