Start Karriere Tschö Germany – Folge 3: Bernd Diemer, DICE, Stockholm

Tschö Germany – Folge 3: Bernd Diemer, DICE, Stockholm

Bernd Diemer ist Franchise Creative Director bei DICE in Stockholm.
Bernd Diemer ist Franchise Creative Director bei DICE in Stockholm.

Nicht in einer weit, weit entfernten Galaxis, aber immerhin eineinhalb Flugstunden von Deutschland entfernt ist „Star Wars Battlefront 2“ entstanden. Als Creative Director bei DICE in Stockholm arbeitet Bernd Diemer an einem der wertvollsten Film- und Spiele-Universen der Welt.

Es ist der Traum vieler Entwickler, die eine Karriere als Spiele-Designer starten: einmal an einem „richtig großen“ PC- oder Konsolenspiel mitwirken. Für solche Großproduktionen mit zweistelligen Millionen-Budgets aufwärts hat sich in der Games-Branche das Kürzel AAA („Triple-A“) eingebürgert.

Bernd Diemer weiß, wie solche Spiele von innen aussehen. Bei Crytek in Frankfurt war er Produzent und Design Director von „Crysis“, „Crysis: Warhead“, „Crysis 3“ und „Ryse: Son of Rome“, danach mehrere Jahre Game Director bei Yager in Berlin. Zuletzt hat er bei Guerilla Games am Spieldesign des PlayStation-4-Exklusivtitels „Horizon Zero Dawn“ mitgewirkt und lehrt außerdem als Professor für Game Design an der Technischen Hochschule in Köln.

Im Hauptberuf steht Diemer allerdings im Dienst der Electronic-Arts–Tochter DICE („Battlefield“) in der schwedischen Hauptstadt Stockholm: Seit November 2016 betreut er als Franchise Creative Director die „Star Wars“-Spiele von DICE, allen voran das Multiplayer-Action-Spiel „Star Wars: Battlefront 2“.

Tschö Germany: „Battlefront 2“-Designer Bernd Diemer über Klämrisk, Kanelbulle und Snus

Immer wieder schmunzeln muss ich über folgendes schwedische Wort:

Klämrisk! Der lauert in Schweden an den seltsamsten Orten, zum Beispiel im Aufzug oder an der Wäschemangel.

Der gar grausige Klämrisk lauert überall in Schweden - und Schilder warnen vor ihm.
Der gar grausige Klämrisk lauert überall in Schweden – und Schilder warnen vor ihm.

Das am wenigsten zutreffende Klischee über Schweden lautet:

Es ist gar nicht immer dunkel und kalt. Zumindest das Stockholmer Klima erinnert mich oft an Berlin. Den berühmten stinkenden Fisch in der Dose essen nicht wirklich viele Leute.

Hingegen trifft folgendes Klischee über Schweden definitiv zu:

Konsensbildung und Diskutieren. Jede Meinung wird gehört, egal von wem – und Überzeugen funktioniert besser als Autorität. Und Snus (eine Art „Zahntabak“, Anm. d. Red.) ist wirklich beliebt, ob man es glaubt oder nicht.

Noch immer nicht daran gewöhnt habe ich mich daran, dass in Schweden…

…die automatischen Türen viel langsamer sind als anderswo und ich dauernd daran renne. Hat vielleicht mit dem Klima zu tun? Außerdem gibt es in den meisten Häusern Waschräume, man teilt sich Waschmaschine und Trockner in der Hausgemeinschaft. Da reserviert man an einem Brett eine Zeit – und die darf man nicht verpassen. Es kommt also öfter vor, dass jemand wegen einer Verabredung mit seiner Wäsche früher geht oder später kommt. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die Freitagsschlange am Systembolaget, den staatlichen Schnaps- und Weinläden – die schließen nämlich um 19 Uhr.

Nicht genug bekommen kann ich von der schwedischen Spezialität namens…

Kanelbulle (Zimtschnecke, Anm. d. Red.)

Die wenigsten dürften wissen, dass in Schweden…

… am 4. Oktober der nationale Tag der Zimtschnecke ist. Laut meiner schwedischen Kollegen ist der Kanelbullen Dag verdienterweise einer der der wichtigsten Tage des Jahres, der gebührend gefeiert wird.

Mit etwas Fantasie erinnert die Anordnung dieser Kanelbullar (Einzahl: Kanelbulle) an den Vorspann eines Science-Fiction-Märchens.
Mit etwas Fantasie erinnert die Anordnung dieser Kanelbullar (Einzahl: Kanelbulle) an den Vorspann eines Science-Fiction-Märchens.

Der aus meiner Sicht größte Unterschied zwischen schwedischen und deutschen Studios besteht darin …

Wenn man ein bisschen genauer hinschaut, sind sich alle Spieleentwickler sehr ähnlich, egal in welchem Land oder welchem Studio.

Von Schweden könnte das Games-Entwicklerland Deutschland lernen:

Mich beeindruckt die Selbstverständlichkeit, mit der Gleichberechtigung und Familie in der Gesellschaft behandelt werden. Die formlose Offenheit und Hilfsbereitschaft innerhalb der Games-Community finde ich auch bemerkenswert. Nähe spielt da vielleicht auch eine Rolle: Gerade auf Soedermalm in Stockholm sind zahlreiche Studios und Game-fokussierte Bildungseinrichtungen nur einen Katzensprung voneinander entfernt.

Allen, die mit einem Wechsel in die schwedische Gamesbranche liebäugeln, möchte ich Folgendes mit auf den Weg geben:

In ein Studio in einer fremden Stadt in einem fremden Land zu gehen ist immer ein Abenteuer. Da ist es hilfreich, offen und locker zu bleiben, falls manche Dinge anders laufen als gewohnt.

Über Tschö Germany

In der Serie „Tschö Germany“ stellt GamesWirtschaft in loser Folge spannende Persönlichkeiten der Games-Branche vor, die ihre Karriere in Deutschland gestartet haben und mittlerweile im Ausland leben und arbeiten – manchmal temporär, oft aber auch mit langfristigen Plänen.

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