Start Wirtschaft MediaMarkt und Saturn wollen Mehrwertsteuer-Senkung weitergeben

MediaMarkt und Saturn wollen Mehrwertsteuer-Senkung weitergeben

Wollen die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergeben: Saturn und MediaMarkt (Foto: MediaMarktSaturn)
Wollen die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergeben: Saturn und MediaMarkt (Foto: MediaMarktSaturn)

Zu „100 Prozent“ sollen die Kunden von MediaMarkt und Saturn ab heute von der reduzierten Mehrwertsteuer profitieren – der intensive Wettbewerb in der Branche lässt an diesem Punkt auch keine andere Wahl.

Aldi, Lidl, Rossmann, Obi, Hornbach, Deichmann, Kaufland: Sie alle und viele weitere Handelsketten haben hoch und heilig versprochen, die seit heute geltende Mehrwertsteuer-Senkung in vollem Umfang an ihre Kunden weitergeben zu wollen.

Zwischen dem 1. Juli 2020 und dem 31. Dezember 2020 fällt eine geringere Mehrwertsteuer auf Waren und Dienstleistungen an: Statt 19 Prozent werden 16 Prozent berechnet – beim reduzierten Steuersatz (gilt zum Beispiel für Abos, Streaming-Dienste, Tickets usw.) sind es 5 statt 7 Prozent.

Ziel: die coronageschädigte Konsumlust der Deutschen kurzfristig zu stimulieren.

Heißt aber auch: Zum 1. Januar 2021 wird es zwangsläufig zu „Preiserhöhungen“ kommen, also zur Rückkehr zu den bisherigen Preisen. Es sei denn, die Aktion wird verlängert.

Kein Handwerker, Gastronom, Nagelstudio oder Händler ist verpflichtet, die Bruttopreise entsprechend anzupassen – es ist völlig legitim, die Marge zur Deckung entgangener Umsätze während des Corona-Lockdowns einzubehalten. Bei Discountern, in der Möbelbranche und im Lebensmittel-Einzelhandel haben Verbraucherschützer hingegen wenig Zweifel, dass der ohnehin unerbittliche Verdrängungswettbewerb zu einer Art ‚Gruppenzwang‘ führt.

Auch bei Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten und Entertainment-Hardware werden sich die Händler zwangsläufig auf Preissenkungen einlassen. Genauer: einlassen müssen. Denn anders als bei Textilien oder Handelsmarken lassen sich die Preise bestimmter TV-, Smartphone-, Digitalkamera- oder Spielkonsolen-Modelle schnell und leicht vergleichen – entweder manuell oder über Preisvergleichs-Portale.

Deshalb haben auch die Konzern-Schwestern MediaMarkt und Saturn ebenso wie viele ihrer Mitbewerber angekündigt, ihre Kunden „zu 100 Prozent“ von der reduzierten Mehrwertsteuer profitieren zu lassen. Dieses Versprechen gilt sowohl für die Online-Shops als auch die bundesweit 430 Märkte. Abseits von Marktführer Amazon gelten MediaMarkt und Saturn nach wie vor als bedeutendster Absatzkanal von Spielkonsolen und Konsolenspielen in Deutschland.

Wie zum Beweis enthält der druckfrische MediaMarkt-Prospekt eine wahre Flut an „krummen“ Preisen: So kostet die begehrte Nintendo Switch statt 330 Euro nur 321,67 Euro* – die Switch Lite inklusive „Animal Crossing: New Horizons“ liegt bei 238,82 Euro* statt 245 Euro.

Mehrwersteuer-Senkung zum 1. Juli: Was gilt, wenn schon im Mai oder Juni bestellt wurde?

Eine gewisse Ersparnis lässt sich also nicht wegdiskutieren – allerdings fallen die vermeintlich großzügigen Rabatte erheblich geringer aus als bei den ohnehin regelmäßigen „Mehrwertsteuer geschenkt“- oder „Kauf 3, zahl 2“-Sonderaktionen. Gleichermaßen skeptische wie aufmerksame Kunden wollen außerdem bemerkt haben, dass die Verkaufspreise für einzelne Produkte bereits im Vorfeld dezent „angepasst“ wurden.

Fakt ist jedenfalls: Je teurer die Anschaffung, desto größer die Ersparnis durch die Mehrwertsteuer-Senkung – gerade bei hochpreisigen Produkten wie Autos liegt der Nachlass schnell im vierstelligen Bereich.

Wie verhält es sich aber, wenn man ein Produkt oder eine Dienstleistung bereits im ersten Halbjahr 2020 bestellt wurde? Entscheidend ist der Zeitpunkt der Lieferung oder Leistung. Das Datum des Vertragsabschlusses oder der Auftragsvergabe ist also nicht relevant. Wird der Fernseher im Mai bestellt und im Juli geliefert, bekommt der Kunde eine Rechnung mit 16 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Auf eine Ausnahme weisen die Verbraucherzentralen hin: Falls ein Festpreis inklusive Mehrwertsteuer vereinbart wurde, dann gilt dieser Preis weiterhin – und der Händler oder Dienstleister freut sich über eine etwas höhere Gewinnspanne.

Auf Mieten sowie die meisten Versicherungen fällt im Übrigen keine Umsatzsteuer an. Bei preisgebundenen Artikeln wie Büchern und Zeitschriften gibt es ohnehin keine Änderung: Der Roman, der am 30. Juni für 14,99 Euro angeboten wurde, kostet am 1. Juli weiterhin 14,99 Euro.

2 Kommentare

  1. Ja haben Sie , aber nicht gesenkt, sondern aufgeschlagen:
    SAMSUNG Galaxy Tab A 10.1 Wi-Fi, Tablet, 64 GB, 10,1 Zoll, Black am 26.06.2020= 209€
    Heute =214.45€

  2. Die Nintendo Switch bietet Saturn für 331€ an, also genau so viel wie vorher mit 19%. Gewinnzuschlag erhöht? 🤷🏼‍♀️

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