Zu Hochzeiten beschäftigte Goodgame Studios rund 1.200 Mitarbeiter (Foto: Goodgame Studios, Montage: GamesWirtschaft)
Zu Hochzeiten beschäftigte Goodgame Studios rund 1.200 Mitarbeiter (Foto: Goodgame Studios, Montage: GamesWirtschaft)

Deutschlands mitarbeiterstärkster Spielehersteller streicht Hunderte Jobs und etliche Spiele. Alarmierend: Der Erfolg von Goodgame Studios hängt im Wesentlichen an zwei Umsatz-Volltreffern. Die GamesWirtschaft-Analyse bewertet die Perspektiven des Hamburger Spiele-Riesen.

Absicht oder Zufall? Eineinhalb Stunden vor der großen Gamescom-Branchenparty-Sause an den Kölner Rheinterrassen lieferte der Hamburger Free2play-Riese den nötigen Gesprächsstoff zu Gegrilltem und Gebrautem. Bereits den ganzen Donnerstag über kursierten auf dem Messegelände besorgniserregende Nachrichten aus der Hamburger Theodorstraße.

Gegen 18.30 Uhr herrschte dann Gewissheit. Unter der Überschrift „Goodgame Studios fokussiert sich auf Kernkompetenzen“ kündigte die Firma den Abbau von Jobs im „unteren dreistelligen Bereich“ an. Beobachter gehen von 300 bis 400 Stellen aus – die Gesamtzahl der Mitarbeiter würde damit in jedem Fall unter die Marke von 1.000 sinken. Die Belegschaft pendelte zuletzt zwischen 1.100 und 1.200 Personen.

Zum Vergleich: Goodgame beschäftigt damit fast so viele Menschen wie Innogames, Bigpoint und Gameforge zusammen. Der Aderlass ist also erheblich und ein Schlag ins Kontor für den Games-Standort Deutschland und Hamburg im Speziellen.

Update vom 29. August 2016: Gegenüber Develop hat Goodgame Studios die betriebsbedingten Kündigungen mit 114 beziffert. Hinzugezählt müssen allerdings jene, die das freiwillige Abfindungsangebot angenommen haben sowie jene, deren befristete Verträge nicht verlängert wurden.

Goodgame Studios ist der mit Abstand größte Spiele-Entwickler der Nation (Foto: Goodgame Studios).
Goodgame Studios ist der mit Abstand größte Spiele-Entwickler der Nation (Foto: Goodgame Studios).

Goodgame Studios: Stellenabbau und Einstellung mehrerer Spiele

Goodgame Studios konzentriert sich künftig auf das „sehr profitable Kerngeschäft“ – und meint damit Free2play-Strategiespiele für Mobile (iOS, Android) und Browser. Laut Goodgame-Studios machen Web (= Browser) und Mobile (= Appstore) inzwischen jeweils die Hälfte des Umsatzes aus. Noch 2013 lag der Browser-Anteil bei 84 Prozent.

Die Produktion von Casual- und PC-Client-Spielen wird komplett eingestellt. Bereits zum 3. November 2016 gehen gleich mehrere Goodgame-Studios-Klassiker offline: Goodgame Disco (2010), Goodgame Fashion (2011) und Goodgame Café (2010). Ebenfalls auf der Abschussliste: Goodgame Gangster und Goodgame Galaxy. Untrügliches Indiz: Wer die Websites zu diesen Browserspielen ansteuert, landet auf einer Weiterleitungs-Seite zum Strategiespiel Goodgame Empire.

Netto verbleiben also gerade einmal drei Spiele: Goodgame Empire, Empire: Four Kingdoms, Goodgame Big Farm – und bis auf Weiteres Shadow Kings, das allerdings nicht weiterentwickelt wird.

Bereits dem Geschäftsbericht des Jahres 2014 ist zu entnehmen, dass die Mobile- und Browser-Versionen von Goodgame Empire sowie Goodgame Big Farm für sagenhafte 98 Prozent der „spielerelevanten Umsätze“ verantwortlich sind.

Mit anderen Worten: 198 der 202 Millionen Euro Umsatz verteilten sich auf drei Spiele. Da zwischenzeitlich keine Umsatz-relevanten Spiele erschienen sind, dürfte diese unkommode Situation im Jahr 2015 und 2016 unverändert fortgeschrieben worden sein.

