Nach einem Bericht von Gründerszene wird Maximilian Schneider neuer CEO bei Goodgame Studios (Fotos: Goodgame Studios, Montage: GamesWirtschaft).
Nach einem Bericht von Gründerszene wird Maximilian Schneider neuer CEO bei Goodgame Studios (Fotos: Goodgame Studios, Montage: GamesWirtschaft).

Die beiden Firmengründer von Goodgame Studios geben ihre Vorstandsposten auf. Vorausgegangen waren ein massiver Stellenabbau und die Einstellung mehrerer Spiele.

Zu den Gründungsmythen von Innogames, Bigpoint oder Gameforge gehört es, dass die jeweiligen Gründer einst im Kinderzimmer oder Hobbykeller ihre ersten eigenen Spiele programmierten. Daraus sind dann mit viel Fleiß, viel Talent und gutem Timing mehrere Unternehmen mit Umsätzen im mehrstelligen Millionenbereich entstanden.

Von Dr. Kai Wawrzinek und Dr. Christian Wawrzinek, den Gründern von Goodgame Studios, sind ähnliche Kamingeschichten nicht im Umlauf. Vielmehr sah der ursprüngliche Unternehmenszweck der Hamburger den „Betrieb, Erwerb, Verkauf und Errichtung von Internet-Projekten“ vor. Erstes Goodgame-Spiel im Jahr 2009: Goodgame Poker.

Der Rest ist deutsche Spielegeschichte.

Im Oktober 2011 wurden die beiden Firmengründer – der eine gelernter Zahnarzt, der andere promovierter Anwalt – von der Unternehmensberatung Ernst & Young als „Entrepreneur des Jahres“ ausgezeichnet.

Goodgame Studios: Gründer geben Vorstandsposten ab, bleiben aber Geschäftsführer

Ausgerechnet die beiden Gründer sind es nun, die sich ganz auf die Entwicklung neuer Browser- und Mobil-Strategiespiele konzentrieren wollen – als „Treiber und Ideengeber“, wie ein Firmensprecher gegenüber Gründerszene bestätigte. Der Think Tank, dem auch der langjährige Chief Innovation Officer Dominik Willers angehört, trägt den Namen „Goodgame Brain Trust“ und soll nicht weniger als den dringend benötigten Nachfolge-Hit für Goodgame Empire und den Mobile-Ableger Empire: Four Kingdoms hervorbringen.

Die Brüder hatten die einzelnen Studios bei Goodgame zuletzt unter sich aufgeteilt. Der eine war für Strategy Games und Classic Games zuständig, der andere für Casual Games und Rollenspiele. Durch den Ausstieg aus Casual Games und PC-Client-Spielen und der  Einstellung mehrerer Classic Games hat sich dieser Zuschnitt überlebt.

Die operative Leitung des Unternehmens geben die Gebrüder Wawrzinek ab. Ihre Posten als CEO und COO gehen an langjährige Mitstreiter. Beide bleiben allerdings – zusammen mit Mitgründer Fabian Ritter – als Geschäftsführer im Amt und sind auch weiterhin Mehrheitseigner.

Nach GamesWirtschaft-Informationen ist die Rocket Internet AG mit 15 Prozent an Goodgame beteiligt, weitere Investoren sind offenkundig nicht involviert. Rocket Internet hatte erst am Freitag einen Verlust von einer halben Milliarde Euro im ersten Halbjahr 2016 ausgewiesen. Nicht auszuschließen, dass auch Goodgame Studios hierzu einen bescheidenen Teil beigetragen hat.

Dr. Christian Wawrzinek und Dr. Kai Wawrzinek sind die beiden Gründer und Mehrheitseigner von Goodgame Studios.
Dr. Christian Wawrzinek und Dr. Kai Wawrzinek sind die beiden Gründer und Mehrheitseigner von Goodgame Studios (Foto: Goodgame Studios).

Goodgame Studios: Maximilian Schneider wird neuer CEO

Die administrativen Aufgaben, die auch durch das massive Wachstum von Goodgame Studios angewachsen sind, übernimmt nun ein fünfköpfiges Management-Team, wie die Kollegen von Gründerszene erfahren haben.

Neuer CEO und damit Nachfolger von Kai Wawrzinek wird Maximilian Schneider, der seit 2014 als Chef Strategy Officer unter anderem für Unternehmensstrategie, den Personalbereich und die „Talent Acquisition“ verantwortlich war. Zuvor arbeitete er fast neun Jahre als Finanzanwalt bei einer großen Frankfurter Kanzlei.

Schneider erlangte im Januar 2016 auf einen Schlag zweifelhafte Berühmtheit, als ein Video einer Mitarbeiterversammlung an die Öffentlichkeit gelangte. Damals wehrte sich das Unternehmen nach Kräften gegen die Installation eines Betriebsrats.

An Schneiders Seite wirkt künftig ein vierköpfiger Vorstand:

  • Chief Financial Officer (CFO) bleibt Goodgame-Mitgründer Fabian Ritter.
  • Chief Operating Officer (COO) und Nachfolger von Christian Wawrzinek wird Sebastian Frank, zuvor Head of Production. Frank gehört dem Unternehmen bereits seit 2011 an.
  • Chief Marketing Officer (CMO) wird Thomas Zimmermann, zuvor Vice President Marketing
  • Chief Product Officer (CPO) wird David Ellis, zuvor Head of Development Process Optimization

Nicht Teil des Vorstands, aber weiterhin an Bord sind Chief Technical Officer (CTO) Stefan Klemm und Chief Sales Officer (CSO) Patrick Abrar – ab sofort als Senior Vice Presidents.

Letzterer hat bei Twitter mehr als zwei Millionen Follower, die er regelmäßig mit Sinnsprüchen wie „Face reality as it is, not as it was or as you wish it to be.“ versorgt.

Zur Realität gehört auch, dass die Belegschaft nach Medienberichten um gut ein Drittel schrumpft – von bislang 1.200 Mitarbeitern werden bis zu 400 das Unternehmen verlassen. Dennoch bleibt Goodgame Studios Deutschlands größter Spielehersteller.

Goodgame Studios: Auf der Suche nach dem nächsten Hit

Die fünf Kriterien für den „Entrepreneur des Jahres“ lauten übrigens: Wachstum, Zukunftspotenzial, Innovation, Mitarbeiterführung und gesellschaftliche Verantwortung. Die Gründer und das Management-Team werden in den kommenden Monaten unter Beweis stellen müssen, dass diese Werte auch im Jahr 2016 (wieder) für Goodgame Studios gelten.

Weitere Hintergrund-Informationen zur bisherigen und künftigen Ausrichtung des Hamburger Spielestudios finden Sie in unserer großen Goodgame Studios Analyse.

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