Start Wirtschaft Atari Germany: Was Europa-Chef Andreas Deptolla vor hat

Atari Germany: Was Europa-Chef Andreas Deptolla vor hat

0
President Atari Europe Andreas Deptolla baut von Münster aus die Atari Germany GmbH auf.
President Atari Europe Andreas Deptolla baut von Münster aus die Atari Germany GmbH auf.

Die Marke ist Kult – und Namensgeber für die Atari Germany GmbH: Europa-Chef Andreas Deptolla will von Münster aus weiter expandieren.

Münster ist nicht zwangsläufig der Nabel der Computerspiele-Welt – „noch nicht“, wie Andreas Deptolla im GamesWirtschaft-Gespräch augenzwinkernd betont.

Denn mit der im Januar 2026 gegründeten Atari Germany GmbH hat Deptolla Großes vor – mit seinem Team und mit der Marke Atari, für die er seit 2023 arbeitet. Als President Atari Europe berichtet er direkt an Atari-CEO Wade Rosen. Zu seinen Aufgaben gehört neben dem Auf- und Ausbau der deutschen Niederlassung auch die Verantwortung für das Europa-Geschäft, inklusive der Studios und Publisher im Vereinigten Königreich und in Schweden.

Atari zählt zu den bekanntesten Traditions-Marken der Videospiele-Historie – inklusive wechselnder Eigentümer, Strategien und Geschäftsmodelle, unterbrochen von zwischenzeitlichen Umfirmierungen und Pleiten. Mittlerweile fokussiert sich das neu formierte Unternehmen mit Sitz in Paris (ab Juli: Luxemburg) auf Retro-Konsolen, ein üppiges Merchandise-Sortiment sowie die Vermarktung des riesigen Katalogs mit mehr als 400 eigenen und lizenzierten Spielemarken, darunter Klassiker wie Asteroids, Pong, Missile Command und Rollercoaster Tycoon.

Seit Juli 2025 gehört auch der in Schieflage geratene Indie-Publisher Thunderful zum Portfolio: Die Schweden hatten einst eine ganze Reihe von Studios aus dem deutschsprachigen Raum unter Vertrag – etwa Headup, Megagon Industries (Lonely Mountains: Downhill) und Maschinen-Mensch (Curious Expedition).

Wird pünktlich zur Bescherung am 23. Dezember 2025 ausgeliefert: Retro-Konsole Intellivision Sprint (Abbildung: Atari / Plaion)
Wird pünktlich zur Bescherung am 23. Dezember 2025 ausgeliefert: Retro-Konsole Intellivision Sprint (Abbildung: Atari / Plaion)

Atari Germany: Was Europa-Chef Andreas Deptolla vor hat

Die bisherige Karriere von Andreas Deptolla hat den Weg in die Games-Industrie nicht zwingend vorgezeichnet, obwohl er weite Teile seiner Jugend am Commodore Amiga 500 verbracht hat. Nach Studium, Management-Stationen bei US-Software-Unternehmen und der Gründung eigener Startups wurde er 2021 Board Member beim Kult-Studio Apogee Entertainment (Duke Nukem), ehe er 2023 in der Rolle des Chief Technology Officer zu Atari wechselte. Mittlerweile ist er wieder in Deutschland ansässig, genauer: in Münster.

Europa habe riesiges Potenzial für Atari, sagt Deptolla – nicht nur als Absatzmarkt, sondern eben auch mit Blick auf Talente und neue Partner. Der Standort Münster bietet als Universität-Stadt perfekte Bedingungen, um kluge Köpfe ins Unternehmen zu holen.

Eine überaus wichtige Rolle spielen für ihn in diesem Zusammenhang auch die Förderprogramme von Bund und Ländern, in diesem Fall Nordrhein-Westfalen. Deptolla spricht von einem „strategischen Vorteil“. Gerade Steuergutschriften – also Tax Credits – seien für Atari ein entscheidender Faktor bei Investitionsentscheidungen.

Atari auch in diesem Jahr auf der Gamescom vertreten

Atari wächst rasant: 20 Mitarbeiter seien es bei seinem Einstieg gewesen, erzählt Andreas Deptolla. Mittlerweile sind es mehr als 300. Weitere Zukäufe sind explizit nicht ausgeschlossen.

Dass die Games-Industrie derzeit eine herausfordernde Phase erlebt, sieht der Atari-Manager daher als Chance: Schließlich seien viele Studios derzeit auf der Suche nach möglichen Partnern. Seine Strategie setzt aber nicht auf pures Umsatzwachstum: Vielmehr sollen gezielt Nischen besetzt werden werden. Und es muss auch menschlich passen, schließlich ist mit der Vertrags-Unterschrift nicht getan: Vielmehr gehe es darum, auch eine gemeinsame Idee von der Firmenkultur zu etablieren und zu leben.

Ein Beispiel ist die Übernahme der Spiele-Datenbank MobyGames: Atari will eine Anlaufstelle schaffen, die analog zu IMDB detaillierte Informationen zu den Schöpfern von Videospielen anbietet. Im nächsten Schritt soll die Plattform technisch modernisiert und erweitert werden.

Nächster Schritt ist die Gamescom 2026 im August – für Andreas Deptolla „die relevanteste Messe“: Beim NRW-Heimspiel war das Unternehmen im vergangenen Jahr nicht nur in der Business Area, sondern auch mit einem eigenen Stand in Halle 10 vertreten. Die genauen Pläne für die kommende Gamescom will Atari in den kommenden Wochen präsentieren.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein