Der 25. November 2016 war nicht nur für den Einzelhandel ein „Black Friday“: Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags friert das Budget für den Deutschen Computerspielpreis 2017 ein – die Verbände reagieren entsetzt.

Kurz vor 11 Uhr war es soweit: Nachdem die Opposition dem Ministerium von Alexander Dobrindt zwei Stunden lang kolossales Versagen bei Dieselaffäre, Lärmschutz, Deutscher Bahn und Breitbandausbau vorgeworfen hatte, verabschiedete der Bundestag den Haushalt 2017 für das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) – und folgte damit der Empfehlung des Haushaltsausschusses.

Auf Seite 5 der Drucksache 18/9812 sind gleich zwei bittere Kröten für die darbende deutsche Games-Branche untergebracht:

  • Zum einen werden die Preisgelder für den Deutschen Computerspielpreis (DCP) entgegen des Antrags des Bundesverkehrsministeriums eingefroren.
  • Zum anderen wird festgeschrieben, dass sich die Wirtschaft – also die Branchenverbände BIU und GAME – mit „mindestens“ 50 Prozent an den DCP-Preisgeldern beteiligen. Zuvor war von einer „angemessenen“ Beteiligung der Branche die Rede.
Links der Entwurf, rechts der Beschluss: Die Wirtschaft soll 2017 die Hälfte der DCP-Preisgelder tragen.
Links der Entwurf, rechts der Beschluss: Die Wirtschaft soll 2017 die Hälfte der DCP-Preisgelder tragen.

Insbesondere die 50-Prozent-Klausel ist ein Schlag ins Kontor: 2016 wurden Preisgelder in Höhe von 470.000 Euro an 14 Projekte aus Deutschland verteilt. Soll das Preisgeld perspektivisch steigen, wird es für die Branchenverbände zwangsläufig immer teurer. Die Mitgliedsbeiträge von Ubisoft, Yager, Deck 13, Innogames & Co. werden also schlichtweg innerhalb der eigenen Reihen umverteilt – wenn sich der Bund aus der Finanzierung zurückzieht, kann von einer wirksamen Förderung kaum noch die Rede sein.

Damit rückt das Parlament de facto auch vom Ziel des 2008 verabschiedeten Bundestagsbeschlusses ab, „den Anteil von in Deutschland entwickelten Computerspielen“ zu steigern.

Auch wenn in der Vereinbarung mit dem Verkehrsministerium Untergrenzen für die Preisgelder festgeschrieben sind: Die tatsächlichen Zuwendungen stehen unter Vorbehalt „der Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel duch den gültigen Bundeshaushalt“ – und werden alljährlich neu verhandelt.

Einen solchen Vorbehalt gibt es im Übrigen auch bei anderen staatlich unterstützten Preisen. Der Unterschied: Beim Deutschen Filmpreis kommen die Preisgelder in Höhe von fast 3 Millionen Euro samt und sonders aus dem 1,4 Milliarden Euro großen Etat von Monika Grütters, der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien im Kanzleramt.

Die Preisgelder für den Deutschen Filmpreis kommen aus dem Etat des Kanzleramts.
Die Preisgelder für den Deutschen Filmpreis kommen aus dem Etat des Kanzleramts.

Deutscher Computerspielpreis 2017: Branchenverbände sind „enttäuscht“

Sowohl der BIU als auch der GAME Bundesverband haben entsetzt auf die Nachricht aus dem Reichstag reagiert und machen aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. „Wir bedauern die Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, nicht den Wünschen des Bundesverkehrsministeriums zu entsprechen und der weiteren Mittelaufstockung beim Deutschen Computerspielpreis zuzustimmen, und stattdessen erstmals die Beteiligung der Wirtschaft am Preisgeld bei 50 Prozent festzuschreiben“, heißt es beispielsweise vom BIU.

„Nach mehreren Jahren der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Preises müssen wir nun wieder einmal schauen, wie wir mit diesem Rückschlag umgehen werden. Unser Ziel ist und bleibt es aber, das mittlerweile hohe Niveau des Deutschen Computerspielpreises trotzdem zu bewahren, auch wenn mit Bezug auf die Preisgelder hierzu besonders starke Anstrengungen 2017 notwendig sind. Hierzu werden wir gemeinsam mit den beiden anderen Ausrichtern, dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und GAME, an einer bestmöglichen Lösung für 2017 arbeiten.“

Der GAME Bundesverband hatte bereits am Freitag – unmittelbar im Anschluss an die Bundestagssitzung – deutliche Kritik geäußert. Die „errungenen Entwicklungen der letzten drei Jahre“ seien mit dem Beschluss rückgängig gemacht worden, die Bedeutung einer unabhängigen, staatlich gestützten Förderung der Games-Branche werde verkannt.

Aus Sicht von Game-Design-Professorin Linda Breitlauch zeigt der Beschluss, „dass ein Großteil der Politik noch immer nicht um die wichtige und zukunftsweisende Rolle der deutschen Games-Branche weiß.“

Deutscher Computerspielpreis: Daedalic führt mit weitem Abstand das Ranking der DCP-Seriensieger an.
Deutscher Computerspielpreis: Daedalic führt mit weitem Abstand das Ranking der DCP-Seriensieger an.

