Start Meinung Fröhlich am Freitag 8/2020: Coronavirus

Fröhlich am Freitag 8/2020: Coronavirus

Auch für viele Cosplayer beginnen bald die Gamescom-Vorbereitungen (Foto: KoelnMesse / Oliver Wachenfeld)
Auch für viele Cosplayer beginnen bald die Gamescom-Vorbereitungen (Foto: KoelnMesse / Oliver Wachenfeld)

Abseits aller menschlicher Tragödien sorgt der hochansteckende Coronavirus zunehmend für Sorgenfalten in der globalen Games-Industrie.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

Waldbrände? In Australien? War da was? Kaum verschwinden Themen aus den Schlagzeilen, sind sie mental abgehakt und gefühlt „gelöst“ – schließlich wartet schon der nächste Aufreger in den Twitter-Trends.

Ein Thema, das nicht nur die Games-Branche in diesem Jahr deutlich länger begleiten dürfte als ein paar Tage oder Wochen, ist das Coronavirus – 75.000 Infektionen, schon jetzt mehr als 2.000 Tote. Dunkelziffer: unklar. Ende Januar hat die WHO den Notstand ausgerufen.

In besonderem Maße betroffen ist China, die Werkbank der Welt. Aufgrund der ausgebremsten Produktion hat Apple die Umsatzprognose für das laufende Quartal einkassiert – gerade beim iPhone drohen Lieferengpässe. Auch bei Microsoft und Sony wird man die derzeitige Entwicklung angespannt verfolgen: Denn wenn die PlayStation-5- und Xbox-Series-X-Kartons im Spätsommer 2020 pünktlich verschifft werden sollen, dann sind Logistik-Unwägbarkeiten und mehrwöchige, womöglich mehrmonatige Produktionsausfälle bei Zulieferern ungefähr das Letzte, was man bei der Markteinführung einer neuen Konsole gebrauchen kann.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Sehr konkrete Auswirkungen hat der hochansteckende Virus schon heute für Veranstaltungen, Konferenzen und Messen. Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona wurde kurzerhand komplett abgesagt – und erst gestern hat sich Sony Interactive gegen eine Teilnahme an der Game Developers Conference 2020 und an der PAX East Boston entschieden. Die GDC in San Francisco beginnt am 16. März – Stand jetzt.

Auch in Deutschland sind die Tiefausläufer des Coronavirus zu besichtigen: Das für Mitte April geplante E-Sport-Großturnier PUBG Global Series in Berlin wurde gestrichen. Veranstaltungen wie die Nürnberger Spielwarenmesse leiden messbar unter Besucherschwund: Wer sich dennoch aufs Gelände wagt, wird mit Hinweis-Schildern, Sagrotan-Stationen und ganzen Hallen voller Mundschutz-bewehrter Aussteller konfrontiert.

Und was ist mit der Gamescom 2020? Nun findet die Kölner Spielemesse erst in einem halben Jahr statt – da fließt noch viel Wasser den Rhein runter, möchte man meinen. Doch die Planungen haben natürlich längst begonnen. Die Frühbucher-Phase endete Mitte Februar.

Mehr als 50 Aussteller allein aus China waren im vergangenen Jahr dabei, mit eigenen Auftritten oder auf Gemeinschaftsständen. Jeder zehnte Fachbesucher in der Business Area der Gamescom 2019 stammte aus dem asiatischen Raum – aus Singapur, Hongkong, Taiwan, Südkorea. Auch dort – in der Heimat von Konzernen wie Samsung, LG und Com2Us – breitet sich der Virus aus. Eine 2,5-Millionen-Metropole wurde zur ‚Sonderzone‘ erklärt. Und: Nur zwei Monate nach der ‚deutschen‘ Gamescom soll in Singapur die erste Gamescom Asia steigen – man kann sich weiß Gott bessere Bedingungen ausmalen.

Derzeit sieht es nicht danach aus, als könnte die SARS-CoV-2-Ausbreitung zeitnah eingedämmt werden, im Gegenteil. Mindestens bei der KoelnMesse und bei Gamescom-Ausstellern wird der grassierende Coronavirus daher zwangsläufig mitgedacht werden müssen.

Ein (dennoch) schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen und Gastbeiträge finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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