Start Politik VideogamesAreNotToBlame: Reaktion auf Trump-Kritik

VideogamesAreNotToBlame: Reaktion auf Trump-Kritik

US-Präsident Donald Trump am 5. August bei seiner Ansprache anlässlich der Amokläufe in El Paso und Dayton (Foto: The White House / Joyce N. Boghosian)
US-Präsident Donald Trump am 5. August bei seiner Ansprache anlässlich der Amokläufe in El Paso und Dayton (Foto: The White House / Joyce N. Boghosian)

Unter dem Hashtag #VideogamesAreNotToBlame reagieren Spiele-Fans und -Entwickler auf ein Trump-Statement im Nachgang zu den jüngsten US-Amokläufen.

Bei Anschlägen in El Paso (Texas) und Dayton (Ohio) wurden am Wochenende mehr als 30 Menschen erschossen und Dutzende weitere teils schwer verletzt. In einer Stellungnahme am Montagvormittag (Ortszeit) und in mehreren Tweets verurteilte US-Präsident Donald Trump die Ermordung Unschuldiger und kündigte ein ganzes Maßnahmenbündel an, um neuerliche Tragödien zu verhindern. Unter anderem lässt Trump die Wiedereinführung der Todesstrafe auf Bundesebene vom Justizministerium prüfen.

In seiner Ansprache verwies Trump unter anderem auf die „Verherrlichung von Gewalt in unserer Gesellschaft“ und nannte neben Medien explizit „grausame und gewalthaltige Videospiele“ als Beispiele. Für Jugendliche sei es zu einfach, sich mit einer Kultur zu umgeben, die Gewalt „feiert“.

Beobachter werteten das Statement als möglichen Vorbote einer stärkeren Regulierung. Mehrere US-Senatoren hatten sich bereits im Vorfeld dieser Position angeschlossen. Die Aktienkurse großer börsennotierter Spielehersteller wie Activision Blizzard („Call of Duty“), Take-Two Interactive („Grand Theft Auto“) und Electronic Arts („Battlefield“) reagierten umgehend mit deutlichen Kursverlusten von bis zu 5 Prozent.

Die US-Videospiel-Lobby Entertainment Software Association (ESA) veröffentlichte zwischenzeitlich eine Stellungnahme, die nahezu deckungsgleich ist mit der Argumentation im März 2018. Damals hatte Trump die Vertreter der US-Spielebranche ins Weiße Haus geladen, um über Konsequenzen aus einem Amoklauf an einer High School in Parkland zu beraten. „Videospiel-Gewalt und -Verherrlichung müssen gestoppt werden – sie erschafft Monster!“ hatte Trump zuvor gewittert.


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Nach Darstellung der ESA würden Videospiele von Milliarden Menschen in aller Welt gespielt – doch nur in den USA gäbe es regelmäßig Vorfälle wie in El Paso. Zudem würden „zahlreiche wissenschaftliche Studien“ belegen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Waffengewalt und Games gebe.

Zu den Teilnehmer des Runden Tisches vor eineinhalb Jahren gehörte auch Take-Two-CEO Strauss Zelnick. Gegenüber dem Hollywood Reporter verwahrte sich der Top-Manager gestern erneut gegen Trumps Vorwürfe. Die Schuld bei Unterhaltungsmedien zu suchen sei unverantwortlich und zudem respektlos gegenüber den Opfern und deren Familien. „Entertainment wird auf der ganzen Welt konsumiert. Die Situation ist weltweit identisch. Waffengewalt ist amerikanisch – und wir müssen uns um die wirklichen Ursachen kümmern“, so Zelnick.

Sehr ähnlich lauten die Positionen in der Debatte, die derzeit unter dem Hashtag #VideogamesAreNotToBlame in sozialen Netzwerken wie Twitter stattfindet. Die USA sei das einzige westliche Land, das bei vergleichbaren Videospiel-Umsätzen eine exorbitant hohe Zahl an Opfern von Waffengewalt zu beklagen habe. Dem Protest haben sich neben Computerspiele-Nutzern auch Entwickler angeschlossen.

Infolge des steigenden innenpolitischen Drucks wird eine moderate Verschärfung des Waffenrechts nicht mehr völlig ausgeschlossen: Eine stärkere Kontrolle in Form von „background checks“ oder ein Verbot bestimmter Waffentypen wird nach Anschlägen zwar regelmäßig in den USA diskutiert, aber in gleicher Regelmäßigkeit verworfen – was nicht zuletzt auf die massive Lobby-Arbeit der National Rifle Association (NRA) zurückzuführen ist.

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