Ebenfalls bemerkenswert: 2014 war Goodgame Studios in erheblichem Umfang von den Erfolgen im Heimatmarkt abhängig – ein Viertel der Umsätze entstand in Deutschland. Zusammen mit USA, Frankreich und Großbritannien stellen vier Länder die Hälfte der Einkünfte – ganz Asien, Australien und Südamerika firmieren unter „Sonstige Länder“. Zwar vertreibt Goodgame die Spiele nach eigenen Angaben in über 100 Ländern, doch offenbar ist es den Hamburgern bis zu diesem Zeitpunkt nicht gelungen, das heimische Kulturgut kommerziell erfolgreich in relevante Kontinente zu exportieren.

Bis November stellt Goodgame Studios eine ganze Reihe von Spielen ein, darunter Goodgame Café.
Bis November stellt Goodgame Studios eine ganze Reihe von Spielen ein, darunter Goodgame Café.

Goodgame Studios: Auch weiterhin Deutschlands größtes Spiele-Unternehmen

Mit der Neuausrichtung einher geht eine Umstrukturierung all jener Bereiche, die nicht an der eigentlichen Spieleentwicklung beteiligt sind – also beispielsweise in Buchhaltung, IT oder Marketing.

Auch nach der Schrumpfkur bleibt Goodgame Studios Deutschlands größter Games-Entwickler, sowohl nach Umsatz (zuletzt über 200 Millionen Euro) als auch nach Mitarbeiterzahlen. Allein die Personalabteilung von Goodgame Studios besteht aus über 80 Personen, zeitweise waren es über 100.

Mit der Ein- und Freistellung von Mitarbeitern sind damit mehr Personen betraut, als Deck 13 oder Kalypso insgesamt beschäftigen. Selbst der finnische Appstore-Überflieger Supercell (Clash Royale, Clash of Clans) verfügt über weniger als 200 Mitarbeiter.

Derzeit sind laut Unternehmens-Website nachvollziehbarerweise keine offenen Stellen zu besetzen. Zuvor rühmte sich die Firma, 10.000 Kandidaten zu sichten – nicht pro Jahr, sondern pro Monat. Alle Bewerber hätten einen „sehr harten Auswahlprozess“ durchlaufen, 98 Prozent seien abgelehnt worden. Geworben wurde mit einer langen Liste an „Benefits“ wie kostenlosem Obst und Müsli, quartalsweisen Firmen-Events, Fitnessraum und einer „After-Work-Location“ inklusive Kicker und Konsolen. Legendär: der firmeneigene Swimmingpool.

Trotz aggressiven Wachstums hat Goodgame Studios mindestens 2015 tiefschwarze Zahlen geschrieben. Das Goodgame-Jahresergebnis lag 2014 bei 18,5 Millionen Euro – 10 Millionen Euro davon haben die Gesellschafter unter sich aufgeteilt. Neuere Zahlen liegen nicht vor.

Den 2014-Umsätzen jenseits der 200 Millionen Euro stehen allerdings enorme Personalkosten gegenüber. Wenn die damalige Personalaufwandsquote in etwa gleich geblieben ist, dürfte Goodgame Studios zuletzt zwischen vier und fünf Millionen Euro für Gehälter und Nebenkosten ausgegeben haben – Monat für Monat.

Goodgame Studios: Betriebsbedingte Kündigungen drohen

Steigende Entwicklungs- und Marketing-Kosten, stagnierende oder fallende Download- und Spielerzahlen: Von diesem unguten Trend kann sich auch Goodgame Studios kaum abkoppeln.

Goodgame Studios muss also zwingend runter von den gewaltigen Personalkosten. Erreicht werden soll der Stellenabbau über verschiedene Stellschrauben, die mit der Mitarbeitervertretung – dem Goodgame Employee Comittee – vereinbart wurden.

