Ein links-grünes Bündnis? Oder doch Schwarz-Grün-Rot? Auf eine dieser beiden Varianten dürfte es in Berlin hinauslaufen – mit Auswirkungen auf die Games-Branche.
„Links ist vorbei“, hatte CDU-Kanzler Friedrich Merz noch vor eineinhalb Jahren im Bundestags-Wahlkampf angekündigt. Er sollte recht behalten: Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zieht Links an der Union vorbei.
Denn die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp ist mit 25,7 Prozent klarer Wahlsieger des gestrigen Sonntags. Mit überraschend deutlichem Abstand auf Platz 2 folgt die CDU mit 18,8 Prozent, die gegenüber 2023 fast 10 Prozent eingebüßt hat.
Königsmacher sind demzufolge die SPD (12,1 %) und die Grünen (14,3 %), die nun darüber entscheiden, ob Eralp oder Wegner-Ersatzmann Stefan Evers ins Rote Rathaus einziehen. Die AfD kommt auf 16,3 Prozent; die FDP und das BSW sind nicht im Parlament vertreten.
Gerade bei den Jungwählern haben die Linken mit ihrem Versprechen gepunktet, für ein „bezahlbares Berlin“ inklusive einer Enteignung von Wohnungsbau-Konzernen zu sorgen.
Wahl in Berlin 2026: Wer regiert die ‚Games-Hauptstadt‘?
Dass Kai Wegner sein Amt als Regierender Bürgermeister verliert, stand bereits vorab fest: Der CDU-Politiker war infolge der ‚Tennis-Affäre‘ nicht erneut angetreten.
Bitter verlief der Wahlabend für Wirtschafts-Senatorin Franziska Giffey, die mangels Listenplatz zwingend ihren Bezirk Rudow als SPD-Direktkandidatin gewinnen musste – und am Ende mit wenigen hundert Stimmen gegen CDU-Kandidat Olaf Schenk unterlag. Ihr Bürgerbüro will sie bereits im Oktober schließen.
Mit Wegner und Giffey verliert die Hauptstadt zwei der führenden Köpfe, die sich unter anderem für das House of Games Berlin, die Games-Förderung beim Medienboard Berlin-Brandenburg, den Deutschen Computerspielpreis (2027 turnusgemäß wieder in Berlin) und die E-Sport-Förderung eingesetzt hatten. Die Senatsverwaltung hatte die Medienboard-Mittel erst zur Gamescom 2026 um eine zusätzliche Million Euro aufgestockt.
Wie geht es nun auf politischer Seite weiter mit dem Games-Standort Berlin? Einen zarten Hinweis für die künftigen Schwerpunkte liefern die Wahlprogramme (Analyse):
- Die Linke erkennt an, dass die Computerspiele-Entwickler „längst zentraler Teil der Berliner Medien und Kreativwirtschaft“ sind. Besonders im Fokus: kleine und mittlere Studios. Wörtlich heißt es: „Games können gesellschaftliche Themen erfahrbar machen und neue Perspektiven politischer und kultureller Bildung aufzeigen.“
- Die SPD will die Games-Förderung fortsetzen und um eine E-Sport-Förderung ergänzen, auch mit Blick auf Breitensport-Vereine.
- Am ambitioniertesten sind die Pläne der Hauptstadt-Grünen, die „Berlin zur Games-Hauptstadt machen“ wollen – etwa durch neue Messe-Formate. Zur „Prävention von Sucht- und Extremismus-Gefahren durch Games“ sollen Medienkompetenz-Angebote entstehen.
- Betont vage und damit maximal anschlussfähig bleibt die CDU: Projekte wie das House of Games sollen den Standort weiter stärken – wie genau, geht aus dem Programm nicht hervor. Der E-Sport soll von Akademien, Aus- und Weiterbildung und der Fortführung des E-Sports Team Berlin profitieren.
So weit die Positionen in ganz vielen politischen Bereichen (Stichwort: Wohnungsbau-Konzern-Enteignung) auch auseinander liegen mögen: Im Computerspiele-Sektor gibt es hinreichend Schnittmengen, die sich unkompliziert in einen Koalitionsvertrag gießen lassen – egal ob unter Führung der Linken oder der Union.
Ob und zu welcher Koalition es letztlich kommt, wird sich in den kommenden Wochen weisen, wenn erste Sondierungsgespräche geführt werden. Am 29. Oktober tritt erstmals das neu gewählte Parlament im Abgeordnetenhaus zusammen.
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