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Gutschein statt Bargeld: Umstrittenes Corona-Gesetz kommt

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Die "Gutscheinlösung" kommt: Wer ein Ticket für die Gamescom 2020 gekauft hat, erhält im Falle der Absage dennoch sein Geld zurück (Foto: KoelnMesse / Thomas Klerx)

Die Gutscheinlösung rückt näher: Wird ein Event infolge der Corona-Pandemie abgesagt, müssen die Veranstalter nicht länger den Ticket-Preis erstatten.

Wer vor dem 8. März 2020 ein Ticket für mittlerweile abgesagte oder verschobene Konzerte, Messen, Festivals, Sport-Events, Theater-Aufführungen, Lesungen oder Shows gekauft hat, erhält nicht mehr zwingend sein Geld zurück. Stattdessen dürfen die Ausrichter auch einen Gutschein ausstellen, der bis zum 31. Dezember 2021 eingelöst werden muss.

Das geht aus einem heute beschlossenen Gesetz der Bundesregierung hervor. Diese sogenannte „Gutscheinlösung“ muss noch vom Bundestag verabschiedet werden, was durch die Unions-/SPD-Mehrheit allerdings als Formsache gilt.

Erst wenn der der Kunde den Gutschein bis Ende 2021 nicht eingelöst hat, muss der Ticketpreis vom Veranstalter erstattet werden – also irgendwann Anfang 2022. Was natürlich nur dann greift, wenn das Unternehmen bis dahin nicht den Geschäftsbetrieb eingestellt hat. In Ausnahmefällen sollen Härtefallklauseln greifen – etwa dann, wenn der Kunde nachweisen kann, dass die Inanspruchnahme des Gutscheins aufgrund seiner „persönlichen Situation“ nicht zumutbar ist.

Das Gesetz umfasst im Übrigen auch Dauerkarten für Fußballvereine sowie Monats- und Dauerkarten für Museen, Freizeitparks, Musik- und Sprachkurse oder Fitness-Studios. Die Regelung gilt ausdrücklich nicht für beruflich bedingte Veranstaltungen, etwa Fortbildungen, Seminare, Kongresse und Fachmessen, weil dadurch Freiberufler und kleinere Betriebe benachteiligt werden würden.

Dem Ticket-Käufer dürfen durch den Gutschein keine Mehrkosten entstehen. Eine Beschränkung auf die Nachholveranstaltung der abgesagten Veranstaltung ist unzulässig: Der Kunde hat also die Wahl, ob er weiterhin den selben Künstler sehen will oder sich für eine andere Veranstaltung desselben Anbieters entscheidet. Der Gutschein-Wert muss dem Ticketpreis inklusive Vorverkaufsgebühren entsprechen.

Mit dem Gesetz will die Bundesregierung kleine wie große Veranstalter schützen, die in besonderem Maße unter den Absagen von Kultur-, Freizeit- und Sport-Veranstaltungen leiden – auch Dutzende Games-Messen und -Kongresse sowie E-Sport-Events wurden zwischenzeitlich infolge der Corona-Pandemie abgesagt. Wenn Millionen von Tickets erstattet werden müssen, könnten die fälligen Rückerstattungen zu einer Pleite-Welle führen.

Bis Ende Juni finden keine Games-Messen und -Konferenzen in Deutschland statt (Stand: 24.03.2020)
Bis Ende Juni finden keine Games-Messen und -Konferenzen in Deutschland statt (Stand: 24.03.2020)

Die Verbraucherzentralen hatten die Pläne der Bundesregierung im Vorfeld scharf kritisiert: Denn wenn Tour-Veranstalter, Konzertbüros oder Event-Agenturen in den kommenden Monaten Insolvenz anmelden, bleibt der Kunde auf seinen Kosten sitzen. Zudem handele es sich um „zinslose Zwangskredite für Unternehmen auf Kosten der betroffenen Kunden“. Gerade jetzt seien viele Menschen auf Liquidität angewiesen. Der Deutsche Kulturrat hingegen begrüßt die Entscheidung des Bundeskabinetts – Künstler und Kulturveranstalter seien durch das Verbot von Veranstaltungen „künstlerisch und ökonomisch ins Mark getroffen“.

Auf GamesWirtschaft-Anfrage hat die KoelnMesse bestätigt, dass die Gamescom-Ausrichter nicht von der neuen Gutscheinlösung Gebrauch machen werden. Zwar hat der Ticket-Vorverkauf erst am 11. März und somit nach dem erwähnten Stichtag begonnen – allerdings wurden bereits Ende Januar sogenannte Wild-Card-Tickets für den Medien- und Fachbesuchertag verkauft.

Die klare Botschaft der KoelnMesse: Sollte die Gamescom 2020 nicht wie geplant vom 25. bis 29. August 2020 vor Ort in Köln stattfinden, erhalten die mehr als 60.000 Ticket-Käufer ihr überwiesenes Geld zurück. Der Kartenvorverkauf ist weiterhin in vollem Gange: Erst Mitte Mai soll entschieden werden, ob und in welcher Form die Spielemesse durchgeführt werden kann.

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