Zunächst würden auslaufende Verträge nicht verlängert. Wer will, kann freiwillig gehen – und profitiert von einer höheren Abfindung (die aber unter Umständen eine Arbeitslosengeld-Sperre nach sich zieht). Auch eine Transfergesellschaft soll entstehen. Ausländische Mitarbeiter, die extra für Goodgame Studios nach Hamburg gezogen sind, sollen bei einem eventuell erforderlichen Umzug finanzielle Unterstützung erfahren. Dies gilt allerdings nur bei einem Rückzug ins Ausland – wer innerhalb Hamburgs oder Deutschlands umzieht, geht leer aus.

Wenn all das nicht ausreicht, wird es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Einzelnen Mitarbeitern wurde via E-Mail mitgeteilt, dass sie nicht am freiwilligen Abfindungsprogramm teilnehmen dürfen, weil sie für den Betrieb der Spiele unentbehrlich seien. Umgekehrt bedeutet dies natürlich für all jene, die keine derartige E-Mail erhalten haben, dass die Firma im Zweifel auch ohne sie klar kommt.

Bekanntlich haben sich die Mitarbeiter von Goodgame Studios erst vor wenigen Monaten mehrheitlich gegen einen Betriebsrat ausgesprochen – eine Entscheidung, die sich jetzt möglicherweise bitter rächt. Denn das Komitee ist im Unterschied zu einem klassischen Betriebsrat ein ausgesprochen stumpfes Schwert, wenn es etwa um die juristische Durchsetzung der Mitarbeiter-Interessen geht.

Update vom 29. August 2016: Nach Abschluss des Freiwilligen-Programms verbleiben 114 betriebsbedingte Kündiungen (Quelle: Develop). Wer das Angebot angenommen hat, erhält 1,5 Monatsgehälter pro Beschäftigtenjahr. Wer darauf verzichtet und von Kündigungen betroffen ist, bekommt 1,25 Monatsgehälter pro Beschäftigtenjahr. Mitarbeiter in Probezeit haben üblicherweise keinen Anspruch auf Ausgleichszahlungen, erhalten aber laut Medienberichten dennoch eine Entschädigung. Die Zahl der Stellenstreichungen setzt sich also zusammen aus den betriebsbedingten Kündigungen sowie den Mitarbeitern, die „freiwillig“ gehen, sich noch in der Probezeit befinden oder einen befristeten Vertrag unterschrieben haben. Der gesamte Umfang des Stellenabbaus wird mutmaßlich Anfang September bekannt gegeben.

Goodgame Studios: Alle Neuentwicklungen sind gefloppt

Laut Pressemitteilung konnte keine der „Neuentwicklungen an den Erfolg der Bestandstitel“ anknüpfen. In den letzten Jahren wurden lediglich zwei neue Strategie- und Aufbau-Spiele veröffentlicht: Shadow Kings (Juli 2014) sowie Legends of Honor (Januar 2016).

Analyse-Daten – etwa von App Annie – zeigen deutlich, dass beide Titel zu keinem Zeitpunkt, auf keiner Plattform und in keinem größeren Land auf Dauer nennenswerte Spielerzahlen erreicht haben. Bereits seit Februar 2015 wird Shadow Kings offiziell nicht mehr weiterentwickelt, weil es die Erwartungen nicht erfüllt habe.

Mit den „Bestandstiteln“ ist in erster Linie das fünf Jahre alte Goodgame Empire und dessen Mobile-Ableger Empire: Four Kingdoms gemeint. Die Cashcows des Unternehmens waren 2013, 2014 und 2015 für weite Teile von Umsatz und Gewinn verantwortlich; dies geht unter anderem aus den Jahresabschlüssen hervor. Phasenweise war der Titel Dauergast in den Top 10 der umsatzstärksten Apps, Seit‘ an Seit‘ mit Supercell- und King-Dauerbrennern.

Doch Spielerzahlen und In-App-Umsätze entwicklen sich rückläufig, das Spiel hat seinen Zenit messbar überschritten, wie Charts-Platzierungen und Diagramm-Kurven belegen.

Update vom 9. September 2016: Laut einer Ankündigung auf der Website von Legends of Honor wird das Browserspiel nicht weiterentwickelt. Neue Inhalte wird es ebenso wenig geben wie Updates oder Bugfixes. Die Server sollen allerdings vorerst weiterbetrieben werden, Legends of Honor bleibt also grundsätzlich spielbar. Programmierer, Grafiker und Spieldesigner arbeiten nun verstärkt an der derzeit in Entwicklung befindlichen Mobile-Version.

