Start Wirtschaft Game Pass: Abonnenten-Aderlass zwingt Microsoft zu Strategie-Korrektur

Game Pass: Abonnenten-Aderlass zwingt Microsoft zu Strategie-Korrektur

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Der Xbox Game Pass umfasst neben Online-Multiplayer-Zugang auch eine große Auswahl an Games für Konsole und PC.
Der Xbox Game Pass umfasst neben Online-Multiplayer-Zugang auch eine große Auswahl an Games für Konsole und PC.

Laut Medienberichten hat Microsoft die Abonnenten-Ziele der Spiele-Flatrate Xbox Game Pass krachend verfehlt – jetzt braucht es einen Plan B.

70 Mrd. $ für Activision Blizzard (Diablo, World of WarCraft, Call of Duty), zuvor bereits 7 Mrd. $ für Bethesda (Fallout, Wolfenstein) und zwischendurch viele weitere Millionen für den Zukauf kleinerer Studios: Mit Investitionen von historischen Dimensionen wollte Microsoft-Gaming-CEO Phil Spencer für steten Nachschub an Blockbustern und hochkarätigen Indie-Titeln sorgen, um die Kundenzahlen und damit die Umsätze der Abo-Dienste Xbox Game Pass und PC Game Pass zu steigern.

Pro Jahr stand zudem ein kolportiertes Milliarden-Dollar-Budget zur Verfügung, das externe Studios und Publisher davon überzeugen sollte, ihre Neuheiten direkt zur Markteinführung im Game Pass zu listen.

Doch dieses Geschäftsmodell ist gescheitert – und Spencer-Nachfolgerin Asha Sharma lässt keine Gelegenheit aus, um mit ungewohnt konkreten Zahlen die Alternativlosigkeit von Massen-Entlassungen, Projekt-Stopps und Studio-Verkäufen zu verargumentieren.

Zum Auftakt des neuen Geschäftsjahrs hat Microsoft am Montag einen weiteren Stellenabbau verkündet: 3.200 Jobs (rund 20 Prozent der Xbox-Belegschaft) fallen weg, ganze Management-Ebenen werden ersatzlos gestrichen, Kult-Studios wie id Software (Doom, Quake) verlieren jeden zweiten Mitarbeiter, eine neue COO soll für Kostendisziplin sorgen.

Microsoft-Gaming-CEO Asha Sharma mit Vorgänger Phil Spencer (links) und Chief Content Officer Matt Booty beim Townhall-Meeting zum Amtsantritt.
Microsoft-Gaming-CEO Asha Sharma mit Vorgänger Phil Spencer (links) und Chief Content Officer Matt Booty beim Townhall-Meeting zum Amtsantritt.

Microsoft muss Game Pass-Strategie korrigieren

Microsoft steht unter massivem Druck – zuvorderst im Hardware-Bereich, das laut Bloomberg rund 80 Prozent der Umsätze ausmachen soll. Drastisch gestiegene Komponenten-Teile und Zölle sorgen dafür, dass das Unternehmen bei jeder verkauften Xbox-Konsole draufzahlt.

Folge: Zum 1. August verteuern sich alle Xbox-Baureihen pauschal um 100 $ (€-Preise noch nicht bekannt). Bereits im 1. Quartal waren die die Stückzahlen um ein weiteres Drittel eingebrochen. Das Unternehmen ist dennoch entschlossen, entlang des Programms Project Helix einen Nachfolger für die Xbox Series X zu entwickeln.

Die mit Abstand größte Baustelle ist allerdings die Spiele-Flatrate Game Pass: Laut Recherchen von Bloomberg und Wall Street Journal liegt die Zahl der Abonnenten derzeit bei 30 Millionen Gamern – und damit 4 Millionen unter jenen 34 Millionen Kunden, die Microsoft zuletzt 2024 kommuniziert hat. Seitdem gab es keine neuen Zahlen.

