Start Politik Games-Förderung: Kritik an hessischer Landesregierung

Games-Förderung: Kritik an hessischer Landesregierung

Stefan Marcinek, Geschäftsführer Assemble Entertainment und Vorstandsvorsitzender Gamearea Hessen
Stefan Marcinek, Geschäftsführer Assemble Entertainment und Vorstandsvorsitzender Gamearea Hessen

Hessen hinkt bei der Computerspiele-Förderung hinterher: Der Branchen-Verbund GameArea Hessen fürchtet eine Zementierung der Standort-Nachteile.

Wer im hessischen Kassel oder Marburg Computerspiele entwickelt, muss ohne Zuschüsse vonseiten des Bundeslandes auskommen. Nur wenige Kilometer weiter nördlich profitieren Games-Studios vom 3-Millionen-Euro-Fördertopf der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen.

Diese Subventions-Unwucht ärgert den Vorstandsvorsitzenden von Gamearea Hessen: Im Interview mit der Frankfurter Rundschau kritisiert Stefan Marcinek das fehlende Bekenntnis der schwarz-grünen Landesregierung für den Games-Standort Hessen. Marcinek weiß, wovon er spricht: In Wiesbaden hat er vor fünf Jahren den Publisher Assemble Entertainment (Endzone: A World Apart) gegründet, der mittlerweile fast 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Immerhin kam zuletzt Bewegung ins Thema: Drei Jahre nach Ankündigung hat das Land Hessen erste zarte Schritte in der Disziplin Sachen Games-Förderung unternommen und 325.000 Euro bereitgestellt – ein im Ländervergleich sehr übersichtliches Budget. Zusätzliche Hürde: Das Programm Hessen Serious Game bezuschusst ausschließlich Studios, die an Lehr- und Lernspielen arbeiten.

Gamearea Hessen fordert deshalb mindestens 2 Millionen Euro pro Jahr, um den Entwicklungs-Standort voranzubringen: „Gerade wenn ich mir als Unternehmen im Games-Bereich überlege, ob ich ein Studio oder eine Niederlassung in einem neuen Bundesland eröffnen will, steht Hessen sicherlich nicht ganz oben auf der Wunschliste“, so Marcinek.

Der Unternehmer kritisiert insbesondere, dass es andernorts ein besseres Grundverständnis und eine höhere Wertschätzung der Games-Industrie gäbe. So hat der noch amtierende NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) regelmäßig den sogenannten „Games-Gipfel“ einberufen. Mehr noch: Seit Jahren verfolgt Laschet das Ziel, sein Bundesland zum „Games-Standort Nummer 1“ auszubauen. Vergleichbare Ambitionen gibt es in Hessen nicht.

Marcineks Urteil: „Andere Bundesländer sind uns nicht nur um einen Schritt, sondern gleich um mehrere voraus.“

Dass Hessens Politik wenig Veranlassung sieht, am Status Quo zu rütteln, hat möglicherweise auch mit der Top-Position im bundesdeutschen Umsatz-Vergleich zu tun. Aus historischen Gründen befinden sich die Deutschland-Niederlassungen von Konzernen wie Sony Interactive, Nintendo of Europe und Bandai Namco Entertainment im Großraum Frankfurt. Mit Crytek (Crysis), Deck 13 (The Surge), Cloud Imperium Games (Star Citizen) und Limbic Entertainment (Tropico 6) haben außerdem einige der größten deutschen Spiele-Entwickler ihren Sitz in Hessen.