Goodgame Empire (im Bild) und der Mobile-Ableger Empire: Four Kingdoms sind für weite Teile des Goodgame-Umsatzes verantwortlich.
Goodgame Empire (im Bild) und der Mobile-Ableger Empire: Four Kingdoms sind für weite Teile des Goodgame-Umsatzes verantwortlich.

Goodgame Studios: Ausstieg aus PC-Client und Casualgames

Der Ausstieg aus dem verheißungsvollen Geschäft mit grafisch aufwändigen PC-Client-Titeln hatte sich bereits im April 2016 angekündigt, als das eigens gegründete 4th Floor Studio aufgelöst wurde. 70 Mitarbeiter hatten zuvor fast ein Jahr lang – und letztlich ohne vorzeigbares Ergebnis – an einem PC-Action-Rollenspiel auf Unreal-Engine-4-Basis gearbeitet. Die Technologie befeuert unter anderem beeindruckende Titel wie Batman: Return to Arkham, EVE Valkyrie oder Tekken 7. Goodgame Studios wäre damit in Konkurrenz getreten zu TERA, Path of Exile, Skyforge oder Echo of Soul – und hatte damit sicher auch den asiatischen Raum im Blick.

Die Angestellten wurden direkt zwei anderen PC-Client-Projekten zugeordnet, doch auch diese Spiele konnten letztlich bereits intern nicht überzeugen. Die Folge: Das Goodgame-Management wollte schlechtem Geld kein gutes Geld hinterher werfen und stoppte die Entwicklung. Und das, obwohl im April noch die Rede davon war, die Ressourcen in diesem Segment aufzustocken.

Laut Pressemitteilung wolle das Unternehmen auch „seine Expertise im Performance Marketing“ noch stärker ausspielen – zu dieser Kategorie zählt Goodgame auch TV-Spots. Unisono berichten alle Free2play-Anbieter von drastisch angeschwollenen User-Acquisition-Costs, also den Kosten für die Anwerbung neuer Spieler. Laut Goodgame-Gründer Wawrzinek investiert die Firma bei vereinzelten TV-Kampagnen zweistellige Eurobeträge pro frisch geworbenem Kunden.

4th Floor Studios war eines von sechs Goodgame-Teams und arbeitete an einem PC-Client-Action-Rollenspiel (Foto: Goodgame Studios).
4th Floor Studios war eines von sechs Goodgame-Teams und arbeitete an einem PC-Client-Action-Rollenspiel (Foto: Goodgame Studios).

Goodgame Studios: Vorbild Bigpoint

„Als wir mit Gaming angefangen haben, wollten wir erreichen, was Bigpoint erreicht hat. Wir haben mit Hochachtung auf Heiko Hubertz und die ganze Firma geschaut“, sagte Goodgame-Gründer Christian Wawrzinek vor kurzem dem Magazin Berlin Valley. Hubertz hatte bereits 2008 rund 70 % der Bigpoint-Anteile für 50 Millionen Euro an US-Investoren verkauft. Nur drei Jahre später wechselte dieses Paket für annähernd eine Viertelmilliarde Euro den Besitzer – in dieser Blütezeit wurde Bigpoint (Dark Orbit, Farmerama) also mit über 400 Millionen Euro bewertet.

Im Frühjahr 2016 musste der chinesische Konzern Youzu gerade mal 80 Millionen Euro für Bigpoint auf den Tisch legen. Und das für die gesamte Firma, mit allen Markenrechten, Spielen und Kundendaten.

Goodgame Studios hat eine ähnlich beispiellose Wachstumsstory hinter sich und ist – das wird oft vergessen – gerade einmal sieben Jahre alt. Mitte 2009 wurde das Unternehmen mit Unterstützung eines 500.000-Euro-Kredits der Hamburger Sparkasse gegründet. Bereits 2011 stieg Startup-König Oliver Samwer mit seiner Venture-Capital-Firma ein und sicherte sich 15 Prozent der Goodgame-Anteile für 3,3 Millionen Euro.