Allein die massive Erhöhung der Monatsgebühr um knapp 50 Prozent im Herbst 2025 hat zu mehreren Millionen Kündigungen geführt, wie Microsoft-Manager Matthew Ball vor kurzem einräumte. Um den weiteren Niedergang zu stoppen, hat seine Chefin Sharma als eine ihrer ersten Amtshandlungen die Game Pass-Erhöhung in Teilen zurückgenommen und die Tarif-Struktur umgebaut: Call of Duty ist neuerdings nicht mehr serienmäßig zum Launch inklusive.

Neuheiten wie Forza Horizon 6 werden im Xbox Game Pass Ultimate weiterhin direkt zum Release freigeschaltet - nicht aber künftige Call of Duty-Spiele.
Neuheiten wie Forza Horizon 6 werden im Xbox Game Pass Ultimate weiterhin direkt zum Release freigeschaltet – nicht aber künftige Call of Duty-Spiele.

Game Pass: Microsoft strafft Kosten und Spiele-Portfolio

Ursprünglich sollte just jenes Call of Duty dazu beitragen, die Abonnenten-Zahlen auf 77 Millionen bis Mitte 2026 zu schrauben, wie aus internen Präsentationen hervorgeht. Bis 2030 wurden gar 100 Millionen zahlende Nutzer angepeilt. Doch schon während der laufenden Activision-Blizzard-Integration hat sich abgezeichnet, dass die Kundenbasis viel zu langsam wächst.

Mehr noch: Fast zehn Jahre nach dem Start des Game Pass im Juni 2017 wird deutlich, dass der Abo-Dienst an eine gläserne Decke gestoßen ist. Die erhofften Zuwächse sind nicht eingetreten, vielmehr haben sich mit viel Aufwand angeworbene Kunden vom Game Pass verabschiedet. Die Kundschaft stimmt mit dem Geldbeutel ab: Die Mitgliedschaft lässt sich von einem Monat zum anderen kündigen. Spätestens nach den Preissprüngen scheinen die ursprünglichen Planzahlen unerreichbarer denn je.

Doch die tieferen Ursachen liegen weniger im Hü und Hott bei der Tarif-Gestaltung, sondern in einer sehr grundsätzlichen Fehleinschätzung des Spieler-Verhaltens: Denn anders als bei Netflix, Disney+ oder Apple TV springen die meisten Konsolen-Kunden nicht fröhlich bingend von einer Serie zur nächsten, sondern verbringen Wochen, Monate, teils Jahre mit ein- und demselben Spiel – etwa mit Minecraft, Diablo oder demnächst Grand Theft Auto 6. Weite Teile des Publikums erwerben maximal zwei Spiele pro Jahr, viele gar keins.

Microsoft hat sich im ersten Schritt dazu entschlossen, weniger Spiele-Content zu produzieren: Zwei Xbox-Studios (Ninja Theory, Double Fine) entwickeln ihre Spiele künftig wieder in Eigenregie, für drei weitere Teams werden Investoren gesucht. Sharma begründet die Maßnahme unter anderem damit, dass es keinen Mangel an spielbarem Material gibt – man müsse nicht alles selbst bauen.

Der Fokus soll zudem auf Premium-Marken liegen. So werde sich die Dependance Bethesda auf Franchises wie Fallout, The Elder Scrolls und Wolfenstein fokussieren. Laut Bloomberg gibt es Planspiele, mindestens die Toptitel unter den Singleplayer-Neuheiten (wieder) exklusiv auf Xbox-Systemen zu veröffentlichen, während Multiplayer-Spiele allein mit Blick auf die Reichweite auch künftig auf PlayStation 5 und Nintendo Switch 2 stattfinden – inklusive Call of Duty, wo Microsoft bei den Kartellbehörden im Wort steht.

Außerdem rechnen Beobachter damit, dass es anstelle eines viel zu teuren One-size-fits-all-Angebots ein ganzes Füllhorn mit maßgeschneiderten und damit deutlich günstigeren Game-Passes geben könnte – zum Beispiel einen für Call of Duty, einen für Minecraft, einen für Indie-Perlen.

Erste Indizien für die neue Game Pass-Strategie könnten sich bereits Ende August abzeichnen: Microsoft Xbox gehört zu den bereits bestätigten Ausstellern der Gamescom 2026 in Köln. Ob Asha Sharma nach Deutschland reist, ist noch nicht bekannt.

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