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Berlin wählt: Die Games-Wahlprogramme der Parteien

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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Wirtschafts-Senatorin Franziska Giffey (SPD) geben den Startschuss für das House of Games (Foto: MediaNet Berlin-Brandenburg / Daniel Hinz)
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Wirtschafts-Senatorin Franziska Giffey (SPD) geben den Startschuss für das House of Games (Foto: MediaNet Berlin-Brandenburg / Daniel Hinz)

Nur noch drei Monate verbleiben bis zum Wahltermin: Am 20. September entscheidet sich, wer Berlin regiert – und damit die Games-Politik bestimmt.

„Mehr Tatütata. Weniger Trara.“
„Weniger gendern. Mehr lesen, schreiben, rechnen.“
„Pollerfrei statt autofrei.“

Das alles und noch viel, viel mehr (Wohnungen, Startups, Videoüberwachung), würd‘ er machen, wenn Kai Wegner weiterhin die Nummer 1 in der Hauptstadt wär‘. Denn die CDU hat sich vorgenommen, auch nach dem 20. September den Regierenden Bürgermeister von Berlin zu stellen.

In jüngsten Umfragen liegt die Partei von Amts-Inhaber Kai Wegner mit 22 Prozent vor der AfD (18 %), Grünen (17 %), Linken (15 %) und SPD (14 %). BSW und FDP kämpfen mit der 5-Prozent-Hürde. Daraus folgt: Schwarz-Rot hätte nach Lage der Dinge keine Mehrheit mehr, bräuchte also einen zusätzlichen Partner – es sei denn, Grün-Rot-Rot kommt zustande.

Egal, wie es ausgeht: Das Regieren der Hauptstadt wird voraussichtlich komplizierter und anstrengender.

Berlin wählt: Die Games-Wahlprogramme der Parteien

Auch die Videospiele-Industrie hat den 20. September im Blick:

  • Schließlich sind in der Hauptstadt einige der umsatzstärksten und größten Games-Arbeitgeber des Landes zu Hause, ebenso wie Verbände, Agenturen, E-Sport-Unternehmen und eine große Zahl an Indie-Studios.
  • Im Frühjahr 2027 ist Berlin turnusgemäß Gastgeber für den Deutschen Computerspielpreis.
  • Bis dahin soll das ‚House of Games‚ schon mehrere Monate in Betrieb sein. 4,6 Mio. € hat Wegners Landesregierung für das Immobilien-Projekt bereit gestellt, bei dem immer noch unklar ist, wer die 10.000+ Quadratmeter eigentlich bespielen soll.
  • Mit einem Volumen mehr als 3 Mio. € zählt die Games-Förderung des Medienboard Berlin-Brandenburg im Bundesvergleich zu den größten Töpfen.
  • Und noch ein wichtiger Faktor: Die Wege zu Entscheidern in Ministerien, Parlament, Rathaus und Parteizentralen sind kurz.

Für die Games-Branche – Gründer, Unternehmen, Beschäftigte – steht also viel auf dem Spiel: Im September werden die Weichen gestellt für die kommenden fünf Jahre. Die GamesWirtschaft-Analyse zeigt, welche Schwerpunkte in den Wahlprogrammen gesetzt werden.

Vergleichsweise eng beieinander liegen die Beschäftigtenzahlen der größten Games-Unternehmen in Berlin (Stand: 15. August 2025)
Vergleichsweise eng beieinander liegen die Beschäftigtenzahlen der größten Games-Unternehmen in Berlin (Stand: 15. August 2025)

CDU: Wegner will’s wissen

„Berlin wird.“ So lautet das Motto des ‚Regierungsprogramm 2026-2031‘ (PDF), das Wegners CDU auf 128 Seiten aufgeschrieben hat. Berlin wird demzufolge sicher, schneller, gerecht  – und alles in allem weniger dysfunktional.

