
Bereits Ende 2027 laufen bei Sony die letzten PlayStation-Discs vom Band: Das Ende der Datenträger-Ära hat erhebliche Auswirkungen.
Dass dieser Moment eines Tages kommen würde, dürften die meisten PlayStation-Fans befürchtet, mindestens aber geahnt haben.
Doch dass es seit dem gestrigen Mittwoch ein konkretes Ablaufdatum gibt, war selbst für viele Beobachter dann doch überraschend: Sony Interactive hat das Ende der Datenträger-Ära ausgerufen. Ende 2027 wird die Disc-Produktion eingestellt – ab 1. Januar 2028 gibt es PlayStation-Spiele nur noch digital, also als Download.
Aus für PlayStation-Discs: Die Folgen der Sony-Entscheidung
Dass Sony die Entscheidung zu einem vergleichsweise frühen Zeitpunkt bekannt gibt, hat damit zu tun, dass sich ein Multi-Milliarden-Dollar-Marktsegment auf das neue Szenario einstellen muss. Das gilt sowohl für die Verbraucher als auch für Spielehersteller und den Handel.
GamesWirtschaft analysiert, welche Auswirkungen und Nebenwirkungen mit der Disc-Abschaffung einher gehen.
… für Sony Interactive
Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist die Entscheidung nachvollziehbar, denn die Nachfrage nach physischen Datenträgern ist seit Jahren kontinuierlich rückläufig. Zwischen Januar und März 2026 wurden nur noch 15 von 100 PlayStation-Spielen auf Blu-Ray-Disc erworben – in diesen Zahlen ist das Auslaufmodell PlayStation 4 schon inklusive.
Gleichwohl verkaufen Sony und andere Spielehersteller immer noch viele Millionen PlayStation-Spiele auf Disc: Diese Klientel muss spätestens ab Ende 2027 umdisponieren.
Dass mit Grand Theft Auto 6 der wichtigste Blockbuster des Jahres erst gar nicht auf Blu-Ray-Disc ausgeliefert wird, dürfte die Digital-Quote im 4. Quartal in hohe 90er-Regionen katapultieren.
Abhängig vom Release-Termin ist denkbar, dass First-Party wie Intergalactic: The Heretic Prophet (Naughty Dog) oder God of War Laufey (Santa Monica Studio) bereits rein digital ausgeliefert werden.
… für Besitzer einer PlayStation 5
Der Countdown läuft: Das Weihnachtsgeschäft im kommenden Jahr ist gleichsam die ‚Last Order‘ für alle, die sich bewusst für eine Disc-Version entscheiden.
Allerdings spricht viel dafür, dass der Übergang schon im Lauf des kommenden Jahres stattfindet – es kann sein, dass die Herbst-Ausgaben von EA Sports FC, Call of Duty & Co. schon gar nicht mehr auf Disc erscheinen, weil eben eine Nachproduktion ab Ende 2027 nicht mehr möglich sein wird.
… für Studios und Publisher
Weil PlayStation-Discs ausschließlich und exklusiv in Sony-Fabriken vom Band laufen, werden zwangsläufig alle anderen Anbieter von PS4-/PS5-Spielen ebenfalls auf Digital-Only umstellen müssen.
Sprich: Künftige PlayStation 5-Titel von Ubisoft, Electronic Arts, Take-Two, Activision, Blizzard, Bethesda, Capcom, Square Enix, Bandai Namco, THQ Nordic, CD Projekt Red & Co. erscheinen spätestens ab 2028 nicht mehr auf Disc.
Die Krokodilstränen in den Chefetagen dürfte sich in Grenzen halten: Der Resident Evil-Publisher Capcom geht beispielsweise davon aus, dass der Digital-Anteil bereits im laufenden Geschäftsjahr auf 95+ % steigt.
… für den Handel
Die Code-in-a-box-Strategie, wie sie unter anderem Rockstar Games bei Grand Theft Auto 6 praktiziert, kann als Übergangs-Modell eingestuft werden (mehr dazu in dieser Kolumne). Es ergibt keinen Sinn, einen Zettel in eine viel zu große Box zu packen, die ursprünglich für einen Datenträger konzipiert wurde.
