Start Wirtschaft Ceconomy legt Sparprogramm für MediaMarkt und Saturn auf

Ceconomy legt Sparprogramm für MediaMarkt und Saturn auf

Ceconomy betreibt über 430 Filialen der Marken MediaMarkt und Saturn in Deutschland (Foto: MediaMarktSaturn Unternehmens-Kommunikation)
Ceconomy betreibt über 430 Filialen der Marken MediaMarkt und Saturn in Deutschland (Foto: MediaMarktSaturn Unternehmens-Kommunikation)

Jährliche Einsparungen in dreistelliger Millionen-Höhe und Stellenabbau sollen die Ertragskraft des Handelsriesen Ceconomy (MediaMarkt, Saturn) steigern.

Flachbild-Fernseher würden nun mal deutlich weniger Stellfläche benötigen als Röhren-Fernseher – so begründet der Geschäftsführer der zweigeschossigen Saturn-Filiale im fränkischen Fürth, warum künftig nur noch das Erdgeschoss belegt wird. Außerdem würden sich die Kunden ja den Weg ins obere Stockwerk sparen. Was mit der überflüssig gewordenen Etage geschieht: noch unklar. Mit den Turbulenzen bei der Saturn-Konzernmutter Ceconomy habe die Maßnahme jedenfalls nichts zu tun – alle Mitarbeiter würden weiterhin gebraucht.

Andernorts sind die Aussichten weniger rosig: Als Reaktion auf die „herausfordernde Entwicklung des abgelaufenen Geschäftsjahres“ tritt der Handelskonzern Ceconomy (MediaMarkt, Saturn) auf die Kostenbremse, wie am Montagabend bekannt wurde. Jährlich 110 bis 130 Millionen Euro sollen eingespart werden. Dazu will das Unternehmen die Organisation straffen, Abteilungen zusammenlegen und Abläufe effizienter gestalten.  Mehrere hundert Mitarbeiter müssen das Unternehmen ebenso verlassen wie Teile des Vorstands, deren Posten ersatzlos wegfallen. Ab Mitte 2019 wird das Unternehmen von einem Duo geleitet: CEO Jörn Werner und Finanz-Chefin Karin Sonnenmoser.

Empfindliche Einsparungen sind sowohl beim börsennotierten Dachkonzern Ceconomy mit Sitz in Düsseldorf als auch bei der Ingolstädter Holding MediaMarktSaturn Retail Group vorgesehen, insbesondere mit Blick auf die Verwaltung. Auch bei den Plattformen und Tochtergesellschaften wird durchgekärchert: Der chronisch unerfolgreiche Musik-Streamingdienst Juke hat den Kampf gegen Spotify und Amazon Music offiziell verloren und wird abgeschaltet. Analoges gilt für die Retail Media Group, die erst 2017 mit dem Ziel gestartet wurde, die vielen Millionen Kundendaten gewinnbringend zu vermarkten.

MediaMarkt und Saturn unter Druck: Ceconomy AG legt Sparprogramm auf

Trotz ermutigendem Weihnachtsgeschäft steckt Ceconomy weiterhin in einer ernsthaften Krise: Das Hin und Her bei Management und Strategie lässt sich nicht zuletzt am massiv eingebrochenen Aktienkurs ablesen.

Einstige Stärken von Ceconomy gelten mittlerweile als Bremsklotz:

  • Mit MediaMarkt und Saturn gibt es zwei Marken mit hohem Bekanntheitsgrad, die allerdings immer größere Probleme haben, sich voneinander abzugrenzen. Vielerorts liegen nur wenige hundert Meter zwischen den Elektromärkten, die – siehe Fürth – vielfach über völlig überdimensionierte Verkaufs- und Lagerflächen verfügen. Und: Der Online-Shop beider Marken ist – mit farblichen Nuancen – technisch und inhaltlich nahezu deckungsgleich.
  • Die Filial-Geschäftsführer sind an Umsatz und Ertrag beteiligt und haben Einfluss auf Sortiments- und Preisgestaltung. Dadurch wurde der naheliegende und zwangsläufige Aufbau des Online-Geschäfts zu spät und zu zaghaft angegangen.

Dass die Kosten gesenkt werden müssen, ist nun klar. Nicht beantwortet ist bislang die Frage, wie der Umsatz nachhaltig gesteigert werden kann. MediaMarkt und Saturn betreiben europaweit knapp 1.000 Filialen (davon 430 in Deutschland) – hierzulande sind rund 27.000 Mitarbeiter beschäftigt. Für Konsolenhersteller und Spiele-Publisher sind die Ceconomy-Märkte der mit Abstand größte Vertriebskanal – nach Amazon.

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