Zwangsläufige Folge: Mehr als 100 Mal kommt allein die Vokabel „digital“ in unterschiedlichen Varianten vor. Der Status als ‚Gründer-Hauptstadt‘ soll konsequent durch den Ausbau von Förder- und Finanzierungs-Instrumenten ausgebaut werden – inklusive „One-Stop-Shop“ für Gewerbe-Anmeldungen.

Auf der vorletzten Seite des Programms stellt die Union fest, dass sich die Berliner Games-Branche positiv entwickelt habe und zu einem „echten Wirtschaftsfaktor“ geworden sei. Projekte wie das House of Games sollen die Rolle als „einer der führenden Games-Standorte in Deutschland“ zementieren. Wie dies gelingen soll (Förderung? Veranstaltungen? Ansiedlung?), bleibt zunächst offen.

Etwas konkreter sind die Absichten mit Blick auf den E-Sport: So soll es landeseigene Förderprogramme auf Grundlage der nun vorhandenen Gemeinnützigkeit geben. Die E-Sport-Akademie soll weiterhin beim Aufbau von Amateurligen und von Aus- und Weiterbildung helfen; das E-Sports Team Berlin soll langfristig gesichert werden. Berlin will sich außerdem um große E-Sport-Events bewerben.


SPD Berlin setzt auf Krach

Bundesweit bekanntestes Gesicht der Berliner Sozialdemokraten ist die Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey – die aber nicht als Spitzenkandidatin ins Rennen geht. Vielmehr soll es jetzt Steffen Krach richten, der eigens für den Wahlkampf aus Hannover zurück an die Spree wechselt: Das Motto „Wieder Berlin“ ist also Programm.

Die Aufgabe ist immens: Die SPD liegt derzeit in Umfragen weit abgeschlagen – die Bundespolitik liefert harten Gegenwind. Selbst Wegners finsteres Krisenmanagement beim Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar hat nicht messbar auf das Krach-Konto eingezahlt.

Im Wahlprogramm (PDF) haben sich die Genossen die Fortführung der Berliner Games-Förderung vorgenommen, die um eine neue E-Sport-Förderung ergänzt werden soll. Besonderes Augenmerk liegt auf Gesundheit und Prävention. Städtische Räume könnten für Computerspiele-Veranstaltungen geöffnet werden; die Breitensportvereine bekommen mehr Unterstützung. Mit Blick auf die Medienkompetenz sollen Gaming-Risiken im Schulunterricht behandelt werden.

Auch das Esports Team Berlin soll fortgeführt werden – eines der Herzens-Themen von Franziska Giffey, ebenso wie das House of Games. Ob sie die beiden Prestige-Projekte fortführen kann, ist ungewiss, denn ihr eigener Kreisverband hat ihr den sicheren Listenplatz verweigert.

House of Games-Roundtable: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) lauscht den Ausführungen von WISTA-Geschäftsführer Roland Sillmann (Foto: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin)
House of Games-Roundtable: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) lauscht den Ausführungen von WISTA-Geschäftsführer Roland Sillmann (Foto: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin)

Die Grünen wollen Berlin zur ‚Games-Hauptstadt‘ machen

„Politik ändern. Berlin bleiben.“ – mit dieser Vision treten die Berliner Grünen an, die möglicherweise zum Königsmacher in einer wahrscheinlichen Dreier-Koalition vonnöten sind. Kommt es zu einer linken Konstellation, könnten Bettina Jarasch und Werner Graf sogar ins Rote Rathaus einziehen.

Auch deshalb lohnt ein Blick ins Wahlprogramm, das auf Seite 103 eine vielversprechende Vision formuliert. Denn die Partei will „Berlin zur Games-Hauptstadt machen“.

Wie das gelingen soll? Durch ausgebaute Games-Förderung, neue Messe-Formate, eine erweiterte, kulturelle Nutzung des House of Games (auch durch die Integration des Computerspielemuseums) und die Ausweitung der Medienkompetenz-Angebote. Der E-Sport-Standort soll durch die Förderung gemeinnütziger Strukturen profitieren.

