
Der Speicherchip-Engpass sorgt dafür, dass Spielkonsolen immer teurer werden. Wer noch keine hat und GTA 6 spielen will, sollte spätestens jetzt handeln.
Verehrte GamesWirtschaft-Leserin,
verehrter GamesWirtschaft-Leser,
„Besuchen Sie Europa – solange es noch steht“: Dieser Reklame-Text eines US-Reiseveranstalters soll die Ja-jetzt-wird-wieder-in-die-Hände-gespuckt-wir-steigern-das-Bruttosozialprodukt-Kapelle Geier Sturzflug Anfang der 80er Jahre zum gleichnamigen Song inspiriert haben. Vor dem Hintergrund eines immer heißer werdenden Kalten Kriegs und im Lichte installierter Mittelstreckenraketen wurde die möglicherweise letzte Chance besungen, den Kölner Dom, den Petersplatz oder den Eiffelturm zu besichtigen.
Nun, vier Jahrzehnte später sind die Wahrzeichen weiterhin voll funktionstüchtig und gutbesucht. Was sich in den vergangenen 40 Jahren allerdings sehr wohl verändert hat (und zwar dramatisch), ist das in Beton gegossene Branchengesetz, wonach die Preise von Spielkonsolen nur eine Richtung kennen: nach unten. Die Logik: Hardware altert, Komponenten werden günstiger, Stückzahlen steigen, den Rest besorgt der Handel.
Nintendo, SEGA und Sony PlayStation, später auch Microsoft, lieferten sich knüppelharte Unterbietungs-Wettbewerbe. Wie beim Mikado galt: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Noch während laufender Premieren-Veranstaltungen wurden die Tarife in den Präsentationen und Pressemitteilungen freihändig an die Ansage anderer Marktteilnehmer angepasst – legendär.

In der aktuellen Konsolen-Generation wird die Alles-wird-günstiger-Regel auf den Kopf gestellt.
- Beispiel Microsoft: Für das Topmodell Xbox Series X verlangte der Konzern in den ersten fünf Jahren 499,99 € – aktuell sind es 599,99 € (bei gleicher Ausstattung).
- Noch krasser die Lage bei Sony: Die günstigste PlayStation 5 kostete als Digital Edition bei Markteinführung im November 2020 vertretbare 399,99 €. In mehreren Schritten haben die Japaner die Preise angepasst – auf 449 €, dann auf 499 €. Seit Ostern 2026 sind wir bei 599,99 €. Ohne Spiel, wohlgemerkt.
- Für die Sony-Konsole werden jetzt also 200 € mehr fällig als zum Launch. Zum Vergleich: Der Preis des PS5-Vorgängers PlayStation 4 hatte sich im gleichen Zeitraum mehr als halbiert – Aldi warb mit 299 €-Bundles. Im Sommer 2016 gab’s bei MediaMarkt gar zwei PS4-Konsolen für 398 € – „eine zum Zocken und eine zum Glotzen“.
- Dass die Welt aus den Fugen geraten ist, belegt Nintendo: 15 Monate nach Launch wird der Preis einer Konsole moderat nach oben angepasst – zum ersten Mal in der Firmen-Historie. Ab September berechnet Nintendo 30 € mehr pro Switch 2.
Man muss gar nicht erst zwischen den Zeilen der Investor-Relations-Depeschen lesen, um zu erahnen, dass es nicht die letzten Preiserhöhungen gewesen sein dürften.
Der Grund ist nicht Gier, sondern Deckungsbeitrag. Denn dass Konsolen-Hersteller mindestens in der Launch-Phase zuverlässig draufzahlen, ist normal: Die Geräte werden subventioniert, weil das Geld in den Folgejahren mit Zubehör, Games und Services eingespielt wird. Irgendwann erreicht die Hardware dann den Break-Even.
Doch die Formel geht schon seit längerem nicht auf. Xbox-CEO Asha Sharma rechnete in der vergangenen Woche vor, dass sich die Kosten für Speicherplatz allein seit Herbst 2025 glatt vervierfacht haben. Für 2027 geht das Controlling von weiteren Steigerungen aus.
