Start Sport Virtual-Bundesliga-Chef Rentschler: „Mehr sportliche Unvorhersehbarkeit geht kaum.“

Virtual-Bundesliga-Chef Rentschler: „Mehr sportliche Unvorhersehbarkeit geht kaum.“

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Felix Rentschler, Head of Virtual Bundesliga bei der DFL (Foto: Deutsche Fußball Liga GmbH)
Felix Rentschler, Head of Virtual Bundesliga bei der DFL (Foto: Deutsche Fußball Liga GmbH)

Am kommenden Wochenende wird er die erste Meisterschale der Saison übergeben: Wie VBL-Chef Felix Rentschler auf die diesjährige Virtual Bundesliga blickt.

Noch ist er bei der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH beschäftigt – ab der kommenden Saison firmiert der Ligaverband als Bundesliga GmbH, wie die Clubs der ersten und zweiten Liga gestern beschlossen haben.

Dort ist Felix Rentschler seit knapp einem Jahr als Head of Virtual Bundesliga für das offizielle E-Sport-Format zuständig: Weil die Virtual Bundesliga (VBL) auf Basis von EA Sports FC als offizieller Liga-Wettbewerb gilt, müssen alle Vereine eigene Teams entsenden – mit Ausnahme der Eisernen von Union Berlin klappte das auch in dieser Saison.

Rentschler war es auch, der bereits in seiner ersten Amtszeit fundamentale Korrekturen am Spielplan vorgenommen hat, die mehr Spannung versprechen: Die regionalen Nord-West-/Süd-Ost-Divisionen entfallen – monatliche Showdowns ersetzen die klassischen Spieltage. Entlang eines Punktesystems ergeben sich die Qualifikationen für Play-Offs und das große Finale, das am kommenden Wochenende im Xperion in Hamburg ausgetragen wird. Der Preisgeld-Pool liegt bei 87.500 €.

RB Leipzig gewinnt die VBL Club Championship 2024/25 - von links: Coach Ivan Churoc, Levy Finn Rieck (RBLZ_levyfinn), Anders Vejrgang (RBLZ_Vejrgang), Umut Gültekin (RBLZ_Umut) und Coach Daniel Fehr (Foto: DFL / Getty Images / Vera Loitzsch)
RB Leipzig gewinnt die VBL Club Championship 2024/25 – von links: Coach Ivan Churoc, Levy Finn Rieck (RBLZ_levyfinn), Anders Vejrgang (RBLZ_Vejrgang), Umut Gültekin (RBLZ_Umut) und Coach Daniel Fehr (Foto: DFL / Getty Images / Vera Loitzsch)

Ein Heimspiel hat der HSV: In den Achtelfinal-Spielen treffen die Hamburger am Samstag auf Leverkusen. Der FC Bayern München spielt gegen Werder Bremen – Borussia Dortmund bekommt es mit Schalke 04 zu tun und RB Leipzig muss gegen Hoffenheim ran. Titelverteidiger Leipzig geht als Favorit ins Rennen: Der Kader hat 2025 zum dritten Mal die „deutsche Club-Meisterschaft im eFootball“ gewonnen.

Das Finalspiel ist für Sonntagabend ab 19 Uhr geplant – alle Parteien werden auf dem VBL-Twitch-Kanal und auf den YouTube-Kanälen der Bundesliga und bei EA Sports übertragen.

Virtual-Bundesliga-Chef Rentschler: „Mehr sportliche Unvorhersehbarkeit geht kaum.“

Gegenüber GamesWirtschaft zieht Felix Rentschler eine erste Zwischenbilanz, wie sich die Neuerungen ausgewirkt haben.

GamesWirtschaft: „Offener, spannender und fairer“ sollte die VBL infolge des neuen Wettbewerbsmodus werden. Inwieweit haben sich diese Erwartungen erfüllt? Gibt es schon erste ‚Learnings‘?

