Start Wirtschaft Google Stadia Test-Überblick: Spiele, Preise, Vorteile, Nachteile

Google Stadia Test-Überblick: Spiele, Preise, Vorteile, Nachteile

Der Lieferumfang der 129 Euro teuren Stadia Premiere Edition: Controller, Chromecast Ultra, Kabel. Nicht enthalten: Smartphone, Schlüsselanhänger, Topfpflanze (Foto: Google Inc.)
Der Lieferumfang der 129 Euro teuren Stadia Premiere Edition: Controller, Chromecast Ultra, Kabel. Nicht enthalten: Smartphone, Schlüsselanhänger, Topfpflanze (Foto: Google Inc.)

Am 19. November 2019 um 18 Uhr fällt der Startschuss für den Streaming-Dienst Google Stadia. Die ersten Praxis-Tests zeigen: Stadia hat Vorteile und Nachteile – ein Überblick.

  • „Es funktioniert, aber das ist egal“ (Venturebeat)
  • „Google gerät in Panik“ (Kotaku)
  • „Bislang ist der Dienst noch kein Switch-, Playstation- oder Xbox-Killer“ (SPIEGEL Online)
  • „Google muss noch eine Menge nachbessern“ (Bild.de)

[no_toc]Die Schlagzeilen und Test-Ergebnisse rund um den heutigen Start von Stadia hätten aus Google-Sicht sicher euphorischer ausfallen können – wenngleich unter Experten zumindest darin Einigkeit besteht, dass mit dem neuen Angebot ein „gelungenes Fundament für die Zukunft“ gelegt wird, wie es zum Beispiel GamePro formuliert.

Denn Google Stadia ist ein Streaming-Dienst, der Spielkonsolen und hochgezüchtete Gaming-PCs perspektivisch überflüssig machen soll. Die Spieldaten werden direkt auf den Google-Servern berechnet – der Kunde bekommt nur noch das „fertige“ Bild geliefert. Und zwar egal, auf welchem Gerät: fünf Jahre alter Spiele-PC, Fernseher, Tablet, Smartphone.

Von einer flächendeckenden Markteinführung kann noch nicht die Rede sein – eher von einem großflächigen Beta-Test: Denn der kostenlose Basis-Zugang Stadia Base mit abgespeckter Leistung (Full-HD, Stereo-Sound) wird erst im Frühjahr 2020 offiziell gestartet.

Wer Stadia ausprobieren will, braucht bis dahin zwingend eines der Starterpakete („Premiere Edition“) für 129 Euro – inklusive Gamepad, Internet-Stick (Chromecast Ultra) und drei Monaten Stadia Pro. Dahinter verbirgt sich die aufpreispflichtige Premium-Version mit höherem Durchsatz und zeitgemäßer Bild- und Ton-Qualität (4K, HDR, 5.1-Surround-Sound). Kostenpunkt: 9,99 Euro pro Monat.

Wer Games in marktüblicher Konsolen-Qualität streamen will, zahlt bei Google also pro Jahr grundsätzlich rund 120 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den High-Speed-Internetzugang sowie die eigentlichen Spiele. Denn im Unterschied zu Netflix, Spotify oder Xbox Game Pass müssen die Inhalte, etwa „Red Dead Redemption 2“, weiterhin separat gekauft werden – Stadia ist also keine klassische Flatrate, sondern vielmehr ein Online-Shop.