Dieses Problem hat Microsoft nicht exklusiv: Das Wall Street Journal hat in dieser Woche die Kosten der iPhone-Zutaten anschaulich aufgeschlüsselt. Während die Tarife für Prozessoren, Display, Batterie und Kamera einigermaßen stabil blieben, sind die Marktpreise für ‚Memory‘ und ‚Storage‘ explodiert. Apple sieht sich veranlasst, die höheren Einstandspreise in der UVP abzubilden und an die Kundschaft weiterzureichen.
Microsoft ist nach Sharmas Darstellung in besonderem Maße von der Krise betroffen – bedingt durch Entscheidungen, die in den vergangenen fünf Jahren getroffen wurden. Übersetzt: von Vorgänger Phil Spencer. Was es deshalb braucht, sei schlichtweg ein neues, möglichst nachhaltiges Geschäftsmodell für den Xbox Series X/S-Nachfolger Project Helix – an dem weiter festgehalten wird.
Im ersten Schritt geht Microsoft allerdings an die Kosten ran: Wie überall in der Branche werden Studios abgewickelt, Projekte gestoppt, Stellen gestrichen. Man werde den Xbox-Konzern schon bald kaum wiedererkennen, unkt Branchen-Insider Jason Schreier. Microsoft selbst spricht von einem ‚Reset‘.
Sharma hat Rückendeckung von Satya Nadella. Am vergangenen Wochenende ließ der CEO in ungewohnter Offenheit durchblicken, dass sich die Abermilliarden an investierten Games-Dollars unterm Strich bislang nicht ausgezahlt haben.
Mit Blick auf die Hardware-Engpässe geht Nadella von einem temporären Effekt aus. Das mag man gerne glauben. Aber vielleicht ist die neue Offenherzigkeit von Microsoft auch einfach nur ein gezieltes Signal an Markt und Verbraucher, dass die Zeiten der Superlative vorbei sind – und dass sich Microsoft vor allen anderen aus dem Rennen um „die schnellste und leistungsstärkste Konsole aller Zeiten“ verabschiedet, wie die Series X bis zum heutigen Tag bei Amazon & Co. beworben wird.
Mehr noch: Man sehe sich derzeit außerstande, Konsolen in Stückzahlen zu produzieren, wie sie der Markt verlangt, warnt Microsoft. Das sind keine guten Nachrichten fürs Weihnachtsgeschäft.
Denn seit der gestrigen Ankündigung der Vorbestell-Phase ist klar, dass nur noch ein mittelgroßer Meteoriten-Einschlag die Markteinführung von Grand Theft Auto 6 am 19. November verhindern kann. Die Nachfrage nach den dazugehörigen Abspielgeräten dürfte ansteigen. In Kombi mit einer PlayStation 5 Pro nähern wir uns zuverlässig dem 1.000-€-Sektor.
Angelehnt an Geier Sturzflug möchte man daher dringend raten: Kaufen Sie Konsolen – solange es noch geht.
Mag sein, dass sich dieser Alarmismus im Rückblick tatsächlich als Alarmismus herausstellt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es ein weiteres Mal teuer wird, ist eben viel, viel höher, als dass Sony und Microsoft auch nur einen Cent runtergehen. Und es gibt nichts zu verlieren: Wer jetzt noch handelt, kann die weitere Entwicklung entspannt abwarten.
Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft
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Gegenthese: Das hätte auch was Gutes für die unabhängigen Software-Hersteller.
Wenn klar ist, dass es absehbar keine neue Konsolengeneration gibt, muss niemand jetzt sein Wissen wegwerfen und für die nächste programmieren. Es gibt sogar belastbare Zahlen, wie groß der Markt für ein Spiel gerade überhaupt sein kann – keine Powerpoints mehr, in denen man die Investoren mit einem endlos wachsenden Markt übers Ohr hauen kann. Eine stabile Planungsbasis – und ein reinigendes Gewitter, das alle die trifft, die einfach viel zu viel Geld in Spiele stecken, die am Ende doch keiner kauft.