Felix Rentschler: Unser Anspruch war es, mit dem neuen Wettbewerbsformat genau diese Effekte nicht nur theoretisch auf dem Papier zu formulieren, sondern sie auch messbar zu erreichen – und genau das ist gelungen.

Fünf unterschiedliche Showdown-Sieger und insgesamt 29 Clubs, die sich für mindestens einen Offline-Showdown qualifiziert haben, zeigen, dass die Leistungsdichte gestiegen und die Dominanz einzelner Teams zurückgegangen ist. In mehreren Online-Phasen hat sich die Tabelle innerhalb der Top 16 bis zur letzten Sekunde verändert – mehr sportliche Unvorhersehbarkeit geht kaum.

Die gesteigerte Spannung resultiert vor allem daraus, dass wir uns bewusst von einzelnen, isolierten Spieltagen gelöst haben. Statt frühzeitig sportliche Vorentscheidungen zu produzieren, blieb es für nahezu jedes Team – unabhängig vom Saisonverlauf in den Vormonaten – bis zu den letzten beiden Showdowns relevant.

Wir sind im ersten Jahr dieses Formats, aber unsere Grundhypothese wird klar bestätigt. Daher werden wir in der kommenden Saison im Kern an diesem Format festhalten. Nach einem so grundlegenden Change ist jetzt vor allem Konsistenz und Kontinuität wichtig – für die Community, für die Clubs und für die Verständlichkeit des Wettbewerbs insgesamt.

Wie hat sich der neue Modus auf Sichtbarkeit, Zuschauer- und Abrufzahlen ausgewirkt?

Der direkte 1:1-Vergleich mit der Vorsaison ist nur bedingt möglich, da wir weniger Spieltage und weniger lineare Übertragungsstunden hatten. Unser Ziel war jedoch auch nie, mehr Stunden zu senden, sondern mehr Wirkung pro Stunde zu erzielen – und genau hier sehen wir eine sehr positive Entwicklung.

In der relativen Betrachtung konnten wir in der regulären Saison 2025/26 die relevanten KPIs wie Live-Aufrufe, Unique Viewer und angesehene Minuten im Vergleich zur Vorsaison verdoppeln. Auf Social Media verzeichnen wir sogar einen Anstieg der Aufrufe über alle VBL-Kanäle von über 260 Prozent sowie ein Follower-Wachstum von 13 Prozent seit Saisonbeginn.

Ein wesentlicher Treiber war das konsequente Hero-Building und Storytelling rund um Spieler, Clubs und Standorte. Zudem haben wir den Fokus deutlich stärker auf Vor- und Nachbereitung der Showdowns sowie auf On-Site-Content gelegt. Dadurch konnten wir die Reichweite nicht nur quantitativ erhöhen, sondern auch qualitativ verbessern.

Eine Stichprobe zeigt: Die VBL-Kommunikation der Bundesligisten im Netz unterliegt starken Schwankungen. Wie lässt sich das ‚Commitment‘ der Vereine steigern?

Auf den relevanten Social-Media-Plattformen, also dort, wo sich die eFootball- und Gaming-Zielgruppe tatsächlich bewegt, hat die Sichtbarkeit deutlich zugenommen. Wie bereits erwähnt, sind die VBL-Aufrufe über alle Kanäle hinweg um über 260 Prozent gestiegen. Das wäre ohne eine stärkere Einbindung der Clubs nicht möglich gewesen.

Durch die zusätzlichen Offline-Momente im neuen Format hat sich die Kommunikationslogik vieler Clubs verändert: weg von reiner Ergebnis- oder Pflichtkommunikation –  hin zu einer gebündelten, aktivierungsorientierten VBL-Content-Strategie mit klarem Bezug zu EA Sports FC-Inhalten, Storytelling und Hero-Building. Gerade rund um die Showdowns sehen wir deutlich höhere Frequenzen und mehr kreative Formate.