Die Vorteile und Stärken von Google Stadia

  • Tests von nationalen und internationalen Fachmagazinen belegen: Die Technik von Google Stadia funktioniert – überwiegend besser als erwartet / erhofft / befürchtet. Kristallklares Bild, sanfte Animationen, in vielen Fällen kaum ein wahrnehmbarer Unterschied zur Konsolen-Version. Zwingende Voraussetzung: eine stabile Internet-Verbindung.
  • Die sonst üblichen, oft stundenlangen Download-, Installations- und Update-Vorgänge entfallen. Komplett. Wer Google Stadia startet, kann sofort loslegen, binnen weniger Sekunden. Die Software wird automatisch seitens Google auf dem neuesten Stand gehalten – ein gewaltiger Vorteil. Die Vorstellung fällt schwer, dass einmal daran gewöhnte Videospiele-Nutzer diesen Komfort jemals wieder missen wollen.
  • Der offizielle Stadia-Controller bekommt gute Noten: zwar keine Revolution, aber überwiegend ordentlich verarbeitet und mit ergonomischer Form für ermüdungsfreies Spielen. Der Akku des kabellosen Modells hält mehrere Stunden durch.
  • Der Wechsel zwischen verschiedenen Stadia-Plattformen – PC, Smartphone, Fernseher – ist wie versprochen naht- und reibungslos möglich. Ein laufendes Spiel kann also bei Bedarf auf einem anderen Ausgabegerät just an der derzeitigen Stelle anderweitig fortgesetzt werden.
  • Google Stadia ist tatsächlich ein Vorgeschmack auf das Gaming der Zukunft, in dem zum Beispiel Ladezeiten und Ladebildschirme oder gar physische Datenträger ein Relikt der Vergangenheit sind. Im (für Google und dessen Kundschaft) besten Fall entfallen Anschaffung und Nachrüstung von Spielkonsolen und Spiele-PCs.

Die Nachteile und Schwächen von Google Stadia

  • Mehr noch als bei klassischen Multiplayer- und Online-Spielen hängt die gemessene und gefühlte Spielqualität entscheidend von der Internet-Verbindung ab, die bei mindestens 10 Mbit, besser aber 35 Mbit liegen sollte. Denn anders als bei „Fortnite“ oder „Call of Duty“ werden ja nicht nur wenige Bytes an Spielinformationen (Position der Spielfiguren, deren Ausrüstung, Treffer usw.) übertragen, sondern stets das komplette Bild. Google Stadia kann also auf dem flachen Land ganz andere Ergebnisse liefern als an einer Standleitung in Berlin-Mitte. Dies gilt insbesondere für schnelle Spiele wie Ego-Shooter oder Beat’em Ups – bei eher gemächlichen Rollenspielen oder Strategiespielen spielt das eine geringere Rolle. Bislang gestattet Stadia dem Nutzer nur Qualitätseinstellungen in groben Abstufungen – allerdings nicht in der Tiefe, wie man es von Spiele-PCs kennt. Dort lassen sich Auflösung und Details präzise regulieren. Ob Ihr privates WLAN grundsätzlich für Stadia taugt, können Sie mit dem offiziellen Stadia Performance-Test herausfinden.
  • „Assassin’s Creed“, „Tomb Raider“, „Destiny 2“: Bei den meisten Stadia-Spielen handelt es sich um spektakuläre, komplexe PC- und Konsolen-Blockbuster-Produktionen, die dafür gebaut sind, an möglichst großen Monitoren konsumiert zu werden. Der Haken: Die Spielinhalte werden nicht an kleinere Bildschirmgrößen angepasst. Text-Dialoge, wie sie etwa in „Red Dead Redemption 2“ laufend vorkommen, sind auf Smartphones und Tablets schwer bis gar nicht zu erkennen.
  • Wer Stadia-Spiele am Smartphone spielen will, braucht eine separat erhältliche Halterung für Handy plus Controller samt vieler Kabel – was den Einsatz im Café oder im ICE zu einer komplexen Angelegenheit macht, ganz abgesehen von der oft schwankenden Internet-Qualität an solchen öffentlichen Plätzen.
  • Online-Matches gegen andere Nutzer sind nur innerhalb des Stadia-Universums möglich – und mit wenigen Spielen, die Cross-Platform-Funktionalität unterstützen. Im Fachjargon nennt man das einen „walled garden“, also ein abgezäuntes Terrain.
  • Mit Ausnahme von „Destiny 2“ sind im monatlichen Stadia-Pro-Abopreis keine Spiele enthalten – Games müssen also weiterhin zu einem Festpreis gekauft werden werden. Damit unterscheidet sich Stadia fundamental von PlayStation Plus und Xbox Live Games With Gold: In diesen Multiplayer-Paketen sind monatlich wechselnde Games inklusive. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird (und muss) Google an dieser Stelle nachbessern.
  • Stadia ist nicht für den Einsatz in Mobilfunk-Netzen konzipiert. Grund sind einerseits die geringen Übertragungsraten, andererseits die enormen Datenmengen, die beim Streaming übermittelt werden – hier kommt nahezu jedes auf dem Markt verfügbare Inklusiv-Datenpaket maximal nach ein bis zwei Stunden an seine Grenzen.
  • Die Stadia-Bibliothek umfasst bislang nur 22 Titel, darunter allerdings viele Blockbuster und Bestseller. Last-minute wurde das ursprünglich geplante Sortiment fast verdoppelt – sicher auch eine Reaktion auf die jüngsten Ankündigungen von Mitbewerber Microsoft.
  • Die Verkaufspreise der Stadia-Titel sind – vorsichtig formuliert – sportlich. So zahlen Stadia-Kunden für „Red Dead Redemption 2“, „Rage 2“ oder „Shadow of the Tomb Raider“ mit 60 Euro das Doppelte dessen, was die Xbox-One- oder PlayStation-4-Fassungen derzeit im Einzelhandel kosten. Auch Budget-Titel wie Ubisofts „Trial Rising“ liegen deutlich über Marktpreisen.
  • Wer Spiele wie „Shadow of the Tomb Raider“ bereits für PC oder Konsole gekauft hat, müsste das Produkt erneut erwerben, um es auf Stadia spielen zu können.
  • Der Einsatz bereits vorhandener Controller von Drittanbietern (PS 4 Dualshock, Xbox One Elite, Nintendo Switch Pro) ist derzeit nur eingeschränkt möglich. Wer Stadia mit seinem Fernseher nutzen möchte, braucht zwingend einen Stadia-Controller.
  • Mit Ausnahme von „Gylt“ bietet Stadia bislang keine Exklusiv-Titel an. Zwar haben namhafte Publisher und Studios angekündigt, ihre Spiele auch via Stadia zugänglich zu machen – im April 2020 folgt beispielsweise „Cyberpunk 2077“. Exklusiv-Titel, die sowohl für Pay-/Abo-Dienste als auch für den Absatz von Konsolen-Hardware entscheidend sind, werden allerdings noch auf sich warten lassen. Zumal das Google-eigene Studio unter Leitung von Jade Raymond gerade erst mit der Arbeit begonnen hat.