Im Ergebnis werden die ohnehin überschaubaren Games-Flächen in Elektronikmärkten und ‚Multimedia-Abteilungen‘ weiter schrumpfen. Möglicherweise wird man Videospiele im stationären Handel künftig serienmäßig dort finden, wo schon jetzt Netflix-, Steam-, Roblox-, Handy- und PlayStation Plus-Guthaben-Karten angeboten werden, nämlich in den üppigen Displays im Kassenbereich.
… für den Gebrauchtspiele-Markt
Einmal eingelöst, sind Download-Codes für immer an den jeweiligen Spieler-Account gebunden. Weitergabe, Verleih und Verkauf sind weder vorgesehen noch möglich. Dadurch entfällt schon jetzt immer öfter die Möglichkeit, sich günstig mit gebrauchten Spielen einzudecken.
Perspektivisch wird sich das Gebraucht-Segment noch stärker auf ältere Konsolen-Generationen fokussieren. Doch auch in diesen Fällen droht ein Ablaufdatum: Sony hat parallel zur Disc-Abschaffung angekündigt, dass der PlayStation Store auf PlayStation 3 und PS Vita bereits im Juli 2027 geschlossen wird.
Die Bewahrung des digitalen Spielekultur-Erbes wird zu einer echten Aufgabe.
… für die Spiele-Preise
Die Zeiten der Schnäppchen dürften vorerst vorbei sein. Zwar rabattiert Sony entlang von Summer Sale und Days of Play die Preise für ältere Titel teils erheblich, doch Neuheiten bleiben mindestens in den die Wochen nach Launch auf dem Niveau der UVP. Die sonst üblichen ‚Preisschlachten‘ im Einzelhandel entfallen.
Gaming wird dadurch teurer und für viele Konsolen-Fans mit kleinem Geldbeutel unerschwinglicher, weil sie sich das Hobby schlichtweg nicht (mehr) leisten können. Schließlich steigen auch die Preise für Spielkonsolen, Zubehör und Services immer weiter. Von dieser Entwicklung könnte wiederum das Free2Play-Segment profitieren.
… für die PlayStation 6
Die Einstellung der Disc-Produktion lässt keinen anderen Schluss zu, als dass die kommende PlayStation-Konsole (Markteinführung: voraussichtlich nicht vor 2028) serienmäßig ohne Blu-Ray-Disc-Laufwerk auskommt.
Dafür spricht auch die Tatsache, dass bereits die PlayStation 5 Pro für den reinen Digital-Betrieb ausgelegt ist. Optional wird Sony sicher weiterhin ein externes Laufwerk anbieten, das die künftige Nutzung vorhandener Datenträger ermöglicht.

… für Sammler
Da muss man gar nicht um den heißen Brei herumreden: Wer sich mit viel Liebe und Sorgfalt eine stattliche PlayStation-Spiele-Sammlung aufgebaut hat, muss den Sony-Nackenschlag erstmal verdauen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass das Angebot an Special Editions und Collector’s Editons wächst.
… für Xbox und Switch 2
Dass sich sowohl Nintendo als auch Microsoft auf eine Disc-lose Zukunft vorbereiten, ist offensichtlich.
Noch werden Switch 2-Spiele wie Mario Kart World oder Donkey Kong Bananza auf Modul ausgeliefert. Doch die Packungen von Neuheiten wie Pokémon Pokopia enthalten bereits eine ‚Software-Schlüssel-Karte‘, die den Download des Spiels voraussetzen – von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Modul-Abschied, zumal Nintendo das eShop-Angebot kontinuierlich ausbaut.
Microsoft ist deutlich weiter: Alleine mit Blick auf Produktionskosten und Listenpreis wird die kommende Xbox-Konsole (‚Project Helix‘) kein Laufwerk mehr enthalten, zumal die Strategie ohnehin längst auf Streaming, Cloud und Abo-Modelle abzielt.
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