Tag der Abrechnung: Nach neun Jahren überweist Publisher Daedalic die Prototypenförderung in Höhe von 100.000 für das Adventure „A New Beginning“ an die Stadt Hamburg zurück.

A New Beginning räumte 2011 den Deutschen Computerspielpreis als "Bestes Spiel" ab (von links nach rechts: Laudator Götz Otto, Claas Paletta, Carsten Fichtelmann, Jan "Poki" Müller-Michaelis). Foto: DCP
A New Beginning räumte 2011 den Deutschen Computerspielpreis als „Bestes Spiel“ ab (von links nach rechts: Laudator Götz Otto, Claas Paletta, Carsten Fichtelmann, Jan „Poki“ Müller-Michaelis). Foto: DCP

Im föderalen Wettbewerb um die Ansiedlung von Games-Unternehmen hat sich die Hansestadt Hamburg vor zehn Jahren die Prototypenförderung einfallen lassen. Das Programm wurde 2010 bis 2012 verlängert – fast eine Million Euro standen für Games- und Animationsprojekte bereit. Unter anderem wurden zinslose Darlehen von maximal 100.000 Euro vergeben, auch für das Daedalic-Adventure A New Beginning. Jetzt hat Daedalic den Kredit komplett zurückbezahlt – nach wie vor eine Seltenheit in der deutschen Förderlandschaft. Das Spiel thematisiert das Thema Klimawandel und hat unter anderem den Hauptgewinn beim Deutschen Computerspielpreis 2011 abgeräumt.

Deutscher Computerspielpreis: Daedalic führt mit weitem Abstand das Ranking der DCP-Seriensieger an.
Deutscher Computerspielpreis: Daedalic führt mit weitem Abstand das Ranking der DCP-Seriensieger an.

Prototypenförderung Hamburg: Anschubhilfe für Start-Ups

Auch wenn sich Hamburg nicht ganz zu Unrecht als „Spielehauptstadt Deutschlands“ rühmt, so gibt es abgesehen von Zuschüssen der dortigen Investitions- und Förderbank kein explizites Förderprogramm für junge Games-Unternehmen mehr. Nach dem Wechsel auf dem Sessel des Hamburger Ersten Bürgermeisters wurden so gut wie alle Maßnahmen der Vorgänger-Regierung aus CDU und Grün-Alternativer Liste (GAL) einkassiert. Einerseits aus purer Not zur Haushaltskonsolidierung. Andererseits gilt SPD-OB Olaf Scholz, der neue erste Mann im Stadtstaat, nicht zwingend als glühender Fan der Branche. Für Goodgame Studios, Innogames, Bigpoint oder Gamigo hat dies keine Auswirkung, denn Unternehmen dieser Größenordnung bekommen die Finanzierung neuer Projekte zur Not durch Eigenmittel gestemmt. Doch für vielversprechende Startups ist Hamburg nicht mehr allererste Wahl: Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und insbesondere Berlin-Brandenburg locken mit finanzieller Starthilfe. Erst vor wenigen Tagen hat die Film- und Medienstiftung NRW sechs Förderdarlehen gewährt – Gesamtvolumen: rund 186.000 Euro.

Prototypenförderung Hamburg: (K)ein Modell für die Zukunft?

Auch wenn die Hamburger Prototypenförderung häufig als Blaupause für lokale Förderung angeführt wird, so hatte sie auch ihre Schattenseiten. Denn am Ende handelt es sich nun mal um ein Darlehen – das im Erfolgsfall zurückgezahlt werden muss. Scheitert das Projekt, bleibt das Entwicklerteam auf fünf- bis sechsstelligen Schulden sitzen.

Für Daedalic hat sich das Programm natürlich ausgezahlt, in jeder Hinsicht: Das Unternehmen betreibt mittlerweile zwei Filialen in Hamburg und Düsseldorf und beschäftigt 160 Mitarbeiter. Daedalic-Gründer Carsten Fichtelmann findet nachvollziehbarerweise lobende Worte für das Programm: „Mit der Prototypenförderung hat die Stadt Hamburg ein beispielloses Engagement für die Hamburger Games-Branche bewiesen und war damit nationaler Vorreiter für derartige Förderprogramme.“ Auch wenn sich Daedalic heute anderer Finanzierungsvehikel bedient, so ist Fichtelmann ein Fan der Prototypenförderung und plädiert für eine Neuauflage: „Ich würde mir wünschen, dass sich die Stadt Hamburg, die in der Vergangenheit die Speerspitze der deutschen Förderlandschaft war, dieser Verantwortung erinnerte und auch heute Unternehmen in der Stadt direkt bei der Spielentwicklung förderte.“

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