Google Stadia – das vorläufige Fazit zur Markteinführung

Die hinter der Google-Technologie steckende Ingenieurs-Leistung hat die meisten Tester vom Start weg begeistert. Was fehlt, sind Inhalte – allen voran exklusive Inhalte.

Inwieweit sich Google Stadia mittelfristig durchzusetzen vermag, hängt aber von vielen weiteren Faktoren ab. Von entscheidender Bedeutung ist insbesondere die künftige Strategie von Microsoft und Sony, die vor einigen Monaten eine Streaming- und Cloud-Allianz verkündet haben. Sollten Dienste wie PlayStation Now + PlayStation Plus respektive Xbox Live + Xbox Game Pass mittelfristig fusionieren, käme Google unter Zugzwang – und müsste seinerseits netflix-ähnliche Komplettpakete aus Streaming-Infrastruktur und All-Inclusive-Bibliotheken schnüren.

Wer bereits eine PlayStation 4, Xbox One, Switch oder einen Spiele-PC besitzt, für den gibt es Stand heute bemerkenswert wenige Stadia-Pro-Argumente – abseits von „Weil es geht“. Zumal im Vorweihnachtsgeschäft mit drastischen Konsolen-Preissenkungen zu rechnen ist, die den Tarif-Unterschied zwischen einem Stadia-Starterpaket und einer Xbox One S All-Digital Edition (inklusive Spielepaket, Game Pass, Xbox Live-Testzugang) auf 30 bis 40 Euro zusammendampfen lässt.

Dieser Beitrag wird laufend aktualisiert.

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