
Mit großen Namen und großen Ambitionen war das Kleinfeld-Fußball-Format Baller League vor zwei Jahren gestartet. Jetzt steht die Liga in Deutschland vor dem Aus.
Der Wikipedia-Eintrag ist bereits im Präteritum formuliert: „Die Baller League war eine deutsche Hallenfußball-Liga“. Nachdem sich der für November geplante Start der 4. Saison verzögert hatte und der Hauptsponsor-Vertrag mit dem Karriere-Netzwerk XING planmäßig auslief, ist seit gestern klar: Die Baller League steht vor dem Aus. Der Link zum Ticket-Verkauf für die Live-Partien führt ins Leere.
Die vorläufige Einstellung des Liga-Betriebs, über das zuerst das Branchen-Portal DWDL berichtet hatte, betrifft derzeit nur den deutschen Markt. In den USA und in Großbritannien laufen die Vorbereitungen für die kommende Spielzeit.
Die Baller League („Welcome to a new era of football“) konkurriert mit ähnlich positionierten Angeboten wie der Kings League oder The Icon League um Sponsoren und Zuschauer. Die Idee: Kleinere Spielfelder, schnelle 6-gegen-6-Matches und flexibles Regelwerk sollen für mehr Dynamik sorgen und ein junges Publikum ansprechen, das für vermeintlich langatmigen 90-Minuten-Stadion-Fußball nicht länger zu begeistern ist. Stars wie Lukas Podolski, Kevin-Prince Boateng, Max Kruse, Christoph Kramer, Mats Hummels und Marco Reus sorgten für die sportliche Expertise.

Baller League stellt in Deutschland den Betrieb ein
Die Verknüpfung zur Videospiel-Industrie ergibt sich aus reichweitenstarken Gaming-Streamern und Content Creatorn, die als Team-Manager und Testimonials fungierten – darunter GamerBrother, MontanaBlack, Jens ‚Knossi‘ Knossalla und HandOfBlood.
Mit Eintracht Spandau – einem Joint-Venture der Agenturen Instinct3 und Jung von Matt – war außerdem von Anfang an eine etablierte E-Sport-Organisation in die Baller League eingebunden. Als ‚Präsident Knabe‘ gibt Maximilian Knabe alias HandOfBlood den schrulligen Vereins-Boss. Zu den Werbepartnern zählen unter anderem Pringles und die Sparkassen-Gruppe.
In einem LinkedIn-Beitrag gibt sich Instinct3-Co-Gründer Hendrik Ruhe kämpferisch: „Diese Marktphase kommt für uns nicht überraschend. Wir sind uns sicher, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Eintracht Spandau gab es vor der Baller League, während der Baller League und Eintracht Spandau wird es auch nach der Baller League geben. Wenn es in diesem Markt ein werthaltiges und sicheres Asset gibt, dann uns.“
Erste Stellungnahmen der beteiligten Partner deuten darauf hin, dass das Scheitern der Baller League zeitnah die Gerichte beschäftigen wird. So postete EA Sports FC-Influencer Simon Schildgen (GamerBrother) auf seinem Instagram-Kanal, er könne und wolle aktuell nichts dazu sagen. „Nur so viel: Was da im Hintergrund passiert ist und wie mit Existenzen gespielt worden ist, ist unter aller Sau.“ (pf)