Goodgame Studios wurde zu diesem Zeitpunkt folglich mit 22 Millionen Euro bewertet. Heute ist die Firma – trotz der jüngsten Einschnitte – immer noch ein Vielfaches dessen wert. Samwer hat das Goodgame-Paket in sein börsennotiertes Unternehmen Rocket Internet eingebracht, das unter anderem an bekannten eCommere-Marken wie Zalando, Hellofresh oder Westwing beteiligt ist.

Dr. Christian Wawrzinek und Dr. Kai Wawrzinek sind die beiden Gründer und Mehrheitseigner von Goodgame Studios.
Dr. Christian Wawrzinek und Dr. Kai Wawrzinek sind die beiden Gründer und Mehrheitseigner von Goodgame Studios (Foto: Goodgame Studios).

Goodgame Studios muss dringend punkten

Das riesige Unternehmen hatte sich zuletzt eine neue Struktur verpasst. Die Teams wurden auf sechs Studios aufgeteilt, weitere Filialen im Ausland sollten folgen. Goodgame Studios sollte phasenweise auf 1.600 Mitarbeiter wachsen – und wäre damit fast vier Mal so groß gewesen wie der Zweitplatzierte.

Die jüngste Entwicklung ist für das prosperierende Unternehmen ein dramatischer Rückschlag – und der erneute Image-Schaden ist dabei noch das kleinste Problem.

Unterm Strich verbleiben zwei Kernprobleme:

  1. Auch wenn Goodgame Empire weiterhin Tag für Tag Hunderttausende Euro Umsatz einfährt: Bislang ist Goodgame Studios den Beweis schuldig geblieben, diesen Mega-Erfolg ansatzweise wiederholen zu können. Die Lage hat sich eher verschärft: Von den sieben für 2016 geplanten Titeln waren mindestens drei PC-Client-Titel, die nun nicht mehr erscheinen. Auch die Mobile-Puzzle-Spiele für eine Casual-Zielgruppe verschwinden in der Schublade.
  2. Goodgame-Gründer Wawrzinek analysierte bereits Anfang des Jahres in einem Interview, dass zuletzt pro Jahr jeweils nur ein Spiel erschienen sei – und das bei über 1.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen sei schlicht zu langsam und produziere zu wenig. Das Portfolio schrumpft bis Jahresende gewaltig zusammen.

Die wenigen verbliebenen Spiele, die Ende 2016, spätestens aber Anfang 2017 erscheinen sollen, sind nun zum Erfolg verdammt: Scheitern diese Spiele, scheitert Goodgame. Die Erlössituation mag zur Stunde bei weitem nicht existenzbedrohend sein, doch das Unternehmen muss dringend punkten, um das Heft in eigener Hand zu behalten.

Der Goodgame-Campus im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld verfügt über einen eigenen Pool (Foto: Goodgame Studios).
Der Goodgame-Campus im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld verfügt über einen eigenen Pool (Foto: Goodgame Studios).

Zukunft von Goodgame Studios: The Good, the Bad, the Ugly

Goodgame Studios steht zweifelsohne am Scheideweg. Drei Pointen dieser Geschichte erscheinen aus heutiger Sicht realistisch.

Möglichkeit 1: Turnaround. „Wir wollen die weltweit führende Spielefirma werden“ – so steht es nach wie vor auf der Goodgame-Website. Gelingt das Comeback mit neuer Strategie und neuen Spielen, wäre dies ein bislang ziemlich einmaliger Vorgang in der jüngeren Games-Geschichte – ein Kunststück, das One-Hit-Wonders wie Zynga oder Rovio versagt blieb. Im Erfolgsfalle stünde auch einem Börsengang nichts im Wege, der spätestens durch die jüngsten Meldungen in weite Ferne gerückt ist.

Möglichkeit 2: Exit. Die Wawrzinek-Brüder und Oliver Samwer machen Kasse und verkaufen das Unternehmen, wie einst ihr Vorbild Hubertz. Allerdings sind Markt und Unternehmen in einer deutlich ungünstigeren Situation, als es bei Bigpoint anno 2011 der Fall war. Denn de facto basiert der komplette Unternehmserfolg auf eineinhalb Multimillionen-Hits, die aber zusehends an Strahlkraft verlieren.

