Start Wirtschaft Call of Duty 10-Jahres-Deal: Sony einigt sich mit Microsoft

Call of Duty 10-Jahres-Deal: Sony einigt sich mit Microsoft

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Kontrolliert Microsoft künftig mit Call of Duty eine der kommerziell bedeutendsten Games-Marken? (Abbildung: Activision Blizzard)
Kontrolliert Microsoft künftig mit Call of Duty eine der kommerziell bedeutendsten Games-Marken? (Abbildung: Activision Blizzard)

Last-Minute-Deal-Einigung zwischen Microsoft und Sony: Auch in den kommenden zehn Jahren wird der Activision Blizzard-Shooter Call of Duty auf PlayStation-Systemen stattfinden.

Es ist nicht so, dass sie nicht alles versucht hätten, um just diese Situation zu vermeiden: Wenige Stunden vor der offiziellen Deadline hat Sony Interactive doch noch einem Abkommen mit Microsoft zugestimmt, wie Head of Xbox Phil Spencer am späten Sonntagnachmittag deutscher Zeit via Twitter verkündet hat. In den kommenden zehn Jahren sollen Call of Duty-Spiele auch für PlayStation-Konsolen erscheinen – was demzufolge die Lebenszyklen von PlayStation 5 und PlayStation 6 umfasst.

Inwieweit auch Abo-Modelle wie PlayStation Plus von der Vereinbarung abgedeckt sind, geht aus der Ankündigung nicht hervor. Eine vergleichbare Abmachung gibt es seit Februar bereits zwischen Microsoft und Nintendo, was dafür sorgt, dass Call of Duty erstmals auch auf Switch-Systemen stattfinden wird.

Die Sony-Vereinbarung umfasst explizit nur für Call of Duty – nicht aber für andere Activision-Blizzard-Marken wie Diablo, Tony Hawk’s Pro Skater, Crash Bandicoot oder Overwatch. Es handelt sich also um schlechtere Konditionen als jene, die Spencer seinem PlayStation-Pendant Jim Ryan im Frühjahr 2022 angeboten hatte.

Sony Interactive hatte dieses Angebot abgelehnt und seitdem versucht, den Kauf des Publishers als solchen zu verhindern – unter anderem mit der Begründung, Microsoft werde Call of Duty exklusiv für Xbox Series X/S sowie im Xbox Game Pass anbieten und damit PlayStation-Kunden ‚aussperren‘. In den Raum gestellt wurde auch die kühne These, die PlayStation-Version könne technisch oder inhaltlich schlechter ausfallen als die Xbox-Fassung.

Pikantes Detail: Sony plant bereits für die PlayStation 6 - und fürchtet, dass Call of Duty zu diesem Zeitpunkt Xbox-exklusiv ist.
Pikantes Detail: Sony plant bereits für die PlayStation 6 – und fürchtet, dass Call of Duty zu diesem Zeitpunkt Xbox-exklusiv ist.

Call of Duty ist für Sony von erheblicher Bedeutung, wie während der jüngsten Verhandlungen vor einem US-Gericht bekannt wurde: Demnach gibt es eine Million PlayStation-Besitzer, die ihre Konsole faktisch ausschließlich für Call of Duty-Spiele nutzen. Im Jahr 2022 belegte Call of Duty: Modern Warfare 2 die Plätze 1 (USA/Kanada) und 2 (Europa) in der Liste der meistgekauften PS5-Spiele im PlayStation Store – der Free2Play-Ableger Call of Duty: Warzone liegt ebenfalls in der Spitzengruppe.

Sony Interactive profitiert bereits jetzt und auch künftig durch Provisionen von jedem Call of Duty-Dollar/Euro auf konzerneigenen Systemen – kolportiert wird ein Anteil zwischen 20 und (marktüblichen) 30 Prozent. Umgekehrt bleibt die PlayStation-Kundschaft für Activision Blizzard und damit auch für Microsoft von erheblicher finanzieller Bedeutung.

Damit rückt die 70-Milliarden-Dollar-Übernahme des US-Spieleherstellers Activision Blizzard durch Microsoft in greifbare Nähe: Ende vergangener Woche hatte bereits die US-Kartellbehörde FTC eine empfindliche juristische Niederlage einstecken müssen – und will nun in Berufung gehen.

Tatsächlich befindet sich der Rekord-Deal auf der Zielgeraden: Als wesentliches Hemmnis gilt noch der Widerstand der Competition and Markets Authority (CMA), die für das Vereinigte Königreich inklusive dem wichtigen englischen Markt zuständig ist. Die Behörde unterstellt eine mögliche Dominanz von Microsoft im Segment des Cloud-Gamings und Spiele-Streamings – einem Markt, der bislang noch als Nische gilt und aus dem sich Google via Stadia Anfang des Jahres komplett zurückgezogen hat.

Microsoft habe der CMA bereits ein ‚Divestment‘ in geringem Umfang angeboten, also den Verkauf von Studios, Marken, Standorten oder Geschäftsbereichen an Mitbewerber. Es wird erwartet, dass es in dieser Angelegenheit zeitnah zu einer Entscheidung kommt – denkbar ist auch, dass die Übernahme vollzogen wird und das Activision Blizzard-Geschäft im United Kingdom vorerst separat weiterläuft.

Die EU-Kommission hat in dieser Angelegenheit bereits grünes Licht gegeben – mit geringen Auflagen.

Beitrag wird laufend aktualisiert.