Deutscher Computerspielpreis 2017: Zukunft des Preises auf der Kippe

Der GAME Bundesverband will sich nun mit den Mitgliedern abstimmen und „zeitnah“ eine Entscheidung bekannt geben. Diese Ankündigung lässt damit auch einen Rückzug eines der beiden Branchenverbände offen – zumindest als theoretische Option.

Die Vorzeichen für die in Kürze anstehenden Verhandlungen mit dem Ministerium sind nun denkbar ungünstig. Denn eigentlich wollte man sich in den kommenden Wochen zusammensetzen und einen neuen Vertrag aufsetzen: Die Laufzeit der aktuell gültigen Vereinbarung endet im Oktober 2017, also wenige Wochen nach der Bundestagswahl 2017.

Können sich Branche und Ministerium nicht auf eine gemeinsame Position bei Finanzierung und Ausgestaltung einigen, stünde der DCP vor dem Aus. Gleichzeitig würde dies die Position der Verbände mit Blick auf die Durchsetzung von Fördermodellen und Steuerkonzepten zweifellos schwächen.

Die Sieger des Deutschen Computerspielpreises 2016 (Foto: Gisela Schober/Getty Images)
Die Sieger des Deutschen Computerspielpreises 2016 (Foto: Gisela Schober/Getty Images)

Deutscher Computerspielpreis 2017: Warten aufs Bargeld

Turnusgemäß findet die festliche Verleihung des Deutschen Computerspielpreises am 26. April 2017 in Berlin statt. Die Preisgala samt Moderatorin, Laudatoren und Catering wird vom gastgebenden Bundesland – abwechselnd Bayern und Berlin – bezahlt.

Der Hauptpreis („Bestes deutsches Spiel“) ist mit 100.000 Euro dotiert und ging 2016 an das Blue-Byte-Aufbaustrategiespiel Anno 2205. In den 13 weiteren Kategorien (Innovation, Inszenierung, Gamedesign etc.) werden zwischen 35.000 und 60.000 Euro verteilt.

Die besten internationalen Spiele werden zwar mit Trophäen geehrt, erhalten aber kein Preisgeld. Im vergangenen Jahr hatten sich The Witcher 3: Wild Hunt (CD Projekt) und Splatoon (Nintendo) durchgesetzt.

Die Preisträger verpflichten sich vertraglich, das Preisgeld für die Entwicklung eines neuen Spiels einzusetzen, das den Kriterien des Deutschen Computerspielpreises entspricht. Allzu sehr auf Kante sollte die Finanzierung beim geförderten Studio nicht genäht sein: Bis alle Vereinbarungen unterzeichnet und abgestempelt sind und die Prämien letztendlich auf dem Konto landen, vergeht üblicherweise ein halbes Jahr. So warten die Hamburger Mooneye Studios nach wie vor auf die 25.000 Euro, die das Team im April 2016 als Bestes Nachwuchskonzept für „Lost Ember“ gewonnen hatte.

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3 Kommentare

  1. […] Acht Jahre Politik von BIU und GAME haben sich aber mal so richtig gelohnt! Wir lassen uns abspeisen, seit vielen Jahren. Wir machen mit und sind froh um die Bröckchen, die man vom Tisch fallen lässt, damit wir sie vom Boden auflesen. Und die Politik, die ein feines Näschen dafür hat, wenn jemand opportun nach allem schnappt, die Schwäche wittert wie der Drogenhund die Hanfplantage, die amüsiert sich prächtig auf unsere Kosten. […]

  2. Mir fehlen im mom die richtigen Worte, aber ich versuchs trotzdem mal. 😉

    Da gibt es also die zwei eingetragenen Vereine, deren Satzungen irgentwie nicht auffindbar sind ( habe gesucht ), einen durchaus ansehnlichen Wasserkopf gebildet haben, und die grade herzhaft jammern das sie so wenig Unterstützung seitens der Politik bekommen, richtig ? Könnte es sein das nicht wenige in diesen Vereinen sich zuallererst mal dem eigegen Wohlbefinden widmen, und wenn dann noch Zeit über ist den Zielen des Vereins ? Und könnte es eventuell sein, das einige der Damen und Herren, sich gerne profilieren möchten, im Ramenlicht stehn ect, weil ansonsten niemand auf der Welt auch nur die geringste Notiz von ihnen nehmen würde ? Braucht die Welt wirklich 2 Vereine die sich um die Belange der Spielebranche sorgen, wo doch oft nur rein wirtschaftliche Intressen überwiegen ?

    Was ist denn zum Beispiel mit den ganzen Entwicklern, die meines Wissens keinerlei Intressenvertretung haben, von welchem Verband/Verein werden die eigentlich unterstützt ? Ich hab noch nie in den Medien gelesen das Entwickler eine Lobby hätten, das deren Rechte irgentwie vertreten würden, nur solche Klopfer das welche entlassen wurden, weil die Dreistigkeit besessen haben einen Betriebsrat gründen zu wollen, Was bitte sind das für Zustände in der Spielebranche ? Es muss ein generelles Umdenken stattfinden, einerseits nach Förderung betteln, und andererseits nur eine Seite vertreten wollen geht Imho garnicht.

    Gruß
    Klabautermann

  3. Finde ich richtig so – der Bund sollte nur Nachwuchspreise mit Preisgeldern fördern.
    Der DCP besteht eh nur aus Mitgliedern oder ehemaligen Entwicklern die sich die Preise zuschießen, also sollten die den kram auch selber bezahlen.

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