Das Computerspielemuseum befindet sich in der Karl-Marx-Allee in Berlin (Foto: DCM / Margarita Filipenko)
Das Computerspielemuseum befindet sich in der Karl-Marx-Allee in Berlin (Foto: DCM / Margarita Filipenko)

Die Linke nimmt kleine Games-Studios in den Blick

Mit stabilen zweistelligen Umfrage-Werten auf Bundes- und Landesebene ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass die Linke künftig wieder in der Hauptstadt mitregiert. Was auf die Berliner zukäme, ist schon jetzt im Wahlprogramm (PDF) nachzulesen.

Bei der Games-Förderung will die Partei von Spitzenkandidatin Elif Eralp besonders die kleinen und mittelgroßen Firmen in den Blick nehmen – und zwar explizit nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Vielmehr könnten Games auch gesellschaftliche Themen erfahrbar machen und „neue Perspektiven politischer und kultureller Bildung aufzeigen“.

Gemeinnützige E-Sport-Strukturen sollen gefördert werden, um „Gaming aus der rein kommerziellen Ecke in das Vereinsleben zu holen“. Konkret soll E-Sport als soziales Angebot in der kommunalen Jugend- und Verbandsarbeit verankert werden. Fördermittel sollen an klar gemeinwohlorientierte Kriterien gebunden werden.


FDP sieht Berlin als führenden Games-Standort in Europa

Die Neubesetzung der Parteispitze in Form von Urgestein Wolfgang Kubicki hat den Liberalen  Zuversicht eingeflößt, dass die Endlos-Serie krachender Wahlniederlagen demnächst gestoppt werden könnte. Mit Blick auf den Herbst rechnet sich FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer daher verbesserte Chancen für ein Comeback aus.

Ein eigenes Kapitel im Wahlprogramm („Für die Freiheit“ / PDF) ist dem Games-Standort Berlin gewidmet. An Vorsätzen mangelt es nicht: Die Hauptstadt solle nicht nur innerhalb Deutschland, sondern europaweit zum „attraktivsten Standort für die Games-Branche“ entwickelt werden. Dazu gehört nach Vorstellung der FDP auch eine Subventionierung in gleicher Höhe wie „andere förderwürdige Branchen“.

Ausdrückliche Unterstützung gibt es für private Initiativen wie das Computerspielemuseum und das Projekt House of Games als „sichtbarer Ankerpunkt der Spiele-Industrie in Berlin“.

Games sollen außerdem zur Stärkung der Medienkompetenz beitragen – und in Form von Serious Games Eingang in den Schulunterricht finden.


BSW kritisiert Games-Branche für Nähe zur Rüstungs-Industrie

Analog zu den Freien Demokraten lautet das vorrangigste Ziel der BSW-Spitzenkandidaten Alexander King und Michael Lüders: erstmal die 5-Prozent-Hürde überwinden. Das Wahlprogramm (PDF) des Bündnis Sahra Wagenknecht wirbt gleich an erster Stelle für freundschaftliche Beziehungen zu Russland und setzt Akzente bei Bildung, Familienpolitik, Energie und Wohnungsbau.

Die Computerspiele-Branche kommt nur an einer Stelle vor, nämlich überraschenderweise unter der Überschrift „Zivile Produktion statt Kriegswirtschaft“. Auf Seite 44 heißt es: „Auch andere Berliner Firmen und Start-ups, etwa im Drohnenbereich, wandeln sich zu Rüstungslieferanten. Die hochsubventionierte Games-Branche bietet sich der Politik an, um ‚Verteidigungsfähigkeit‘ zu stärken.“

Konkrete Belege für diese kühne These bleibt das BSW schuldig.


AfD

Die Alternative für Deutschland hat ihr Wahlprogramm für die Berliner Wahl zwar bereits im Mai beschlossen, aber noch nicht veröffentlicht (Update folgt).

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