Start Wirtschaft PlayStation 5-Ärger: Verbraucherzentrale Sachsen verklagt Saturn (Update)

PlayStation 5-Ärger: Verbraucherzentrale Sachsen verklagt Saturn (Update)

PlayStation-5-Ärger: Die Verbraucherzentrale Sachsen mahnt Saturn ab (Abbildungen: Sony Interactive, Verbraucherzentrale Bundeszentrale, MediaMarktSaturn)
PlayStation-5-Ärger: Die Verbraucherzentrale Sachsen mahnt Saturn ab (Abbildungen: Sony Interactive, Verbraucherzentrale Bundeszentrale, MediaMarktSaturn)

Ein Präzedenzfall mit Signal-Wirkung: Die Verbraucherzentrale Sachsen hält den Umgang mit PS5-Vorbestellern durch Saturn für unzulässig.

Update vom 26. März 2021: Die Verbraucherzentrale Sachsen hat Klage beim Landgericht München gegen die Ingolstädter MMS E-Commerce GmbH eingereicht, wie uns auf Anfrage bestätigt wurde. Die Betreibergesellschaft von saturn.de und mediamarkt.de sei der Aufforderung zur Unterlassungserklärung nicht nachgekommen.

Mit einer Entscheidung sei erfahrungsgemäß erst in zehn bis zwölf Monaten zu rechnen – im Anschluss können beide Parteien noch in Berufung beim Oberlandesgericht gehen, was den Vorgang ein weiteres Mal verlängern würde.

Konkret beanstandet die Verbraucherzentrale Sachsen unwirksame Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB), „irreführende geschäftliche Handlungen“ sowie „verbraucherschutzwidrige Praktiken“ im Zusammenhang mit der PlayStation 5, die im September und Oktober 2020 von Saturn zur Vorbestellung angeboten wurde.

Die Auslieferung der Konsole sollte ab dem 19. November 2020 erfolgen. Genau das war aber wegen Lieferproblemen in vielen tausend Fällen nicht möglich – ein neues Zeitfenster wurde nicht genannt. Anstatt die überzähligen Bestellungen zu stornieren, wurde vielfach der volle Rechnungsbetrag von 399 beziehungsweise 499 Euro abgebucht, ohne dass klar war, wie lange das Geld einbehalten wird.

Laut den Saturn-AGB ist allein mit der Bestellung noch kein gültiger Kaufvertrag zustande gekommen: Erst durch den Versand der Ware oder eine Versandbestätigung werde ein Vertrag geschlossen. Aus Sicht der Verbraucherschützer kommt der Kauf allerdings spätestens durch die Zahlungsaufforderung zustande.

Nun müssen die Gerichte entscheiden. Auf Schadenersatz und Ersatzlieferungen können betroffene PlayStation-5-Vorbesteller nicht hoffen. Allerdings hat das Urteil grundsätzliche Bedeutung für künftige Geschäftsbedingungen sowie damit einhergehende Verbraucherrechte. Eine Vielzahl von Online-Shops und Versender setzt gleichlautende Standard-AGBs ein.

Auch vier Monate nach Markteinführung übersteigt die Nachfrage nach der PlayStation 5 weiterhin das Angebot – und zwar bei weitem. Die spärlich eintreffenden Konsolen-Kontingente sind üblicherweise binnen weniger Minuten ausverkauft.

Eine Reaktion von MediaMarktSaturn liegt zur Stunde noch nicht vor.

Update vom 18. Januar 2021: Auf GamesWirtschafts-Anfrage hat eine Saturn-Sprecherin bestätigt, dass die Unterlassungserklärung der Verbraucherzentrale Sachsen vorliegt: „Wir prüfen und bewerten diese derzeit intern und entscheiden dann über mögliche weitere Schritte.“

Meldung vom 16. Januar 2021: Die Verbraucherzentrale Sachsen mit Sitz in Leipzig hat die Betreiber-Gesellschaft von saturn.de wegen unwirksamer Allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB), irreführender geschäftlicher Handlungen und verbraucherschutzwidriger Praktiken abgemahnt. Das Unternehmen wurde zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert – kommt MediaMarktSaturn dieser Aufforderung nicht nach, dürfte der Vorgang vor Gericht landen.

Hintergrund sind die Vorgänge um den PlayStation 5-Vorverkauf. Die Sony-Neuheit wurde im September 2020 in zwei Wellen zur Vorbestellung angeboten, unter anderem auf saturn.de. Vielfach wurde zu diesem Zeitpunkt bereits die Vorauszahlung des vollen Rechnungsbetrags von 399,99 Euro (Digital Edition) beziehungsweise 499,99 Euro (Disc Edition) fällig.

