Start Wirtschaft Thunderful: Tiefrote Zahlen nach XXL-Abschreibungen (Update)

Thunderful: Tiefrote Zahlen nach XXL-Abschreibungen (Update)

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Thunderful-CEO Martin Walfisz (Foto: Thunderful Group)
Thunderful-CEO Martin Walfisz (Foto: Thunderful Group)

Eine halbe Milliarde schwedischer Kronen schreibt die Thunderful-Gruppe ab – der Aktienkurs geht erneut auf Talfahrt.

Update vom 23. Februar 2024: Das finale Zahlenwerk untermauert die ‚Vorwarnung‘ des Thunderful-Managements: In den neun Monaten zwischen März und Dezember 2023 ist ein Verlust von umgerechnet 59 Mio. € angefallen. Die Verkaufszahlen der Neuheit SteamWorld Build seien leicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben – das Projekt SteamWorld Headhunter werde eingestellt.

Mit Blick auf die Restrukturierungs-Maßnahmen spricht CEO Martin Walfisz von vielversprechenden Fortschritten. Nachdem es vor seiner Amtszeit zu ‚Über-Investitionen‘ gekommen sei, sollen die Kosten nun schnell sinken – das Unternehmen will sich von Personal und Beteiligungen trennen. Das Unternehmen hält auch weiterhin an dem Plan fest, den deutschen Publisher Headup abzugeben. Dessen Fokus auf vergleichsweise kleine Indie-Games sei nicht länger mit dem Thunderful-Ansatz kompatibel; zudem seien nicht zwei separate Publishing-Einheiten vonnöten.

Zum Stichtag 31. Dezember beschäftigt Thunderful 519 Angestellte; zehn interne Studios arbeiten an 14 neuen Projekten – hinzu kommen 14 externe Produkte, die von den Schweden vermarktet werden. Für 2025 verspricht sich Walfisz frische Impulse, nicht zuletzt durch den kolportierten Nachfolger der Nintendo Switch.


Thunderful: Tiefrote Zahlen nach XXL-Abschreibungen

Meldung vom 14. Februar 2024: Eine Woche vor der regulären Bekanntgabe der Quartalszahlen hat die börsennotierte Thunderful Group AB (Steamworld Build, Lego Bricktales) vorläufige Ergebnisse veröffentlicht – und stimmt damit Aktionäre und Belegschaft auf anhaltend ungemütliche Zeiten ein.

Denn infolge einer Neubewertung von Studios, Marken und Games-Projekten muss CEO Martin Walfisz erhebliche Wertberichtigungen im Wert von 500 Millionen SEK (umgerechnet 44 Millionen €) vornehmen – was im zurückliegenden Quartal zu einem EBIT von minus 60 Millionen € führt. Auf den Cash-Flow habe der Vorgang keinen Einfluss, heißt es aus Göteborg.

Der Grund für die massiven Abschreibungen: Zukäufe und Investments hätten sich als nicht nachhaltig oder profitabel erwiesen. Bereits vor einem Monat hatte der PC- und Konsolenspiele-Publisher ein umfassendes Kostensenkungsprogramm angekündigt, das den Abbau von 100 Stellen vorsieht – jeder fünfte Job entfällt.

Außerdem stellen die Schweden weitere Geschäftsbereiche auf den Prüfstand. Zur Disposition steht unter anderem der defizitäre Merchandise-Vermarkter Nordic Game Supply, der mit Rabatten gegen hohe Lagerbestände ankämpft.

Die Unwucht bei Thunderful wird auch im deutschsprachigen Raum mit Aufmerksamkeit beobachtet: Bereits seit Dezember sucht Thunderful nach einem Käufer oder anderweitigen Optionen für den Dürener Indie-Publisher Headup, zu dem auch die Studio Fizbin GmbH mit Standorten in Berlin und Ludwigsburg gehört. Thunderful ist außerdem offizieller Publisher von Megagon Industries (Lonely Mountains Downhill), Maschinen-Mensch (Curious Expedition) und Clockstone (LEGO Bricktales).

Der ohnehin stark unter Druck geratene Thunderful-Aktienkurs ist am heutigen Mittwoch abermals eingebrochen und verliert weitere 20 Prozent. Die Börse bewertet den skandinavischen Spielehersteller derzeit mit nur noch 28 Mio. €.