Nach Medienberichten haben die Eigentümer in den vergangenen Jahren regelmäßig Übernahmeangebote abgelehnt, weil die Gründer aus eigener Kraft in die Liga von Electronic Arts und Activision Blizzard aufsteigen wollten. Oder wie es Christian Wawrzinek formulierte: „Unser Ziel ist es nicht, den schnellen Dollar zu machen, sondern Produkte zu bauen, an denen die Leute viele Jahre Spaß haben“.

Möglichkeit 3: Worst Case. Der Plan geht schief, die neuen Projekte floppen oder erscheinen erst gar nicht, Goodgame Empire und Empire: Four Kingdoms verlieren weiter Spieler und Umsatz, das Unternehmen muss Stellen in erheblichem Umfang abbauen. Ein Szenario, das dem Hamburger Unternehmen allein mit Blick auf die betroffenen Mitarbeiter kaum jemand wünschen dürfte.

Egal wie der weitere Weg aussieht – Goodgame Studios braucht jetzt vor allem eines: schlichtweg ein good game.

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2 Kommentare

  1. Vielleicht gelingt einer neuer Durchstart wenn das Augenmerk wieder auf die Spieler, also den zahlenden Kunden, gerichtet wird. Empire hat in den 5 Jahren die ich mittlerweile spiele sich immer mehr vom Kunden entfernt. Innovation wurde klein geschrieben, Bug Züchtung dagegen gross. Wer sich das Spielerforum anschaut weiß was abgeht. Ich selbst bin mehrsprachig und spiele in Deutschland und England. Auch in England breitet sich Unzufriedenheit aus. Auf Fehler des Games, die teilweise den Spielern reales Geld kosten wird arrogant, wenn überhaupt, reagiert. Wenn hier kein Umdenken erfolgt sehe ich auch bei Empire keine Langzeit Motivation mehr.

  2. Meine Kinder haben sich gewünscht, online ein „Farmspiel“ zu spielen. OK. kann ja nicht schaden, dachte ich, sollen sie sich eins aussuchen. Ich schaue es mir dann an. Ich möchte schon wissen was die Kiddis da am Computer machen.

    Sie haben sich das Spiel Big Farm von Goodgames ausgesucht (https://www.goodgamestudios.com/de/spiele/goodgame-big-farm/).

    Hört sich gut an dachte ich. Aber als nicht ganz unerfahrener Internet-Nutzer habe ich mich natürlich im Forum des Spiels ein wenig umgeschaut. (https://community.goodgamestudios.com/bigfarm/de/ )

    Das sah auf den ersten Blick auch sehr aufgeräumt aus. Aber nur auf den ersten Blick! Bei weiterem Stöbern stieß ich auf Diskussionen über Fehler im Spiel, mangelnde Betreuung durch den Support (https://community.goodgamestudios.com/bigfarm/de/discussions).

    und zu guter Letzt noch auf eine Petition von Spielern an die Firma, doch endlich die Missstände abzustellen. (http://forum.computerbild.de/online-spielen/big-farm-goodgame-studios_174405.html).

    Wirkliche Antworten auf die ganzen Missstände habe ich nicht gefunden. Es wirkte alles etwas schwammig (https://community.goodgamestudios.com/bigfarm/de/discussion/143037/unsere-plaene-zur-verbesserung-der-kommunikation) und kam bei den Spielern wohl auch nicht so richtig an.

    Weitere Recherchen meinerseits ergaben, dass Goodgame Studios wohl den Schritt vom Startup-Unternehmen in die Wirklichkeit nicht geschafft hat. Denn bei anderen Spielen dieser Firma sieht es offensichtlich ähnlich aus. Die Spieler sind unzufrieden, eine Betreuung gibt es kaum und der Support ist wohl grottenschlecht oder unfähig.

    Was sich wie ein roter Faden durch alle Diskussionen zieht, ist der Versuch die Spieler finanziell „abzuzocken“ und das obwohl es sich um FREE-TO-PLAY MULTIPLAYER SIMULATIONEN handeln soll.

    Meine Kiddis mussten sich jedenfalls ein anderes Spiel aussuchen. Ich wollte das hier nur mal bringen, damit sich andere es vielleicht genauer anschauen, bevor sie ein Spiel von Goodgame Studios beginnen.

    LG Per Goderik

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