Die alte und die neue Nummer 1 im kriselnden Printgeschäft: Computer Bild Spiele und GameStar.
Die alte und die neue Nummer 1 im kriselnden Printgeschäft: Computer Bild Spiele und GameStar.

Es ist ein neuer Sheriff in der Stadt: Der bisherige Print-Marktführer Computer Bild Spiele verliert knapp 50 % der IVW-Auflage. Weil GameStar „nur“ knapp ein Drittel einbüßt, zieht das Magazin am Springer-Heft vorbei.

Kaum ein Zeitschriften-Segment wurde in den vergangenen zehn Jahren so sehr von Auflagen-Einbußen gebeutelt wie das der Computer- und Computerspiele-Zeitschriften. Die Technik-affine Leserschaft organisiert sich News, Kaufberatung und Tipps im Netz und sieht zunehmend weniger Notwendigkeit, fünf Euro aufwärts in ein gedrucktes und zwangsläufig veraltetes Heft zu investieren. In der Spitze haben viele Magazine 90 bis 95 Prozent ihrer einstigen Kioskverkäufe und Abonnenten im Vergleich zu den Boomzeiten um die Jahrtausendwende verloren.

Die Folgen dieser Entwicklung sind quartalsweise in den veröffentlichten Daten der „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.“ (IVW) zu besichtigen, die bei großen Publikumszeitschriften noch eine wesentliche Rolle im Anzeigenverkauf spielen. Im IT- und Games-Segment verzichten einige Verlage auf die kostenpflichtige IVW-Meldung, denn Print-Anzeigen werden hier ohnehin nur noch in Ausnahmefällen gebucht.

IVW II/2016: Computer Bild Spiele verliert Marktführerschaft

Die aktuellen IVW-Zahlen II/2016 der verbliebenen IVW-gemeldeten Games-Zeitschriften haben daher allenfalls symbolischen Wert. Dennoch gibt es diesmal eine erwähnenswerte Besonderheit. Denn die sehr spezielle IVW-Arithmetik aus nicht-verkäuflichen Heften („Remittenden“) und der ausgelieferten Menge an Heften sorgt dafür, dass sich das außerplanmäßige Anwerfen der Druckmaschinen in den Folgequartalen bitter rächt. So geschehen beim langjährigen Marktführer Computer Bild Spiele, der seit bald 17 Jahren mit „Europas größtes Spielemagazin“ wirbt. Anfang März sorgte das Springer-Heft für Aufsehen, weil das brandneue Daedalic-Adventure Deponia Doomsday auf der Heft-DVD einer eigens geschaffenen Platin-Edition für 9,99 Euro mitgeliefert wurde – noch vor dem offiziellen Verkaufsstart. Auf Steam und im Handel wurden dafür immerhin 30 Euro fällig.

Die erhöhte Nachfrage nach dem Schnäppchen-Heft führte im ersten Quartal zu einem deutlichen Plus von 15 Prozent bei der IVW-Auflage der Computer Bild Spiele. Weil dem Experiment keine Fortsetzung folgte, schlug die erhöhte Druckauflage im zweiten Quartal voll ins Kontor. Computer Bild Spiele verliert gegenüber dem Vorjahr über 47 Prozent, also fast die Hälfte der IVW-Auflage. Das Gameszeitschriften-Blog Magaziniac (Motto: „… für immer Print“) hat ausgerechnet, dass das Minus gegenüber dem ersten Quartal 2016 bei fast 55 Prozent liegt.

Abo und Einzelhandel kombiniert liegt das Springer-Heft bei nunmehr knapp 37.000 Exemplaren. Zum Vergleich: 2002 lag dieser Wert bei 736.000 Heften.

IVW II/2016: GameStar zieht an Computer Bild Spiele vorbei

Der Konkurrent GameStar aus dem Münchner Webedia-Verlag verliert in der harten Auflage (Abo und Einzelverkauf) zwar ebenfalls schmerzhafte 29 Prozent gegenüber dem Frühjahr 2015. Doch mit einer verbreiteten Auflage von 48.684 Heften zieht GameStar zumindest für ein Quartal an Computer Bild Spiele vorbei und ist damit vorerst „Europas größtes Spielemagazin“.

Die tiefroten Auflagenzahlen betreffen nahezu das komplette Segment. Egal ob Computer Bild, c’t oder Chip: Alle bekannten Computer- und Games-Magazine sind weit entfernt von den Rekordzahlen der Vergangenheit. Wer sich für die aktuellen Verkaufszahlen von TV-Programmzeitschriften, Nachrichtenmagazinen und Tageszeitungen interessiert, bekommt beim Medienmagazin DWDL den kompletten Überblick.

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