Wenige Wochen vor der PS5-Markteinführung am 19. November 2020 haben Saturn und Konzernschwester MediaMarkt alle Vorbesteller per Mail vorgewarnt, dass sich die Auslieferung verzögern könnte. Weitere Informationen erfolgten nicht, über Wochen hinweg. In sozialen Medien fragten sich Tausende Kunden: #WoBleibtMeinePS5.

Erst kurz vor Weihnachten musste das Unternehmen – immerhin Deutschlands zweitgrößter Konsolen-Verkäufer – einräumen, dass die Konsole in vielen tausend Fällen erst im neuen Jahr zugestellt wird. Zusammen mit einer Entschuldigung wurde PlayStation-Plus-Guthaben im Wert von 25 Euro angeboten. Alternativ hätten die Kunden die Möglichkeit, den Auftrag zu stornieren.

Der Zorn der Vorbesteller richtet sich einerseits gegen die Saturn-Informationspolitik, aber auch gegen die Praktik, bereits bei Bestellung den vollen Rechnungsbetrag eingezogen zu haben. Saturn verweist auf die AGB, wonach mit der Zahlung noch gar kein Kaufvertrag zustande gekommen sei. „Erst durch den Versand der Ware oder eine Versandbestätigung will saturn.de hier einen Vertrag geschlossen sehen“, klagt Rechtsexperte Sten Wagner.

Bei Nichtlieferung würden Vorauszahlungen natürlich zurückbezahlt. Aber: „Wie lange das Unternehmen das Geld der Kund*innen einbehält, bleibt dabei völlig im Dunkeln, was insbesondere interessant ist, weil die PS5 auch Mitte Januar noch als nicht lieferbar bei saturn.de gelistet wird“, so die Verbraucherzentrale Sachsen. Dieser Umgang mit Kunden sei nicht nur „unfreundlich“, sondern aus Sicht der Verbraucherzentrale auch intransparent und daher unwirksam.

Vielmehr dürfe der Verbraucher davon ausgehen, dass ein Vertrag geschlossen wurde, wenn ein Versender – hier: saturn.de – eine Zahlungsaufforderung versendet und den Versand der Ware bei Zahlungseingang ankündigt. Warum sonst sollte der Kunde auch nur einen Cent überweisen, wenn er davon ausgehen muss, dass gar kein Kauf zustande gekommen ist?

Unabhängig davon, ob Saturn.de die Unterlassungserklärung abgibt oder ob die Verbraucherzentrale den Klageweg beschreitet: Der Vorgang dürfte Signalwirkung für den Online-Handel haben, denn auch die meisten Saturn-Mitbewerber setzen vergleichbare Klauseln ein. Abseits der Abmahnung bietet die Verbraucherzentrale Sachsen den betroffenen Kunden an, sich telefonisch oder per E-Mail beraten lassen (Achtung, es fallen Kosten an). Auf der Website sind auch Musterbriefe kostenlos abrufbar.

Die PlayStation 5 ist seit Wochen in ganz Europa ausverkauft. Nachschub ist allerdings in Sicht: Nach GamesWirtschaft-Informationen können MediaMarkt-/Saturn-Kunden bis Ende Januar mit der Auslieferung der PlayStation 5 rechnen – dann würde eine viermonatige Odyssee enden. Wir raten weiterhin dazu, bestehende Vorbestellungen nicht zu stornieren – unabhängig vom Händler. Denn die Chancen, abseits von Ebay verlässlich an die Sony-Konsole heranzukommen, bleiben auch in den kommenden Wochen gering. Weitere Informationen rund um das Thema „PlayStation 5 kaufen und bestellen“ finden Sie in diesem Beitrag.

GamesWirtschaft hat MediaMarktSaturn um eine Stellungnahme gebeten.

79 Kommentare

  1. Verklagt Saturn und die Scaplern in ebay Kleinanzeige machen was sie wollen.

    Wie lächerlich
    😅😅😅

  2. Es scheint tatsächlich los zu gehen. Ich habe heute um 15 Uhr meine Versandbestätigung der PS5 mit Laufwerk bekommen. Bestellnummer 9182xxxx
    An dieser Stelle vielen vielen lieben Dank an Games Wirtschaft für die tollen Updates.
    Jetzt muss sie nur noch in einem Stück bei mir ankommen und funktionieren:D

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