Start Wirtschaft Xsolla Berlin: Miikka Luotio baut Europa-Zentrale auf

Xsolla Berlin: Miikka Luotio baut Europa-Zentrale auf

Das Team von Xsolla Berlin im Mai 2022 mit Marketing Manager Jan Kuhlmann und Regional Director Europe Miikka Luotio (rechts) - Foto: Xsolla Berlin
Das Team von Xsolla Berlin im Mai 2022 mit Marketing Manager Jan Kuhlmann und Regional Director Europe Miikka Luotio (rechts) - Foto: Xsolla Berlin

Einst als Zahlungsdienstleister gestartet, deckt Xsolla immer mehr Services und Länder ab – mittlerweile auch mit einer Filiale in Berlin.

Wer als Entwickler ein Online-Spiel nicht nur im Heimatmarkt, sondern weltweit anbieten möchte, wird mit Myriaden unterschiedlicher Plattformen, Zahlungssysteme und Besonderheiten mit Blick auf Steuern und Compliance konfrontiert. An dieser Stelle kommt Xsolla in Spiel: Nach eigenen Angaben deckt der Dienstleister mehr als 200 Länder, 20 Sprachen, 130 Währungen und 700 Zahlungsmethoden ab, davon alleine 400 in Europa.

Ein Produkt lässt sich also schneller und leichter skalieren: Mehr Spieler – mehr Umsatz, auch und gerade in Regionen, wo etwa Kreditkarten weniger verbreitet sind. Xsolla koordiniert zudem Rückerstattungen und fängt betrügerische Aktivitäten (‚Fraud‘) ab.

Für den Service berechnet Xsolla eine Provision von pauschal 5 Prozent – anderweitige Einrichtungsgebühren oder Mindestumsätze gibt es nicht. Das Angebot kommt somit auch für kleine Studios in Frage, deren Spiel sich noch im Pre-Launch befindet. Größere Anbieter mit höherem Volumen erhalten individuellen Support.

Mehr als 1.500 Firmen nutzen Xsolla, darunter Ubisoft, Epic Games, Team17, Roblox, Take-Two, 505 Games und natürlich auch etliche Studios in Deutschland. Um die Marke innerhalb der Games-Entwickler bekannter zu machen, intensiviert Xsolla das Marketing – etwa im Rahmen der Gamescom-Entwicklerkonferenz Devcom oder als Sponsor des Branchenverbands-Sommerfests.

Bislang hat Xsolla den europäischen Markt vom Hauptquartier im kalifornischen Los Angeles aus koordiniert – seit kurzem existiert in Berlin eine eigene Niederlassung. Das Team wird von Miikka Luotio geleitet, der umfangreiche Mobilegames-Erfahrung mitbringt: Der Finne war unter anderem für Wooga, PopCap Games (Bejeweled), Rovio (Angry Birds), Flaregames (Nonstop Knight), Tilting Point (Tap Busters) und Superscale (Tiny Tower) tätig. Seit Oktober 2020 ist er für Xsolla im Einsatz, seit Februar 2022 in der Rolle des Regional Director of Europe der Xsolla Berlin GmbH.

Miikka Luotio ist Regional Director Europe bei Xsolla Berlin (Foto: Xsolla Berlin GmbH)
Miikka Luotio ist Regional Director Europe bei Xsolla Berlin (Foto: Xsolla Berlin GmbH)

Zum Start beschäftigt Xsolla Berlin bereits neun Mitarbeiter – in den kommenden vier Jahren soll das Team auf 50 Beschäftigte anwachsen, wie Luotio im GamesWirtschaft-Gespräch verrät. Neben Deutschland wird von der Hauptstadt aus ganz Europa betreut, inklusive Großbritannien.

Die Wahl fiel nicht ohne Grund auf Berlin: Derweil Hamburg als Browser- und Mobilegames-Hochburg gilt, ist die Hauptstadtregion für immer mehr Games- und Tech-Startups attraktiv – was nicht zuletzt das Recruiting erleichtert.

Das Xsolla-Portfolio wächst in beachtlichem Tempo: Das Unternehmen bietet eine ganze Reihe fertiger Tools an, mit dem sich zum Beispiel Ingame-Stores und Abo-Modelle implementieren lassen, die zum Beispiel Upgrades und Downgrades ermöglichen.. Den Spiele-Studios bleibt folglich mehr Zeit und Energie für den kreativen Prozess. Gerade bei Abo-Modellen sieht Luttio noch viel Potenzial – unabhängig von der Plattform.

Noch relativ neu im Sortiment ist der Xsolla Funding Club, der Entwickler und Investoren beziehungsweise Publisher zusammenbringt. Dieser ‚Matchmaking-Service‘ ist grundsätzlich kostenlos.

Ganz grundsätzlich geht Monetarisierungs-Experte Luotio davon aus, dass sich der Fokus verschiebt – weg von Plattformen mit eingeschränkten Bezahlmethoden, hin zu einer größeren Bandbreite an Games, bei denen sich Käufe in jeder beliebigen Art bezahlen lassen. Nicht zuletzt die juristischen Auseinandersetzungen zwischen Epic Games und Apple hätten zudem dazu geführt, dass Studios und Publisher verstärkt darüber nachdenken, wie sie eine direkte Kundenbeziehung aufbauen können – um etwa besonders aktive oder loyale Käufer gezielt anzusprechen und zu belohnen.

Zusätzlich würden innovative Ansätze durch die großen Plattformen und Stores ausgebremst, weil etwa keine Blockchain-Modelle oder Kryptowährungen zugelassen werden. Luotio räumt ein, dass gerade NFTs nach wie vor auf erhebliche Akzeptanzprobleme stoßen. Doch dies würde sich ändern, sobald es einem Studio gelänge, ein auch für Spieler attraktives Konzept umzusetzen und damit einen Industrie-Standard zu setzen – so wie es Supercell (Clash of Clans, Hayday) einst im Bereich Mobilegames geschafft hat.

Während die allermeisten Projekte zwangsläufig scheitern, würde allein schon die schiere Masse an Startups, Projekten und Investorengeldern mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreiche Games hervorbringen. Noch sei dieser ‚heilige Gral‘ nicht entdeckt worden. Luotio: „Ich wäre sehr überrascht, wenn wir nicht im kommenden Jahr oder 2024 das erste wirklich gut umgesetzte Blockchain-Spiel erleben würden.“