
Aus dem ersehnten Umzug ins House of Games wird nichts – Berlin muss sparen. Die Betreiber des Computerspielemuseums machen das Beste daraus.
„Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage sieht der Senat keine Möglichkeit, die Integration des Computerspielemuseums in das House of Games finanziell zu unterstützen.“
So steht es geschrieben im „Fortschrittsbericht“, den die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) im März vorgelegt hat. Im ursprünglichen Konzept und selbst Mitte 2025 – bei der feierlichen Vorstellung des House of Games-Standorts im LUX-Quartier – hatte das noch ganz anders geklungen. Mit immerhin 4,6 Mio. € subventioniert das Land Berlin den künftigen Sitz von Ubisoft Berlin und Branchenverband; den Um- und Einzug von Computerspielemuseum (CSM) und Internationaler Computerspielesammlung (ICS) lässt die Kassenlage hingegen nicht zu.
Bedeutet in der Praxis: Die Dauerausstellung samt der Exponate bleibt auch im Jubiläumsjahr 2027 am angestammten Standort in der Karl-Marx-Allee, wo das 1997 gegründete CSM seit 2011 residiert.
Für 2026 erwarten die Betreiber zwischen 120.000 und 130.000 Besucher – damit gehört die Einrichtung zu den Top 30 Museen in der Hauptstadt. Konsolen, Spielautomaten, Zubehör, Merchandise, Zeitschriften und natürlich Videospiele aus mehreren Jahrzehnten ermöglichen eine Zeitreise durch die Games-Historie; VIP-Besuche und regelmäßige Sonderausstellungen (aktuell: A Fantastic Failure über das Nokia N-Gage) sorgen für regen Betrieb.

Zukunft des Computerspielemuseums: Heiter weiter
Dass es mit dem ersehnten Platz im House of Games jetzt doch nicht klappt, ist aus Sicht der Betreiber zwar betrüblich. Aber die jetzige Stätte habe nun mal auch ihre Vorteile, betonen die Geschäftsführer Daniel Schötz und Martin Görlich im GamesWirtschaft-Gespräch – etwa mit Blick auf die gute Erreichbarkeit mit ‚eigener‘ U-Bahn-Station (Weberwiese).
Görlich managt das CSM seit 2023 – Schötz kam im Mai als ehrenamtlicher Geschäftsführer nach dem Tod von Museums-Co-Erfinder Klaus Spieler an Bord. Beide treibt die Mission, das Kulturgut Games zu bewahren und für das Publikum zugänglich zu machen: „Das Wichtigste sind die Menschen, die zu uns kommen und sich informieren und das Kulturgut erleben wollen.“
Bei dieser Mission helfen würde mehr Platz: Mit dem vorhandenen Bestand könnte man locker die doppelte Ausstellungsfläche bespielen. Die zusätzlichen 15.000 qm der optionalen House of Games-Erweiterung wären dafür bestens geeignet. Zum kompletten Bild gehört allerdings, dass dadurch parallel auch die Ausgaben steigen würden, etwa für die Aufsicht in den Räumen. Auch Wartung und Reparatur verschlingen viel Geld: Jedes zusätzliche Gerät bedeutet „deutliche“ Mehrkosten.
Dazu muss man wissen: Anders als etwa die Publikumsmagnete auf der Museums-Insel und andere staatliche Einrichtungen wird das Computerspielemuseum privat betrieben, nämlich von der gemeinnützigen Gameshouse gGmbH.
Trotz klammem Haushalt trägt auch das Land Berlin einen Teil zur Finanzierung des laufenden Betriebs bei. Der Senat hat den Kulturetat allerdings per tief gestelltem Rasenmäher gestutzt – das Museum bekommt im laufenden und im kommenden Jahr ’nur‘ noch jeweils 97.000 € (zuvor 100.000 €).

Derlei Kürzungen seien immer schmerzhaft, betonen Martin Görlich und Daniel Schötz. Doch in anderen Bereichen fielen die Kürzungen noch deutlich drastischer aus. Und sie wissen auch: Ohne die Förderung geht es nun mal nicht – allein schon mit Blick auf Backups und die immer aufwändigere Erhaltung und Restaurierung der Geräte.
Wenn schon Berlin sparen muss, könnte sich eigentlich auch der Bund einbringen. Ein breites Bündnis von Entwicklern, Parteien und Institutionen hat im Juni die Petition „Kein House of Games ohne das Computerspielemuseum – öffentliche Finanzierung jetzt!“ auf den Weg gebracht. Doch das für Games zuständige Forschungsministerium winkt ab: Die haushaltsrechtlichen Hürden für eine institutionelle (sprich: dauerhafte) Förderung seien extrem hoch, heißt es auf GamesWirtschaft-Anfrage.
Dessen ungeachtet laufen die Vorbereitungen für das 30jährige Computerspielemuseum-Jubiläum im kommenden Jahr. Eine Art Preview bietet die Gamescom 2026 in Köln: In der Retro Area in Halle 10.2 lassen sich ab dem 26. August ausgewählte Schätze bewundern und bespielen.
Wer das CSM unterstützen möchte, kann das zum einen über die Eintrittskarte (Erwachsene 12 € / ermäßigt 8 €) entlang eines Besuchs. Sowohl Privatpersonen und Unternehmen können außerdem dem ‚Kreis der Fördernden‘ beitreten und sich mit einer jährlichen Spende einbringen.












